Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Google+
Dynamo fährt ohne Fans nach Aue

Dynamo fährt ohne Fans nach Aue

Vier Stunden lang diskutierten die Gremien von Dynamo Dresden am Dienstagabend, kurz vor Mitternacht informierte Präsident Andreas Ritter dann die auf der Geschäftsstelle wartenden Medienvertreter über die Ergebnisse der Krisensitzung nach den Fan-Ausschreitungen in Kaiserslautern.

Dresden.

Von Jochen Leimert

Dresden.

Vier Stunden lang diskutierten die Gremien von Dynamo Dresden am Dienstagabend, kurz vor Mitternacht informierte Präsident Andreas Ritter dann die auf der Geschäftsstelle wartenden Medienvertreter über die Ergebnisse der Krisensitzung nach den Fan-Ausschreitungen in Kaiserslautern. Mit einem Vier-Punkte-Plan hofft der Verein, neuerliche Gewaltexzesse und die illegale Fackelei bei Auswärtsspielen der Schwarz-Gelben einzudämmen.

Drei Auswärtsspiele ohne Fans

Punkt 1: Dynamo wird für die Auswärtsspiele in Aue, Braunschweig und bei Union Berlin keine ihm zustehenden Kartenkontingente abrufen. "Wir verzichten schweren Herzens auf unsere Fans", sagte Ritter, wohlwissend, dass die Maßnahme die friedfertigen Anhänger und die Mannschaft trifft. "Jenen aber, die für Randale sorgen, wollen wir die Bühne und die Plattform Dynamo Dresden nicht bieten." In Dresden sei das in den vergangenen Jahren gelungen, "auswärts noch nicht - da gilt es jetzt anzusetzen", so Ritter. Er hoffe, dass man einen Prozess der Selbstregulierung in der Anhängerschaft anstoßen kann. Das Auswärtsspiel am 23. Februar in Ingolstadt ist nur deshalb noch nicht vom Fanverzicht betroffen, weil der Kartenverkauf schon läuft. Ob der Ausschluss der eigenen Anhänger verkürzt oder auf weitere Spiele ausgedehnt wird, behält sich Dynamo vor.

Auswärts-Fancharta geplant

Punkt 2: Dynamo möchte mit tatkräftiger Unterstützung der Fans eine Auswärts-Fancharta erarbeiten. In dem Papier sollen Richtlinien für das Verhalten der Fans bei Auswärtsfahrten stehen. Von der Umsetzung der Fancharta werde die Verkürzung des Verzichts auf Auswärtskarten maßgeblich abhängen, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. "Das ist kein Dogma. Wenn es mit der Fancharta funktioniert, dann kann es passieren, dass wir doch nach Berlin fahren", sagte Ritter. Die noch nicht genau terminierte Partie in der Berliner Wuhlheide könnte am 12. April stattfinden - dem Tag, an dem die Marke Dynamo Dresden 60 Jahre alt wird. Der Verzicht auf mitreisende Anhänger werde aber in jedem Fall verlängert, wenn es in Aue, Braunschweig oder Berlin zu illegalen Handlungen kommt, die klar Dynamo-"Fans" zuzuordnen sind.

Kooperation mit Staatsanwalt

Punkt 3: Die Zusammenarbeit des Clubs mit der Staatsanwaltschaft soll intensiviert werden, um eine bessere Strafverfolgung der Gewalttäter zu gewährleisten. "Wir werden auch einen Rechtsanwalt zur Strafverfolgung zu Rate ziehen und das aufarbeiten", kündigte Ritter an. "Wir werden mit der Staatsanwaltschaft in Dresden in Verbindung treten, um da ganz straff ranzugehen. Wir wollen keine Zeit mehr verlieren, um da auch mal ein paar Leute dingfest zu machen und zu zeigen, dass man das mit uns nicht mehr machen kann." Allerdings wies der Verein in seiner gestern veröffentlichten Erklärung auch darauf hin: "Dabei ist die SG Dynamo Dresden von der Unterstützung der jeweiligen Polizeibehörden abhängig, wozu vor allem die bisher weitgehend ausgebliebene Zuarbeit von Video- und Beweismaterial zählt." Gegenüber den DNN bestätigte der Verein, dass er bis heute kein Material aus Hannover bekommen hat. Die Vorfälle am 31. Oktober hatten zum Pokalausschluss der Schwarz-Gelben durch das DFB-Sportgericht geführt.

