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Eislöwen-Geschäftsführer Volker Schnabel: "Hier wird mit Eishockey Politik betrieben"

Eislöwen-Geschäftsführer Volker Schnabel: "Hier wird mit Eishockey Politik betrieben"

Als die Dresdner Eislöwen im Frühjahr kurz vor dem Aus standen, war die Einsetzung eines neuen Geschäftsführers eine der wichtigsten Bedingungen der Stadt, um einem Sanierungskonzept des Eishockey-Zweitligisten zuzustimmen.

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Volker Schnabel sucht noch händeringend nach einem Brustsponsor für die Dresdner Eislöwen.

Quelle: Lutz Hentschel, soccerfoto

Mit Volker Schnabel konnte im April in letzter Minute der "Retter in der Not" präsentiert werden. Im DNN-Gespräch gibt der 56-Jährige Einblicke in die schwierige Arbeit der letzten Monate.

Frage: Hinter Ihnen liegen turbulente und nervenaufreibende Wochen. Der Eishockey-Standort Dresden stand kurz vorm endgültigen Aus. Wie schwer war der Start für Sie?

Schnabel: Ganz so schwierig hatte ich mir die Aufgabe nicht vorgestellt. Vor allem hätte ich nicht erwartet, dass mit Eishockey Politik betrieben wird, dass es dabei zum Teil nur um persönliche Interessen und Animositäten geht. Das kenne ich so nicht und das ist anders als an anderen Eishockey-Standorten. Und leider bindet so etwas unnötig Zeit und Kraft. Eigentlich sollte es doch um den Sport gehen.

Sie mussten zuletzt zweimal in kurzer Folge dem Sportausschuss über die Umsetzung des Sanierungskonzeptes berichten, weil angeblich einige Fragen offen blieben. Konnten Sie denn alle Bedenken ausräumen?

Ich konnte schon beim ersten Mal alle Fragen beantworten. Wir haben aber beim zweiten Mal den Wirtschaftsprüfer Henning Horn dabei gehabt, der die vermeintlichen Probleme der Kapitalerhöhung noch einmal verständlich erläutert hat. Er war ja der von der Stadt bestellte Wirtschaftsprüfer, dem auch wir voll vertrauen und der unsere Arbeit weiter begleitet. Die geforderte Rücklage in Höhe von 113 650 Euro konnten wir einwandfrei nachweisen.

Die Forderung nach einem weiteren Gesellschafter neben dem Stammverein ESCD und der Firma Heinrichsthaler konnte aber noch nicht umgesetzt werden. Warum nicht?

Das ist keine Sache, die sich im Handumdrehen lösen lässt. Wie von der Stadt gefordert, brauchen wir einen strategischen Partner, also ein großes oder etabliertes mittelständisches Unternehmen, das uns langfristig begleitet. Wir haben schon einige Gespräche geführt, aber leider noch nicht mit Erfolg. Es ist auf jeden Fall auch mein Bestreben, einen oder zwei solche Gesellschafter zu finden und wir brauchen auch einen Aufsichtsrat, der als Kontrollgremium fungiert und in dem Juristen, Wirtschaftsprüfer und weitere Experten sitzen.

Wie ESCD-Präsident Peter Micksch berichtete, soll es aber ein Angebot eines früheren Gesellschafters gegeben haben, der mit einer größeren Summe einsteigen wollte. Er knüpfte sein Engagement aber daran, dass Ex-Stadträtin Barbara Lässig wieder seine Stimmanteile vertritt. Können Sie das bestätigen?

Ja, das kann ich bestätigen. Unter der genannten Voraussetzung haben jedoch die derzeitigen Gesellschafter dieses Angebot abgelehnt, unter anderem auch, weil dann einige Sponsoren einen Rückzieher gemacht hätten.

Im Sportausschuss wurde auch nach der Bilanz der abgelaufenen Saison gefragt. Wann liegt die vor?

Es war eine Bedingung der Stadt, dass zur Umsetzung des Stadtratsbeschlusses zunächst die Lizenz zu erhalten ist. Wenn wir diese für die neue Saison erteilt bekommen haben, dauert es keine zehn Tage und wir legen die Bilanz vor.

Haben Sie Bedenken hinsichtlich der Lizenzerteilung?

Nein. Kürzlich mussten einige Vereine zu Gesprächen nach Ingolstadt. Wir waren nicht dabei, deshalb sehe ich keine Probleme. Danach wird es auch den Rahmenterminplan für die Saison geben. Allerdings haben wir dabei gegenüber den Konkurrenten doch ein größeres Handicap, weil wir durch andere Veranstaltungen in unserer Arena sehr viele, auch lukrative Termine verlegen müssen. Es wäre schön, wenn die Liste nicht ganz so lang wäre. Leider gibt es bisher auch noch keinen neuen Mietvertrag mit dem Sportstättenbetrieb der Stadt. Ich hoffe, dass wir den bald bekommen.

Welches sind jetzt die vordringlichsten Aufgaben?

Durch die gesamte Situation sind wir natürlich mit einem großen Rückstand in die Saison-Vorbereitung gestartet. Normalerweise beginnen die Planungen sowie die Sponsorengespräche im Januar. Aber ich bin hochzufrieden, was unser Team bisher erreicht hat. Dabei mussten wir ja auch in der Geschäftsstelle abbauen, um die Auflagen des Sanierungskonzeptes zu erfüllen. Zwei Mitarbeiter haben uns verlassen, so dass jetzt neben meiner Person noch drei fest angestellte und ein freier Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Das Wichtigste ist die Suche nach Sponsoren und die gesamte Vorbereitung auf die neue Spielzeit, wie zum Beispiel der Verkauf der Dauerkarten.

