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Dynamo Dresdens letztes Heimspiel: ein Volksfest in schwarz-gelb

Dynamo Dresdens letztes Heimspiel: ein Volksfest in schwarz-gelb

"Olé, Olé, die SGD", kräht der vierjährige Benny, seine Patchwork-Eltern skandieren fröhlich mit, feuern später lauthals ihr Team mit einem ohrenbetäubenden "Dy-na-mo, Dy-na-mo, Dy-na-mo" an.

Von Ralf redemund

Mit Kindern zum Heimspiel von Dynamo Dresden? Vor ein paar Jahren noch hätten Mütter Angst um ihre Sprösslinge gehabt. Spätestens seit dem Aufstieg in die 2. Liga ist das passé. Kinder genießen in Fankreisen besonderen Schutz, vor allem im berüchtigten K-Block. Generell ließ sich zum letzten Heimspiel am Sonntag gegen die Kiezkicker aus St. Pauli bei strahlendem Sonnenschein gut beobachten: Dynamo ist wieder salonfähig geworden für alle Alters-, Berufs- und Bevölkerungsschichten. Da wird im Vorfeld eines Spiels ein Picknick im Grünen veranstaltet, trifft sich die Gemeinde zum Vorglühen in der Torwirtschaft. Im Stadion geriet das Volksfest in schwarz-gelb fast zur Familienunterhaltung.

Wenn da nicht die Fangesänge wären, wo manchmal solch' unflätige Worte wie "Sch..." in Bezug auf den Gegner vorkommen. Und manchem dürfte auch die martialische Blockfahne aufgestoßen sein. Die Dynamo-Ultras, die Dresdner Hardcore-Fans, hatten sich wieder etwas Außergewöhliches einfallen lassen. Die gegnerischen St.-Pauli-Fans haben als Ausdruck einer Fankultur der anderen Art einen Totenkopf, der in der Tradition Jahrhunderte alter Piraterie als Symbol für "arm gegen reich" benutzt wird. Der Club ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Der Totenkopf drückt sinnbildlich die Rolle des Underdogs aus. Tja, und gerade dieser Underdog kommt in Dresden sinnbildlich unter die "Hufe" der Dynamo-Helden.

Es sind auch Aktionen wie diese, wo die Blockfahne von den K-Block-Fans über die Nordtribüne gezogen wird, die den Zusammenhalt ausmachen. Die Fans verstehen sich per se als große Familie. Eigentlich klar, dass dort auch Kinder willkommen sind. Doch wie soll man einem Außenstehenden und Unwissenden, der sein Bild von der SGD nur aus zweiter oder dritter Hand bezieht, das Besondere an den Schwarz-Gelben erklären? Kein Geringerer als der "weiße Brasilianer" Ansgar Brinkmann, der 2005 eine denkwürdiges Intermezzo in Dresden gegeben hat, brachte es in seiner Biographie auf den Punkt: "Es gibt Leidenschaft und Begeisterung - und es gibt Dresden!"

Diese besondere Begeisterung greift vom Ultra-Kern aus immer weiter um sich: Zu den 17 Zweitliga-Heimspielen pilgerten mehr als 422 000 Zuschauer ins Glücksgas-Stadion. Damit belegt die SGD als Aufsteiger den dritten Platz in der Zuschauertabelle der 2. Bundesliga. Allein der Vorverkauf gegen die Hamburger bewies, wie groß die Begeisterung in und um Dresden bereits wieder ist. Binnen vier Minuten war die Bude (rund 29 000 Zuschauer) dicht - zum siebten Mal in dieser Serie. Mehr VIP-Logen, wie noch im vergangenen Jahr geplant, wird es deshalb jedoch nicht geben. Der Einbau koste zu viel, so Stadionmanager Hans-Jörg Otto, rund 100 000 Euro, heißt es. Vermarkter Sportfive hat gute Gründe, die Preise dafür in der nächsten Saison wieder anzuziehen.

Gewaltig angezogen ist auch die Zahl der Mitglieder. Waren es jahrelang um die 5000, schoss die Zahl aktuell auf 11 811 in die Höhe. Ein Grund: Mitglieder erhalten ein Vorkaufsrecht auf Tickets. Ein anderer Grund: Nicht wenige Besucher sind gespannt, was sich die Ultras & Co. wieder im K-Block an Fangesängen und Aktionen haben einfallen lassen. Da kann es schon einmal passieren, dass das Spiel auf dem Feld - wie es ausging, steht im DNN-Sportteil - zur Nebensache wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2012

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