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Dynamo Dresdens zweiter Geschäftsführer Gabriel sucht einen neuen Kick

Dynamo Dresdens zweiter Geschäftsführer Gabriel sucht einen neuen Kick

Mit einem zweiten Geschäftsführer möchte Dynamo Dresden endlich Bewegung in die seit Jahren angestrebte, aber nie ansatzweise geglückte Neuverhandlung der Stadionverträge bringen und auch die ebenso drängenden Problemfelder Trainingsgelände und Nachwuchsleistungszentrum gründlicher beackern.

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Ralf Gabriel ist der neue zweite Geschäftsführer bei Dynamo.

Quelle: Olaf Rentsch

Mit dem 53-jährigen Ralf Gabriel stellten die Schwarz-Gelben gestern jenen Mann vor, der diesen Job ab dem 2. Mai übernehmen soll. Dabei ist Gabriel kein Unbekannter, der bisherige Abteilungsleiter Technik im städtischen Sportstätten- und Bäderbetrieb beschäftigt sich seit 1992 mit der Spielstätte von Dynamo und hat seitdem viele Geschäftsführer und Präsidenten an der Lennéstraße kommen und gehen sehen.

Aufsichtsratschef Thomas Bohn zeigte sich sehr erleichtert über den Abschluss mit dem Dresdner: "Wir wissen, was Herr Gabriel in den letzten Jahren von der Position der Stadt aus für Dynamo getan hat. Wir haben hier einen wirklich erfahrenen Fachmann zum Thema Dynamo, Dynamo-Verträge, Stadionverträge, Nachwuchsleistungszentrum." Bohn gestand, "dass der Auswahlprozess sehr lange, vielleicht zu lange gedauert hat, aber es war uns wichtig, den richtigen Mann zu bekommen". Man habe "auch sehr lange miteinander gerungen", deshalb sei es umso erfreulicher, dass es zu einer Einigung kam.

Warum Gabriel ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bei der Kommune gegen einen vorläufig auf drei Jahre befristeten Vertrag bei Dynamo eintauschte, erklärte der Familienvater damit, dass er eine neue Herausforderung gesucht habe, "die mir noch mal einen Kick verschafft nach den vielen Jahren in der Verwaltung". Zudem versicherte er glaubwürdig, dass er das von ihm von Anfang an begleitete Großprojekt Stadionneubau in Dresden zu einem für alle daran Beteiligten tragfähigeren Ende bringen möchte: "Ich hänge an dem Projekt wie vielleicht kein anderer." Seit Ex-OB Ingolf Roßberg es 2004 anschob, habe er daran gearbeitet, sei für die Stadt noch immer mit der Nachsorge befasst. Die am vergangenen Wochenende eröffnete Fankneipe sei noch nicht die letzte Restleistung aus dem Konzessionsvertrag, versicherte er.

Gabriel stört es, dass man bisher nicht erreicht hat, was sich Stadt, Stadionbetreiber und Verein einmal gewünscht hatten: nämlich die Arena möglichst unkompliziert und vor allem kostengünstig betreiben und nutzen zu können. "So wie es ursprünglich angelegt war, wird es in den Ligen zwei und drei nicht funktionieren", ist Gabriel von der Notwendigkeit der Neuverhandlung der Verträge überzeugt.

Verschiedene Partner hätten bei deren Abschluss deren Schwierigkeit nicht erkannt. "Da nehme ich den Verein auch nicht aus der Pflicht. Hier sind Unterschriften geleistet worden, ohne dass sich mit den Auswirkungen dessen, was man da unterschrieben hat, befasst wurde", so Gabriel. Korrekturen seien hinterher nur schwer durchzusetzen: "Die Verträge sind rechtskräftig. Jetzt kann man nur miteinander eine Änderung dieser Situation herbeiführen." Bisher hätten die Parteien aber gar nicht miteinander geredet: "Wir haben seit zwei Jahren keine Beiratssitzung gehabt." Das müsse sich ändern. Es sei niemandem gedient, wenn permanent über Nutzungsrechte, Miete und Betriebskostenzuschüsse gestritten wird: "Für alle Seiten muss es mehr Planungssicherheit geben", so Gabriel.