Wie schwer ist es, Geldgeber für die Eislöwen zu gewinnen und glauben Sie, dass der Sponsorenkuchen in Dresden für die relativ vielen Profivereine groß genug ist?

Natürlich bleibt Dynamo die unangefochtene Nummer eins. Ich glaube aber, dass sich Eishockey zur zweitstärksten Kraft entwickeln kann. Die Identifikation und Begeisterung der Fans ist schon enorm groß. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre müssen wir in der Wirtschaft und bei der Stadt jetzt Vertrauen zurückgewinnen. Auf jeden Fall ist die Sponsorensuche ein hartes Geschäft. Was uns vor allem fehlt, sind Unternehmen, die bereit sind, mindestens einen mittleren fünfstelligen Betrag zu geben. Wir haben keinen einzigen Sponsor, der eine sechsstellige Summe zur Verfügung stellt. In Bietigheim hatten wir mindestens zwei, oft aber noch mehr davon. Wir sind derzeit händeringend auf der Suche nach einem Brustsponsor, der uns mit einem mittleren bis gehobenen fünfstelligen Betrag unterstützt. Dabei ist es in unserem Sport ein Handicap, dass man in der zweiten Liga regional gebunden ist. Es fehlen die nationalen Blickkontakte, sprich Fernsehen und andere überregionale Medien. Das hindert große nationale Unternehmen, als Sponsor einzusteigen. Ein großer Schritt nach vorn würde also möglich sein, wenn es Richtung DEL geht.

Derzeit fehlt aber noch immer für die Zweitligisten die Möglichkeit zum Aufstieg. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Ich sehe keinen Grund, warum es so sein muss. Ich bin da ein ganz offener Kritiker dieser sehr unbefriedigenden Situation. Ein geregelter Auf- und Abstieg gehört für mich zum Sport einfach dazu. Eishockey ist die einzige Sportart in Deutschland, in der dies fehlt.

Sehen Sie in Dresden das Potenzial für einen künftigen DEL-Standort?

Ja, das ist mittelfristig unser Ziel. Die infrastrukturellen Voraussetzungen mit dem Flughafen, der Stadt, der Halle sind sehr gut. Und es ist ja kein Geheimnis, dass die DEL neben Berlin gern noch einen Standort im Osten haben möchte.

Apropos Berlin. Wird es wieder eine Kooperation mit den Eisbären geben?

Ja, per Handschlag sind wir uns einig. Der Vertrag muss jetzt nur noch unterzeichnet werden. Wir können höchstwahrscheinlich mit bis zu fünf Förderlizenzspielern rechnen, die bei uns Spielpraxis sammeln sollen. Als echtes Highlight wird zudem der vielfache deutsche Meister am 17. August zu einem Spiel in unserer Arena erwartet. Damit wird unser Vorbereitungsprogramm eröffnet. Schon eine Woche später wird es ein hochkarätiges Turnier mit der polnischen Nationalmannschaft, Wolfsburg und dem tschechischen Team aus Litvinov geben.

Wie läuft bisher der Dauerkartenverkauf?

Er ist sehr gut angelaufen. Die Marke von 400 werden wir auf jeden Fall knacken und damit in dieser Halle einen Rekord erreichen. Wir haben eine neue Preisstruktur geschaffen. So sehen die Dauerkarteninhaber alle Vorbereitungs- und Liga-Spiele, können dabei bis zu 25 Prozent sparen. Das ist ein Dankeschön an unseren treuen Fans. Nach der Länderspielpause im November werden zudem die Spiele am Sonntag bereits um 16 Uhr beginnen, um vor allem Familien mit Kindern entgegenzukommen. Außerdem wird es einen speziellen Familienblock geben. Insgesamt versuchen wir, einige neue Wege zu gehen, um noch mehr Menschen für die Eislöwen zu begeistern. So werden auch unsere Spieler hautnah bei vielen Events in der Stadt zu erleben sein.

Derzeit sind 14 Cracks unter Vertrag. Wie groß soll der Kader sein?

Wir planen schon mit 22 Spielern. Derzeit sind noch zwei Kontingentstellen frei. Da haben wir aber keine Eile, es sind genügend Ausländer auf dem Markt. Da hat Trainer Thomas Popiesch mein volles Vertrauen.

Wie sehen Sie das sächsische Eishockey mit den drei Zweitligisten insgesamt? Konkurrenz belebt das Geschäft?

Sachsen hat von der Papierform her kein Spitzenteam, weil die finanziellen Möglichkeiten das einfach nicht hergeben. Natürlich sind wir froh, dass es die Derbys gibt, da belebt Konkurrenz auf jeden Fall das Geschäft. Aber was die Nachwuchsarbeit angeht, bin ich der Meinung, sollten die Kräfte gebündelt werden. Kein einziger der drei Standorte kann allein zum Beispiel in allen Altersklassen Mannschaften für die höchsten Nachwuchsligen stellen. Deshalb hat unser Nachwuchsverein ein Konzept entwickelt, wie man das durch eine Zusammenarbeit erreichen kann und ist dazu bereits mit anderen Vereinen im Gespräch.

Interview: Astrid Hofmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2014

Astrid Hofmann

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