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Ex-Dynamo Karsten Neitzel will am Sonnabend als Trainer mit dem VfL Bochum in Dresden punkten

Ex-Dynamo Karsten Neitzel will am Sonnabend als Trainer mit dem VfL Bochum in Dresden punkten

Nach neun Jahren verließ Karsten Neitzel im Sommer 1989 Dynamo Dresden, weil es sportlich nicht mehr passte. Seither ist der ehemalige DDR-Junioren-Auswahlspieler viel herumgekommen und hat längst auch als Trainer Fuß gefasst.

Bochum/Dresden.

Am Sonnabend möchte der 44-Jährige als Chefcoach mit dem VfL Bochum an der Lennéstraße punkten. Vorab sprachen die DNN mit dem gebürtigen Dresdner über dessen "Drähte" in die alte Heimat, sein Vorbild Volker Finke, Erfahrungen in Japan, die Krise in Bochum und über den wiedererstarkten Zlatko Dedic.

Frage: Herr Neitzel, wann waren Sie das letzte Mal in Dresden?

Karsten Neitzel: Das war im Mai 2012. Allerdings war das nur eine Stippvisite. Ich war wegen einer Spielbeobachtung auf dem Weg nach Prag.  

Gibt es nach 23 Jahren Wanderschaft noch Verbindungen in Ihre Heimatstadt?

Meine Mutter und mein Bruder leben in der Nähe von Dresden. Zudem habe ich die Hälfte meines Lebens in der Stadt verbracht. Da gibt es noch den einen oder anderen Kontakt. So habe ich für das Spiel insgesamt zehn Karten besorgt. Bei Dynamo selbst indes ist wohl niemand aus meiner Zeit mehr tätig.

Ist es Ihnen 1989 schwer gefallen, im Tausch mit Andreas Wagenhaus zum Halleschen FC zu wechseln?

Privat gesehen war das schon ein großer Schritt für mich. Zum ersten Mal von zu Hause weg - das ist mir als 21-Jähriger zu Beginn schon nicht leicht gefallen. Aus sportlichen Gesichtspunkten war es hingegen die richtige Entscheidung.

 Im Dresdner Nachwuchs wurden Sie zum DDR-Junioren-Auswahlspieler. Warum sind Sie bei Dynamo nur auf zehn Oberliga-Einsätze gekommen?

Es hat einfach nicht gepasst. In Halle bin ich dann viel besser zurechtgekommen. Ich bin von Beginn an auf meine Einsätze gekommen.

In Halle, bei den Stuttgarter Kickers und in Freiburg haben Sie als Spieler viel Erfahrung im Abstiegskampf gesammelt. Kommt Ihnen das heute als Trainer zugute?

Das kann man nicht miteinander vergleichen. Als Trainer hat man viel mehr Verantwortung und muss auf unzählige Dinge achten. Die Erfahrungen, die ich in Freiburg als Co-Trainer der Profis und als Cheftrainer der Zweiten Mannschaft gemacht habe, sind in diesem Zusammenhang sicherlich wichtiger. 

Welcher Ihrer ehemaligen Trainer hat Sie besonders beeindruckt, von wem haben Sie besonders viel gelernt?

Von Volker Finke, mit dem ich 14 Jahre in Freiburg und in Japan zusammengearbeitet habe. Er arbeitet sehr akribisch, ist klar in seiner Herangehensweise und versteht es wie kein Zweiter, eine Mannschaft zu führen. Seine Analysen waren immer auf den Punkt und ich habe noch keinen Menschen getroffen, der über so eine komplexe Sicht auf den Fußball verfügt.

 Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Japan mitgenommen?

Unglaublich viel. Japan ist ein Land zwischen Vorgestern und Übermorgen. In vielen Lebensbereichen sehr rückständig, in anderen indes uns Europäern um Jahre voraus. Der Fußball in Japan läuft in der Regel recht schematisch ab. Dort ordnet sich jeder unter. Individualität ist zweitrangig.  

Was hat Sie an der Aufgabe beim VfL Bochum gereizt?

Wenn so ein Traditionsverein wie der VfL anklopft, dann musst du nicht lange überlegen. Zwar stecken wir gerade in einer sportlich schwierigen Situation, doch der Verein besitzt noch immer eine große Strahlkraft.  

 Warum tut sich der Ex-Bundesligist in dieser Saison so schwer?

Das hat sehr viele Gründe. Zum einen stecken wir mitten in einem Umbruch. Und wenn der so weitreichend wie bei uns ist, dann braucht man Ergebnisse. Die sind trotz einiger guter Leistungen in der Hinrunde meist ausgeblieben. Deshalb stehen wir nun im Tabellenkeller und wollen möglichst schnell da raus.

Hätten Sie zu Saisonbeginn sowohl Dresden als auch Ihren aktuellen Klub bei Halbzeit so tief unten in der Tabelle erwartet?

Nein. Aufgrund der letzten Saison und der guten Vorbereitung habe ich nicht damit gerechnet, dass Dynamo Probleme bekommt.

 Werden Sie am Sonnabend Zlatko Dedic bringen? Unter Ihrer Leitung kommt er ja immer besser in Tritt...

Das ist richtig. Ihm hat es nach vielen Frustmomenten gut getan, dass wir auf ihn für das Pokalspiel in Havelse verzichtet haben. Er konnte mal durchatmen und hat gleich im nächsten Spiel gegen Cottbus getroffen.

In Dresden träumen manche noch von seiner Rückkehr. Können Sie das ausschließen? Er käme ja zu einem direkten Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt...

Zlatko Dedic ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft. Ich sehe keine Veranlassung, ihn abgeben zu wollen. Er hat einen vorbildlichen Charakter, gibt immer alles für den Verein und trifft jetzt auch wieder.  

 Packen Sie vor der Rückfahrt gen Westen noch einen echten Striezel ein oder mögen Sie nur richtige Sportlernahrung?

Wie es sich gehört, befindet sich im Hause Neitzel bereits ein echter Dresdner Christstollen. Wir sind also versorgt.

Geboren am 17.12. 1967 in Dresden.

Erster Verein: Robotron Radeberg.

Bilanz als Spieler: 10 Oberliga-Spiele für Dynamo Dresden, 68 Spiele (5 Tore) für Dynamo II, 71 Einsätze (2 Tore) für den Halleschen FC in der DDR-Oberliga und in der 2. Bundesliga, 79 Zweitliga-Spiele (1 Tor) für die Kickers, 18 Bundesliga-Spiele für Freiburg.

Auswahl: 17 x DDR-Junioren-Auswahl (1 Tor), 7 x DDR-Nachwuchs-Auswahl.

Position: Mittelfeld, Abwehr.

Trainerstationen: 1997-2007: Co-Trainer in Freiburg und 2009-10 bei den Urawa Red Diamonds (Japan), 1997-2008: Trainer SC Freiburg II, 2011-12: Co-Trainer in Bochum, seit Oktober 2012 VfL-Cheftrainer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.12.2012

Interview: Jochen Leimert

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