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Fans von Dynamo Dresden nach Pokal-Spiel in Hannover erneut in der Kritik - DFB leitet Ermittlungen ein

Fans von Dynamo Dresden nach Pokal-Spiel in Hannover erneut in der Kritik - DFB leitet Ermittlungen ein

Fast genau ein Jahr nach den Ausschreitungen von Dortmund stehen die Fans der SG Dynamo Dresden wieder nach einem Pokal-Spiel in der Kritik. Die Polizei erhob schwere Vorwürfe gegen die Anhänger, der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Dynamo ein.

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18 Dynamo-Fans wurden beim Spiel bei Hannover 96 festgenommen.

Quelle: dpa

Das bestätigte der DFB am Donnerstag, bezeichnete Meldungen über einen drohenden Pokal- Ausschluss des Vereins allerdings als vorschnelle Spekulation. Dynamo droht nun als „Wiederholungstäter“ eine massive Strafe.

„Die Gewalt gegen Polizisten ging ausschließlich von den Dynamo-Fans aus“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Nur mit einem Großaufgebot von rund 1000 Beamten habe die Polizei rund um den 5:4-Erfolg des Bundesligisten nach Elfmeterschießen schwere Krawalle verhindern können. Dennoch kam es im Vorfeld der Partie zu Ausschreitungen. Dabei wurden 18 Chaoten in Gewahrsam genommen, drei Personen nahm die Polizei wegen Körperverletzung vorläufig fest.

300 Dynamo-Fans hätten die Einlasskontrollen überrannt, die Schwarz-Gelben hätten schon vor dem Spiel jede Menge Pyrotechnik gezündet, vermelden die Beamten. Allerdings, so berichten mitgereiste Fans, habe es sich um weniger als 50 Personen gehandelt, die auch wegen einer laut Fans mangehaften Organisation durch die Absperrungen durchgebrochen seien. Auch an anderen Punkten wiedersprechen Dynamo: Fans den aussagen der Polizei. Es habe auch in und vor dem Stadion Versuche von Hannover-Fans gegeben, die Dresdner anzugreifen. Und auch im Stadion waren es laut Augenzeugen zuerst 96-Fans, die bengalische Feuer zündeten.

Nach dem Spiel waren es allerdings noch einmal die Dresdner, die mit ihrem Platzsturm die Polizei beschäftigten. Dieser blieb aber komplett friedlich, die Fans wollten lediglich ihr Team nach der Fast-Sensation feiern. Laut Polizei kehrten die Fans nach Aufforderung sofort in ihren Block zurück.

Dynamo Dresden verurteilte die Ausfälle, die das sonst stimmungsvolle Spiel einmal mehr in den Hintergrund treten ließen: „Es beschämt und empört uns, dass es rund um die Partie auch wieder Vorkommnisse gab, die diesen positiven Eindruck spürbar trüben. Diese liegen zuerst in der Verantwortung derer, die aggressiv auftreten, dabei Einlässe stürmen, geltende Regeln im Stadionbereich massiv brechen oder die Begrenzungen zum Innenraum überwinden. Dass letzteres in Hannover offensichtlich in harmloser Absicht geschah und schnell wieder vorbei war, ist dabei unerheblich“, teilte der Verein schriftlich mit.

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Dynamo Dresden unterliegt Hannover 96 im Elfmeterschießen um den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Am Rande des Spiels kam es zu Tumulten.

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Die Vorkommnisse seien bestürzend und würden die vielen tausend friedlichen Fans einmal mehr diskreditieren. Die Arbeit des Clubs für den Erhalt der Fankultur werde erneut zurückgeworfen. Dynamo kündigte eine umfassende Stellungnahme für den DFB an. Diese werde aber auch Punkte enthalten, für die laut Verein die Fans nichts können. „Verantwortung für Vorfälle der gestern erlebten Art tragen aber auch diejenigen, die sie nicht verhindern. Dynamo Dresden hat schon am gestrigen Abend begonnen, die Ursachen und Abläufe zu analysieren, aufzuarbeiten und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen“, heißt es.

Im Gegensatz zum Vorjahr, als nahezu alle Seiten mit teils drastischen Worten die Vorfälle von Dortmund kommentierten, war die Reaktion von DFB und DFL dieses Mal eher zurückhaltend. „Wir wollen Bilder wie in Hannover nicht sehen“, sagte DFB- Generalsekretär Helmut Sandrock nach einem Treffen mit Vertretern des Ligaverbandes sowie der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Frankfurt am Main. Es sei allerdings „die Aufgabe unserer unabhängigen Sportgerichtsbarkeit, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“. Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball erklärte am Donnerstag: „Die Vorfälle müssen erst einmal aufgearbeitet werden.“

Die Gewerkschaft der Polizei forderte in der Diskussion über die zunehmende Gewalt rund um den Fußball eine stärkere Unterstützung durch die Vereine und auch die Politik. „Es ärgert mich, dass sich die Innenminister aus der Verantwortung ziehen und der Polizei die Verantwortung zuschieben“, sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut nach dem Treffen. Die regelmäßigen Forderungen aus der Politik nach einem härteren Durchgreifen gegen gewalttätige Fans bezeichnete Witthaut als reinen Populismus.

Das Treffen von DFB und DFL war schon vor langer Zeit vereinbart worden. Durch die Debatten über das Sicherheitskonzept der DFL und die Vorkommnisse in Hannover hatte es aber noch einmal an Bedeutung gewonnen.

Im Vorjahr wäre Dynamo Dresden nach den Vorfällen in Dortmund beinahe vom Pokal für diese Saison ausgeschlossen worden. Erst das DFB-Bundesgericht kippte dieses Urteil später und verhängte stattdessen ein Geisterspiel in der 2. Bundesliga gegen den FC Ingolstadt, das von den Fans durch mehr als 40.000 verkaufte „Geistertickets“ in eine riesige positive Aktion verwandelt wurde. Zudem musste Dynamo damals eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro zahlen.

sl / dpa

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