Mit Hauptgeschäftsführer Christian Müller an der Spitze sieht er bei Dynamo derzeit ein kompetentes Team am Wirken, mit dem die Arbeit Erfolg verspreche. Er hofft, dass die hohe Fluktuation beim Führungspersonal der SGD vorbei ist: "Rückblickend konnte man da schon erschrecken. Ich war dreimal bei ,Schlösser und Gärten' - und durfte jedes Mal einen anderen Geschäftsführer begleiten." Gabriel bezeichnet sich selbst als Teamplayer, ihm gehe es in erster Linie um die Sache: "Jedes Kompetenzgerangel ist mir fremd."

Nicht nur beim Thema Stadion, auch in Sachen Trainingsgelände und Nachwuchsleistungszentrum möchte Gabriel Fortschritte erreichen. Mit besorgtem Blick zum Leipziger Cottaweg warnte er: "Wir sind in Sachsen nicht alleine, wir haben hier eine Konkurrenzsituation." Er unterstrich, dass er die Zukunft dieser Projekte im Ostragehege sieht. Eine baldige Umsetzung hängt für ihn maßgeblich vom Klassenerhalt ab: "Wenn wir die Themen richtig anpacken wollen, dann ist die 2. Liga lebenswichtig. Es wäre verheerend, wenn es uns nicht gelingt, diese Spielklasse zu halten." Aufsichtsratschef Thomas Bohn weiß, dass der Abstieg vieles komplizierter machen würde. Er stellte aber klar: "Wir müssen die strukturellen Veränderungen anpacken - egal in welcher Liga wir spielen."

Stadionmanager Hans-Jörg Otto begrüßt die Berufung Gabriels durch Dynamo. "Wir stehen Herrn Gabriel aufgeschlossen gegenüber. Das ist jemand, der sich nicht erst einarbeiten muss. Er ist jemand, der bislang Positionen vertreten hat, die sich weitgehend mit unseren gedeckt haben. Wir sind jetzt gespannt, ob es nun bei der einen oder anderen Thematik auch mal zu einem Kurswechsel beim Verein kommt oder er sich der bisherigen Vereinssicht anpasst." Gabriel habe er als Person kennengelernt, "die der Problematik immer sehr offen gegenüberstand und lösungsorientiert war", so Otto. "Wir haben einen guten Draht zueinander", so der Vertreter der Stadion Dresden Projektgesellschaft, der bei der REWE-Teamchallenge schon einmal mit Gabriel im selben Laufteam startete.

Streit mit Oppitz beigelegt

Unterdessen hat Dynamo die juristische Auseinandersetzung mit Ex-Geschäftsführer Volker Oppitz beendet. Der Streit um eine Oppitz einst von Dynamo zugesicherte, aber dann nach dem Aufstieg 2011 nicht gezahlte Gehaltserhöhung lag fast ein Jahr beim Arbeitsgericht. "Wir haben uns letzte Woche mit Volker Oppitz verglichen. Jede Seite ist damit befriedet. Das ist vom Tisch", erklärte Aufsichstratsboss Thomas Bohn. Zweimal hatte Dynamo zuvor Vergleichsangebote der Gegenseite abgelehnt, bevor man schließlich doch einlenkte.

Über Ralf Gabriel:

Geboren: am 10. Oktober 1949 in Dresden. Familienstand: verheiratet, zwei Kinder. Berufsausbildung: Von 1981 bis 1986 absolvierte Gabriel ein technisches Studium an der TU Dresden, schloss es als Diplom-Ingenieur ab. Berufserfahrung: Nach 1986 Mitarbeit in einem Projektierungsbüro, seit 1990 beim Sportstätten- und Bäderbetrieb, seit 1991 Bereichsleiter Technik. Hobby: Als Fußballer ist er bei den Alten Herren des BSV Lockwitzgrund aktiv.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.04.2013

Jochen Leimert

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