Mehr Geld für Fanbetreuung

Punkt 4: Die Fanabteilung des Vereins wird zeitnah nochmals personell und qualitativ verstärkt, um sich noch umfassender auf die speziellen Gegebenheiten in der schwarz-gelben Fanszene einstellen zu können. Bisher ist mit Marek Lange nur ein Fanbetreuer aktiv, die nach der Randale von Dortmund geschaffene zweite Stelle war zuletzt unbesetzt, doch der neue Mitarbeiter, der in Kürze anfängt, steht schon fest. Mindestens eine weitere Person soll nun das Team verstärken. Die Stadt bot an, 50 000 Euro dafür bereitzustellen, wenn Dynamo die gleiche Summe aufbringt. Laut Vereinschef Ritter stimmten die Gremien dem Vorschlag zu: "Wir fanden das toll und haben gesagt: Jetzt machen wir das."

Verein hofft auf rasche Wirkung

Mit den Maßnahmen möchte der krisengeschüttelte Klub die Chaoten weiter isolieren, sein besonders in der Fremde stark negativ besetztes Image aufwerten und die Sicherheit aller Besucher verbessern. Geschäftsführer Christian Müller wünscht sich, dass der Vier-Punkte-Plan schnell greift: "Wir setzen große Hoffnungen darin, so jene Leute, die Dynamo Dresden immer wieder in Misskredit bringen, künftig wirksamer auf Distanz zu halten. Umgekehrt geht es darum, diejenigen, die es gut mit dem Verein meinen, zu stärken. Nur diese Leute können durch ihr Engagement und Fair-Play dafür sorgen, dass sich der schwer beschädigte Ruf der Sportgemeinschaft künftig wieder erholt." Der gebürtige Kölner meinte: "Bei uns im Rheinland gibt es ein Motto für mehr Zivilcourage. Das heißt: 'Arsch hoch, Zähne auseinander'. Das sollten wir auch beherzigen."

Fanvertreter tragen Plan mit

Präsident Ritter glaubt, dass die übergroße Mehrheit friedlicher Fans den Weg der Vereinsspitze mitgeht. "Wir haben auf der Gremiensitzung auch Fanvertreter gehört und wir sind optimistisch, dass in der Fan- und Mitgliedergemeinde die Bereitschaft dazu wächst, sich gegen kriminelle Auswüchse, wie sie sich in Kaiserslautern gezeigt haben, in Zukunft abzugrenzen und zur Wehr zu setzen." Der Freitaler DRK-Chef betonte: "Auch in der Auswärtsfanszene wurden die Vorkommnisse in Kaiserslautern ganz stark kritisiert. Augenzeugen haben berichtet, dass in Kaiserslautern Fangruppierungen gesehen wurden, die in Dresden schon seit Jahren nicht mehr im Stadion waren."

SGD zieht vor DFB-Bundesgericht

Obwohl die traurigen Ereignisse am Lauterer Betzenberg den Verein erneut in ein schlechtes Licht rückten, will Dynamo weiter gegen den vom DFB-Sportgericht des verhängten Pokalausschluss vorgehen. Der Verein legt laut Ritter Berufung ein, "weil wir der Meinung sind, dass die von der Sportgerichtsbarkeit angewandte verschuldensunabhängige Haftung nach wie vor ein großes Problem ist, sie viele Vereine betrifft, nicht nur Dynamo Dresden". In den Gremien habe ein breiter Konsens bestanden, erneut vor das DFB-Bundesgericht zu ziehen. Bis Freitag muss der Einspruch in Frankfurt/Main eingereicht sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.02.2013

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr