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Dynamo Dresdens Sportchef Menze: "Bei Abstieg wird die Luft dünn"

Dynamo Dresdens Sportchef Menze: "Bei Abstieg wird die Luft dünn"

Im Trainingslager bei Antalya bereitet sich Dynamo Dresden derzeit intensiv auf die restlichen 15 Punktspiele vor. Über die aktuelle Situation und die Kaderplanung für die neue Saison sprach die DNN mit Sportchef Steffen Menze.

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Sportchef Steffen Menze durchlebt mit Dynamo schwere Zeiten.

Quelle: Frank Dehlis

Frage: Wo sehen Sie die Gründe für die unbefriedigende sportliche Bilanz?

Menze: Wir haben uns in vielen Situationen nicht professionell und clever verhalten. Vor allem bezüglich der vielen Platzverweise. Das hat die Mannschaft phasenweise aus dem Konzept gebracht. In vielen Spielen hatten wir durch verschiedene kleine Ereignisse immer wieder eine Art Selbstvertrauensverlust, der dann davon abgelenkt hat, noch die normale Leistung zu bringen. Ich glaube an manchen Stellen haben wir den Biss vermissen lassen.

Hat man sich im Verein von der guten ersten Saison nach dem Aufstieg hat blenden lassen?

Ich bin nicht geblendet worden. Ich habe immer gesagt, dass der Klassenerhalt das oberste Ziel für mich ist. Wenn man erfolgreich spielt, versucht man den Kader im Gros zusammenzuhalten. Das war das oberste Ziel, weil man darauf aufbauen und kontinuierlich arbeiten kann. Dann erhofft man sich aufgrund dieser Basis natürlich eine Steigerung, das konnten wir aber nicht umsetzen. Wir konnten von der Konstanz nicht mithalten.

Würden Sie im Nachhinein sagen, dass der Wechsel von Ralf Loose auf Peter Pacult zu spät kam?

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir der Trainerwechsel an sich weh getan hat. Man versucht immer noch, die Kurve zu bekommen und ich bin der Meinung, dass man gewisse Sachen richtig analysieren muss und nicht immer in Kurzschlussreaktionen handeln sollte. Im Nachgang kann man sicherlich behaupten, dass es zu spät war, aber ich würde sagen, dass es das gute Recht des Trainers ist, auf gewisse Entwicklungen noch selbst einzuwirken, um sie zu beseitigen. Mit dem Wechsel haben wir uns aber selbst bestätigt, dass wir nicht mehr daran geglaubt haben, dass er es schaffen kann.

Was hat sich seit dem Wechsel auf der Trainerposition geändert?

Alles, was man jetzt über Peter Pacult sagt, hat nichts damit zu tun, dass man dem vorhergehenden Trainer etwas nachsagen möchte. Pacult ist von der Charakterstruktur eine komplette andere Persönlichkeit. Er hat eine andere Herangehensweise, Ansprache. Ich habe erwartet, dass wieder ein ganz anderer Konkurrenzdruck in die Mannschaft kommt - und das habe ich bis jetzt festgestellt. Man sieht Spieler, die vielleicht nicht mehr daran geglaubt haben, noch heranzukommen, die jetzt gut dabei sind. Gerade wenn die Ergebnisse nicht stimmen, braucht man Konkurrenzkampf und Druck. Hätten wir uns immer weiter, ähnlich wie auf einem Schlafwagenzug bewegt, hätten wir große Probleme bekommen. Diese Phalanx musste aufgebrochen werden, und bis jetzt funktioniert es. Es wird sehr hart trainiert, es wird vieles deutlich angesprochen. Es wird sicherlich dann auch Entscheidungen geben, die dem einen oder anderen nicht gefallen, aber es gilt einfach nur im Sinne des Vereins zu handeln und nicht vielleicht anhand irgendwelcher Erbhöfe.

Müssen Spieler damit rechnen, dass sie weggeschickt werden?

