Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Finanziell gelohnt hat sich der Olympiasieg für Ruder-Ass Tim Grohmann nicht

Finanziell gelohnt hat sich der Olympiasieg für Ruder-Ass Tim Grohmann nicht

Elf Jahre lang trainierte Tim Grohmann unermüdlich, um eines Tages in die Weltspitze zu rudern. Nicht selten waren es sieben Tage die Woche, die er seit seinem zwölften Lebensjahr im Boot verbrachte, um immer noch ein wenig besser zu werden.

Voriger Artikel
SC Borea gibt Kay Mattheß den Laufpass
Nächster Artikel
Sami Kaartinen schießt die Dresdner Eislöwen zum Sieg

Winterzauber: Tim Grohmann am Bootshaus in Cotta an der Elbe.

Quelle: Thomas Eisenhuth

Dresden. Von Stephan Hönigschmid

Dass sich die ganze Schinderei gelohnt hat, wusste er spätestens am 3. August dieses Jahres. An diesem Tag gelang ihm zusammen mit Karl Schulze, Philipp Wende und Lauritz Schoof im Doppelvierer ein Erfolg für die Ewigkeit: Gold bei den Olympischen Spielen in London.

Ganz Deutschland jubelte mit den sympathischen Ruderern. Seit diesem Triumph ist einige Zeit ins Land gegangen und man fragt sich, wie sich der Alltag eines Athleten nach einem Olympiasieg vom vorherigen Leben unterscheidet. Wie kann er sich noch motivieren, nachdem es eigentlich keine Steigerung mehr geben kann? "Unmittelbar nach den Olympischen Spielen hatte ich tatsächlich erst einmal keine Lust mehr aufs Rudern. Es ist ein großer Druck von mir abgefallen, nachdem ich mein ganzes Leben auf das große Ziel Olympiasieg hingearbeitet habe", erzählt Tim Grohmann.

So widmete er sich nach einem ausgiebigen Urlaub zunächst anderen Sportarten. "Ich habe viel Volleyball gespielt, mich außerdem auf einen Marathon vorbereitet", so Grohmann. Obwohl er die Intensität von kräftezehrendem Sport als Olympiasieger und als Unteroffizier in der Sportfördergruppe der Bundeswehr gewohnt ist, war der Dresden-Marathon im Oktober eine Herausforderung für ihn. "Es war vor allem schwierig, während des Laufens etwas zu essen." Beim Rudern ist das anders. Da wird in einer zweistündigen Trainingseinheit nur wenig gegessen, berichtet der 23-Jährige. Sein Marathon-Debüt meisterte er in 3:58 Stunden. Nach dem Ausflug in andere Sportarten ist Tim Grohmann erst im Oktober wieder ins Rudertraining eingestiegen. Das absolvierte er meistens auf dem Elster-Saale-Kanal im Leipziger Stadtteil Burghausen. In der Messestadt hat er ein Studium der Sportwissenschaft begonnen. Das soll jetzt trotz allen sportlichen Ehrgeizes oberste Priorität haben: "Der Bundestrainer sieht das genauso. Er hat gesagt, dass ich die ersten zwei Jahre ranklotzen soll."

Wegen der Konzentration auf das Studium hält sich auch Tim Grohmanns Euphorie für die Ruder-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Südkorea in Grenzen. "Wenn ich hinfahre, möch- te ich zwar gewinnen, aber es ist nicht zwingend. Das entscheidende Fernziel ist Olympia 2016 in Rio de Janeiro", betont der Athlet. Finanziell hat sich der Olympiasieg für den 23-Jährigen übrigens kaum gelohnt. "Nüchtern betrachtet gibt es relativ wenig Förderung für den Rudersport in Deutschland. Ich habe zwar 15 000 Euro von der Deutschen Sporthilfe bekommen, Sponsoren sind aber Mangelware. Während der Spiele ist ein Vertreter von VW ins deutsche Haus gekommen und hat mir für ein Jahr ein Auto zugesichert. Gehört habe ich von dem Mann seitdem nie wieder", erzählt Grohmann.

Nicht enttäuscht hat den Sportler hingegen sein Heimatort Freital. "Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der Bürgermeister ein Banner mit dem Spruch 'Wir grüßen unsere Olympiasieger' aufhängen lassen hat. Außerdem habe ich die Ehrenmitgliedschaft des Freizeitzentrums Hains verliehen bekommen." Auch in den nächsten Jahren wird Grohmann mit seinen Teamkameraden angreifen, um 2016 erneut Olympiasieger zu werden. Im Vergleich zu früher allerdings mit einem kleinen Unterschied: "Ich trainiere heute, weil es Spaß macht und nicht, weil ich noch etwas erreichen muss."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr