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Dynamo Dresdens Trainer Ralf Loose im DNN-Interview: Keine Angst vorm zweiten Jahr

Dynamo Dresdens Trainer Ralf Loose im DNN-Interview: Keine Angst vorm zweiten Jahr

Am Sonnabend kehrte Dynamo aus dem Trainingslager in Österreich heim. Zuvor zog Trainer Ralf Loose im Interview mit den DNN eine Bilanz der zehn Tage und gab Auskunft über die Personalie Poté, die Neuzugänge und Spieler, die sich hinten anstellen müssen.

Walchsee/Dresden .

Walchsee/Dresden (DNN). Am Sonnabend kehrte Dynamo aus dem Trainingslager in Österreich heim. Zuvor zog Trainer Ralf Loose im Interview mit den DNN eine Bilanz der zehn Tage und gab Auskunft über die Personalie Poté, die Neuzugänge und Spieler, die sich hinten anstellen müssen.

Frage: Herr Loose, wie fällt ihr Fazit des Trainingslagers in Österreich aus? Waren Sie mit den Bedingungen und der Leistung der Mannschaft in den zehn Tagen zufrieden?

R. Loose: Am Anfang hatten wir mit dem Regen Pech. Die Plätze waren sehr weich, dennoch konnten wir bis auf kleine Ausnahmen das ganze Programm durchziehen. Die Spieler, die seit dem Laufcamp in Zinnowitz alles mitgemacht haben sind in einer körperlich sehr guten Verfassung. Die, die später hinzukamen oder aussetzen mussten, haben noch Defizite. Wir haben im Angriff noch eine Baustelle und sind noch nicht in Topform. Ich hoffe, dass wir bis zum Saisonstart noch einen entscheidenden Schritt nach vorn machen.

Sind Sie beunruhigt, weil die gewünschte Verstärkung im Angriff noch nicht verpflichtet werden konnte?

Nein. Wir wollen für die beiden Außen-und Angriffspositionen noch Spieler holen. Hasan Pepic sehen wir als guten Mann in der zweiten Reihe. Er ist für uns ein sehr günstiger Spieler . Und wenn wir uns für junge Spieler entscheiden, die wirtschaftlich eine geringe Belastung für unseren Etat sind, ist das immer auf der einen Seite ein größeres Risiko, ermöglicht auf der anderen Seite aber noch den einen oder anderen dazu zu holen. Die Positionen von Sascha Pfeffer oder Marvin Knoll müssen wir noch adäquat ersetzen, um den Kader auch in der Breite zweitligatauglich aufzustellen. Wir wissen, dass wir noch nachlegen müssen und sind in ständigen Gesprächen. Die absolute Verstärkung für die Sturmposition zu finden ist nicht leicht.

Wie froh sind Sie, dass in die Personalie Mickael Poté nun vorläufig Ruhe eingekehrt ist und er sich zum Verein bekannt hat?

Was sich bisher ereignet hat, ist ein normaler Prozess im Fußball, den man auch verstehen muss. Wenn der andere Verein (Greuther Fürth/Anm.d.Red.) nicht bereit ist, Summe x hinzulegen, mit der unser Aufsichtsrat Löcher stopfen kann und adäquaten Ersatz oder Verstärkungen findet, wird es nicht funktionieren. Das war mir von Anfang an klar. Trotzdem sehe ich auch, dass Mickael noch nicht in besonders guter Verfassung ist. Er hat wenig trainiert und seine körperliche Basis ist noch nicht in einem guten Zustand. Da gibt es noch einiges aufzuholen und deshalb hoffe ich, dass er gesund bleibt.

Sein momentaner Sturmpartner Pavel Fort kam vergangenen Saison nach Ihrer Aussage mit "Trümmer-Fitnesswerten" nach Dresden. Nun konnte er fast das volle Programm absolvieren. Wie schätzen Sie seinen Leistungsstand ein?