Wir werden sicherlich nach dem Trainingslager ein Fazit ziehen und einigen den Wechsel nahelegen. Bis jetzt ist es nicht so, dass welche auf uns zugekommen sind. Wir sollten als Verein aber auch immer die Form wahren und sachlich damit umgehen. Es gibt immer eine Vertragslage, und man kann nicht Sachen, die vor eineinhalb Jahren beschlossen wurden sind, einfach vom Tisch wischen.

Sollte es zum unerwünschten Szenario des Abstieges kommen, sind Sie darauf vorbereitet?

Wir beschäftigen uns nach jetzigem damit, dass wir in der Zweiten Liga bleiben. Die Dritte Liga ist für mich auch von den finanziellen Mitteln her noch gar nicht greifbar. Ich brauche immer eine Angabe zu den finanziellen Voraussetzungen als Basis für meine Arbeit. Manche im Verein sind aber noch nicht so weit, an die Dritte Liga zu denken, oder mir da Budgets zu nennen. Ich habe jetzt fünf Gespräche geführt, und da ist immer die Tendenz, dass Verein und Spieler sich darauf verständigen, die Sache noch etwas laufen zu lassen, um zu sehen, wo die Entwicklung hingeht.

Mit wem haben Sie gesprochen?

Mit Brégerie ist ja bekannt. Auch mit Marcel Franke haben wir schon weit vor der Winterpause gesprochen, er wollte auch erst sehen, wie seine Entwicklung weitergeht. Ich spreche auch mit Spielern, die über das Jahr hinaus gebunden sind. Ich habe den Eindruck, dass allen bewusst ist, was die Stunde geschlagen hat. Solga wollen wir halten, das haben wir aber auch schon einmal im Oktober besprochen, wo seine Situation sehr kritisch war. Er ist auch einer, der gern bleiben möchte, aber nicht als Anhängsel. Da ist er Verlauf ein kurioser. Ein Jahr ist er kompletter Stammspieler, in der darauffolgenden Serie ist er, ohne dass er groß eingreifen konnte, außen vor. Jetzt entsteht wieder eine neue Situation. Mit Fromlowitz und Thoelke habe ich noch gesprochen. Wir wissen, dass wir einen guten Torwart haben und der gut gestanden hat, aber wir brauchen immer gute Tormänner. Keiner soll sich in seiner Situation endgültig bestätigt sehen, sondern die sollen alle wissen, dass Konkurrenzkampf besteht. Auch Florian soll da eingreifen und am Ende soll das Beste für den Verein auf dem Platz stehen. Wenn einer schwächelt, muss der andere da sein.

Am 1. Februar geht es gegen den MSV Duisburg wieder los. Sehen Sie die Partie bereits als ein Endspiel an?

Für uns gibt es in jeder Partie drei Punkte und wir sollten versuchen, die überall zu holen. Duisburg hat eine gewisse Brisanz, weil sie ein unmittelbarer Tabellennachbar sind.

Wieviele Punkte reichen Ihrer Meinung nach diese Saison aus, um sich zu retten?

Ich denke, dass 36 Punkte zum Klassenerhalt reichen.

Welche Spieler hätten noch Verträge für die Dritte Liga?

Kirsten, Koch, Leistner und Scholz haben einen, aber auf jeden Fall wird die Luft richtig dünn. Gewisse Spieler sind für die Dritte Liga sowieso nicht zu halten. Wir würden in dem Fall natürlich Spieler der Region halten wollen. Wenn einer wie Franke sagt, er unterschreibt nur für die Zweite Liga, dann kann ich es nicht machen. Wir wollen solche Leute unbedingt halten, auch für die Dritte Liga. Er hat beispielsweise die Angst, dass er hinten runterrutscht und nicht herankommt. Ich hoffe, dass er jetzt sieht, dass er dabei ist und sich für den Verein entscheidet.

Sollte der Klassenerhalt nicht gelingen, sehen Sie ihre Arbeit als gescheitert an und wäre Ihr Engagement bei Dynamo dann beendet?

Das Zweitgenannte kann ich bestätigen, aber von Scheitern will ich nicht reden. Als ich antrat hatte ich einen Plan im Kopf, den ich gehen wollte und der war darauf ausgerichtet, diese Saison in die Zweite Liga aufzusteigen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2013

Tina Hofmann

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