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Dynamo Dresdens Existenz hängt an der 2. Bundesliga

Dynamo Dresdens Existenz hängt an der 2. Bundesliga

Bevor es um Bilanzen, Finanzpläne und Satzungsänderungen ging, machte Präsident Andreas Ritter zum Auftakt der Mitgliederversammlung von Dynamo Dresden in der Margon-Arena eines ganz deutlich: Trainer Ralf Loose wird die Zweitliga-Mannschaft weiter betreuen.

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Andreas Ritter, Präsident von Dynamo Dresden. (Archiv)

Quelle: Archiv

Dem Gerücht, der Dortmunder werde trotz des 2:1-Sieges gegen den FSV Frankfurt von seinen Aufgaben entbunden, trat Ritter entschieden entgegen.

Die Mannschaft habe das geforderte Lebenszeichen erbracht und die Vereinsspitze dadurch in ihrer Position bestätigt, in der sportlichen Leitung weiter auf Kontinuität zu setzen. "Es war wichtig, dass wir uns nicht bei der ersten sportlichen Krise von der Hysterie haben anstecken lassen", sagte Ritter und bedankte sich beim Aufsichtsrat, "der die Diskussion mit Bedacht geführt hat".

Das Kontrollgremium hätte den nach vier Punktspiel-Niederlagen unter Druck geratenen Fußball-Lehrer zwar nicht selbst beurlauben können, doch ein klares Votum contra Loose hätte es Geschäftsführer Christian Müller und Sportchef Steffen Menze schwer gemacht, Loose im Amt zu halten.

Dass Müller sichtlich erleichtert eingestand, "es war ein Segen, dass wir das Spiel gestern gewonnen haben", lag aber vor allem in der Sorge um den Verein begründet. Denn, das wurde auf der Zusammenkunft der Mitglieder ganz deutlich, vom sportlichen Aufwärtstrend der Profi-Mannschaft hängt nicht nur der Liga-Verbleib, sondern auch die Existenz des Vereins maßgeblich ab.

Zwar konnte der Verein erneut ein positives Betriebsergebnis in Höhe von 634 000 Euro vermelden und das des Vorjahres damit um 43 Prozent steigern, doch noch immer gilt der achtfache DDR-Meister als überschuldet. Ohne den externen Sonderzuschuss der Stadt in Höhe von einer Million Euro hätte der Klub ein Minus von rund 400 000 Euro ausweisen müssen. Trotz sparsamen Wirtschaftens ist auch die Ablösung des am 30.6. 2015 fälligen Kölmel-Darlehens in Höhe von 5,5 Millionen Euro nicht ohne Hilfe von außen zu schaffen. "Diese Summe werden wir nicht aus dem normalen Geschäftsbetrieb heraus stemmen", sagte Aufsichtsratschef Thomas Bohn, ohne die insgeheim diskutierten Ideen der Vereinsführung zur Lösung des Problems zu verraten.

Doch selbst diese Pläne hätten keine Aussicht auf Verwirklichung, wenn die 1. Mannschaft absteige. Dann, so Müller, sei jedwede Verbesserung "utopisch", die Insolvenz ein Thema. Gelingt keine Einigung mit dem Filmrechtehändler Michael Kölmel, könnte das negative Eigenkapital mit einem Schlage gewaltig anwachsen - und genau das ist dem Verein im Lizensierungsverfahren strikt untersagt. Trotz aller Sorgen kann sich die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres sehen lassen, denn als Ergebnis war nur ein Überschuss von 444 000 Euro von Müller-Vorgänger Volker Oppitz geplant.

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Dynamo Dresden hat seinen Abwärtstrend in der 2. Fußball-Bundesliga gestoppt und den ersten Sieg nach zuvor vier Niederlagen gefeiert. Gegen den FSV Frankfurt setzten sich die Dresdner am Freitagabend (16.11.12) vor heimischem Publikum mit 2:1 (2:0).

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Die Einnahmen aus dem Spielbetrieb betrugen 8 Millionen Euro, geplant waren nur 6,8 Millionen. Statt geplant 3,7 Millionen Euro an Werbeerlösen wurden 3,9 Millionen Euro eingenommen. Bei der TV-Vermarktung waren 4,2 Millionen Euro vorgesehen, aber 4,5 Millionen wurden erreicht. Auch im Fanartikelverkauf war man erfolgreicher, erzielte statt 343 000 Euro rund 650 000 Euro an Einnahmen. Auch der Mitgliederzuwachs schlug sich positiv in den Finanzen nieder, denn statt 680 000 Euro (Plan) wurden 877 000 Euro eingenommen.

Gestiegen sind eine Liga höher auch die Ausgaben, doch fielen sie sehr moderat aus. Der Personalaufwand schlug mit 7,4 Millionen zu Buche, 7 Millionen waren geplant. Die Ausgaben für die Lizenzspielermannschaft entsprachen mit 5,8 Millionen Euro fast exakt dem Plan. Hingegen wurde der Plan bei den Transferaufwendungen nicht ganz erreicht: statt 445 000 Euro wurden 522 000 Euro ausgegeben. Der Umsatz des Traditionsvereines stieg gegenüber dem Plan um 15 Prozent auf 17,1 Millionen Euro. Für das laufende Jahr ist ein positives Geschäftsergebnis von 508 000 Euro geplant.

Diskutiert wurden von den 507 stimmberechtigten Mitgliedern im Saal aber nicht nur die Zukunftsperspektiven. Auf Unmut stieß einmal mehr das Finanzgebahren in den Jahren vor dem Amtsantritt von Oppitz. Dass der Verein der 2. Mannschaft im Sommer den Aufstieg in die Regionalliga verwehrt hatte, liegt den Mitgliedern auch noch schwer im Magen. Müller und Bohn begründeten das vor allem mit dem Fehlen einer geeigneten Spielstätte und dem höheren finanziellen Aufwand für das Personal. Gar nicht gut fanden die Mitglieder auch, dass der Aufsichtsrat den Ex-Geschäftsführern Ralf Minge, Bernd Maas und Markus Hendel einen teuren, aber letztlich nicht gerechtfertigten Mahnbescheid zugestellt hatten.

Bohn entschuldigte sich nochmals öffentlich dafür: "Das war ein Riesenfehler." Der Verein habe insbesondere das Idol Minge in der Öffentlichkeit bloß gestellt. Offensiv ging Bohn auch die Problematik der Bestellung eines zweiten Geschäftsführers als Unterstützung für Müller an: "Wir sind kurz vor einem Abschluss", versicherte der Chef des Aufsichtsrates. Keine Hoffnung machte er den Mitgliedern in der Frage, ob Dynamo auf Dauer sein Trainingsgelände im Großen Garten betreiben könne. Der notwendige Ausbau sei nicht machbar: "Wir können es uns abschminken, eine Baumfällgenehmigung für den Großen Garten zu bekommen." Langfristig deutet derzeit vieles auf eine Verlegung auf Flächen im Ostragehege hin.

von Jochen Leimert

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