Er hat alles mitgemacht und ist sehr müde. Er befindet sich in einem kleinen Loch und ich habe am Donnerstag ein Gespräch mit ihm geführt. Er merkt selber, dass er noch nicht gut in Form ist. Zudem ist es für einen Stürmer immer wichtig zu wissen, welche Aufgabe er hat. Er darf sich nicht zu viel am Spiel beteiligen wollen und damit hadern, wenn ein Abwehrspieler einen Fehler macht und man im Training ein Gegentor bekommt. Er will sich zu viel am Spiel beteiligen, dabei ist er eigentlich ein Vollstrecker. Er muss im richtigen Moment an der richtigen Stelle stehen, denn das ist er Schlüssel für einen torgefährlichen Stürmer. Das Problem hatte ich schon, als ich nach Dresden kam, mit Dani Schahin. Der stand auch immer da, wo das Tor nicht war oder der Ball hinkam. Er hat dann gelernt, sich nicht immer außen im Eins-gegen-eins seines Mitspielers einzuschalten und zu helfen, sondern zu warten bis die Flanke kommt. Natürlich führt das dazu, dass ein Stürmer mal schlecht aussieht, wenn keine Bälle kommen, aber wenn sie kommen und er trifft, ist er der King. Pavel muss auch in seinen Kopf bekommen, dass er nicht für Schönspielerei bezahlt wird, sondern für Tore. Nur dann hilft er uns.

Wird Cristian Fiel auch in der kommenden Saison die Kapitänsbinde tragen?

Das ist noch nicht entschieden. Ich habe bewusst etwas abgewartet, bis der Kader komplett ist. Dann werden wir die Entscheidung treffen, wer im Spielerrat ist und wer als Kapitän fungiert.

Zeichnet sich auf der Torhüterposition ab, wer den Kasten zum Saisonauftakt hüten wird?

Dazu werde ich mich jetzt nicht positionieren, weil da Konkurrenzkampf herrscht. Wir wissen zudem alle, was in kürzester Zeit passieren kann. Benny Kirsten hatte im Trainingslager ein paar Probleme, davor war Florian Fromlowitz außer Gefecht, zuvor Markus Scholz. Die Basis meiner Entscheidung ist zunächst einmal, dass alle gesund sind und trainieren können. Es kommen noch zwei Testspiele und dann werden wir in aller Ruhe überlegen müssen, wer spielt.

Wie schätzen Sie die Neuzugänge ein?

Ich bin sehr zufrieden mit ihnen und teilweise auch positiv überrascht. Cüneyt Köz ist in einer sehr guten Verfassung. In der zweiten Liga herrscht ein anderes Spiel als in der dritten, da geht es zur Sache und daran muss er sich gewöhnen. Er muss sich im Zweikampf enorm steigern, das wird ganz wichtig für ihn und seine weitere Entwicklung sein. Sein Offensivspiel und seine Laufstärke sind hervorzuheben. Anthony Losilla zeigt sich so, wie ich es erwartete hatte. Er ist ein technisch guter Spieler, der unheimliche Wege gehen kann, der in der Defensive ein gutes Kopfballspiel hat. Nur seine Effektivität im Offensivspiel muss er ein wenig verbessern. Bjarne Thoelke ist eine Woche später eingestiegen. Wir haben ein Spezialprogramm mit ihm absolviert, weil seine Fitnesswerte aus Wolfsburg teilweise nicht so gut waren, das ist jetzt wesentlich besser. Momentan macht er einen unaufgeregten Eindruck. Er ist kopfballstark, geht im Zweikampf zur Sache und zeigt eine gewisse mentale Stärke. Dennoch glaube ich, dass er noch Gas geben muss, um im Konkurrenzkampf die Nase vorn zu haben.

Es ist mit dem VfL Bochum, 1860 München, dem MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern immer die Rede von einem sehr harten Auftaktprogramm. Sehen Sie das ähnlich?

Ich würde sagen, dass die zweite Liga automatisch schwierig ist, egal gegen welchen Gegner man spielen muss. Wir haben letzte Saison gesehen, dass wir in jedem Spiel 100 Prozent abrufen und hochmotiviert in die Partie gehen müssen. Wenn man Fehler macht oder Unsicherheiten zeigt, dann werden die sofort bestraft. Wichtig ist, dass die Mannschaft lernt, von Saisonbeginn an diszipliniert aufzutreten auch den Schiedsrichtern gegenüber. Früher war Dynamo von den Spielern her gesehen im Schiedsrichterwesen immer ein rotes Tuch. Bis auf kleine Ausnahmen hat sich das in der Saison verbessert, allerdings fällt Robert Koch immer wieder negativ auf. Es ist ein wichtiger Faktor, denn wer in der Fair-Play-Tabelle relativ weit oben steht, der macht auch in der normalen Tabelle Punkte gut.

Auf welchen Bereichen liegt bis zum Saisonstart noch ein besonderes Augenmerk?

Zunächst müssen aus müden Beinen spritzige werden, dafür ist Schnelligkeitstraining angesagt. Am Dienstag sollten möglichst alle gesund dabei sein. Im Bereich Standardsituationen werden wir uns voranarbeiten müssen. Einige Varianten müssen wir aber noch einstudieren, um unsere Lufthoheit zu zeigen, auch im Offensivbereich, wo wir dadurch zum Erfolg kommen wollen.

Sind Sie auch der Meinung, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg immer das schwierigere ist?

Ich glaube nicht, dass das für alle gilt. Man sieht an Rostock, dass es nicht so ist, denn die sind schon wieder weg. Wir sind froh, dass wir die erste Runde so gut gespielt haben und wahrscheinlich redet man auch nur vom zweiten schweren Jahr, wenn das erste erfolgreich verlief. Die Spieler haben gezeigt, dass sie in der zweiten Liga mithalten können. Vor allem für Leute wie Koch, Solga, Jungwirth und Schuppan war das wichtig. Auch Cristian Fiel hat nach seiner Ausbootung in Aachen gezeigt, dass er die zweite Liga noch spielen kann. Filip Trojan hat sich wieder einmal ins Rampenlicht gespielt. Viele haben einen Schritt nach vorn gemacht und das ist eine Basis, aber die muss jetzt bestätigt werden. Wir wissen alle, dass die Motivationskraft, der Fleiß und der Wille immer erst geweckt werden müssen, um wieder hohe Ziele zu erreichen. Wir haben die Grundlage gelegt und alles andere muss jetzt auf uns zukommen.

Haben Sie bereits ein Spielsystem im Kopf, mit dem Sie in die Saison gehen wollen?

Jeder weiß, wie wir zuletzt gespielt haben. Trotzdem bestimmen die Eigenschaften der auflaufenden Spieler, der Kader und die Form das System. Deswegen kann ich mich im Vorfeld nicht festlegen. Wir planen mit einem 4-4-2-System mit zwei Stürmern, aber wenn es so wie jetzt ist, dass einer noch nicht ganz fit und der andere noch nicht in Form ist, dann müssen wir Alternativen suchen. Wir haben Möglichkeiten, um auch ein 4-2-3-1 zu spielen, in dem laufstarke Mittelfeldspieler immer wieder für Gefahr sorgen und in die Spitze gehen.

Wie schätzen Sie abschließend die jungen Spieler ein? Und wie steht es um Lars Jungnickel und Jens Möckel?

Tobias Müller hat so ein Trainingslager noch nie mitgemacht. Wahrscheinlich ist er abends nach dem Essen immer direkt ins Bett gefallen. Marcel Franke war das erste Mal dabei und ist in einer richtig guten Verfassung. Gegen Manchester City hat er einen sehr guten Auftritt gezeigt, das ist ein Schritt nach vorn. Toni Leistner kennt das schon etwas länger. Bei ihm liegt es in der Stabilität der Leistungen. Er hat manchmal sehr gute Spiele und dann wieder welche, wo Unsicherheiten und Schnitzer da sind. Mit jungen Spielern muss man Geduld haben. Jens Möckel spielt keine Rolle mehr. Ich weiß nicht, wie er denkt, da muss man ihn fragen. Ich denke, dass wir ihn vernünftig behandeln, wir hätten ihn auch nicht mit ins Trainingslager nehmen können. Er war aber dabei, damit er in einer körperlich guten Verfassung bleibt. Er hat die eine oder andere Möglichkeit zum Wechsel verstreichen lassen. Auch Franke und Leistner stehen noch vor ihm, da wird er so schnell nicht vorbei kommen. Da ist keine Basis da. Lars Jungnickel ist körperlich nicht auf dem Niveau der anderen. Er hat immer wieder gesundheitliche Probleme. Er ist maximal ein Notnagel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.07.2012

Interview: Tina Hofmann

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