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Dynamo Dresdens Argumente zählen nicht - DFB beharrt auf Paragraf 9a

Dynamo Dresdens Argumente zählen nicht - DFB beharrt auf Paragraf 9a

Mehr als sechs Stunden lang hat sich die Berufungsverhandlung hingezogen, dann war klar: Dynamo Dresden bleibt in der Saison 2013/14 von der Teilnahme am DFB-Pokal ausgeschlossen.

Frankfurt am Main.

Um 18.37 Uhr erklärte der Vorsitzende des DFB-Bundesgerichtes Goetz Eilers: "Die Berufung wird zurückgewiesen, die Kosten trägt der Verein, die Berufungsgebühr (500 Euro/d. Red.) verfällt." Im Sepp-Herberger-Saal wurde es sekundenlang still, während Anton Nachreiner vom DFB-Kontrollausschuss zufrieden nickte, starrte die Dynamo-Delegation um Geschäftsführer Christian Müller wortlos in den Raum.

Nachdem Eilers das Urteil begründet und die Sitzung geschlossen hatte, gestand Müller freimütig: "Wir sind darüber enttäuscht und nehmen es mit nach Hause, um es mit unseren Fans zu besprechen." Nachreiner gab ihm kurz die Hand und verschwand. Interviews lehnte der Bayer, der sich als Sieger fühlen durfte, ab.

Vergeblich hatte Dynamo in der Verhandlung versucht, den Paragraphen 9a der Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen Fußball-Bundes als falsch zu brandmarken. Der Paragraph regelt, dass Vereine auch dann haftbar gemacht werden können, wenn nicht etwa ihre Angestellten, sondern ihre Fans schwere Verstöße begehen. Zwar konnte der Klub in der Beweisaufnahme nachweisen, dass er sich keines Fehlverhaltens bei Vorbereitung und Durchführung des Pokalspiels am 31. Oktober 2012 in Hannover schuldig gemacht hat, doch gegen die gängige Rechtssprechung des DFB, die auch international im Sport praktiziert wird, kam Dynamos Rechtsanwalt Dr. Jörg Heyer nicht an. Obwohl Hannovers Polizei und Ordnungsdienst sowie der vom DFB nach Hannover geschickte Sicherheitsaufseher Klaus-Dieter Dunkel den Dresdner Ordnungsdienst ausdrücklich für ihre umsichtige Unterstützung lobten, half das dem Verein nicht. Auch nicht, dass den Hannoveranern etliche Fehler angekreidet werden konnten. Dynamos Sicherheitschef Sören Klar hatte betont, dass die Vorfälle vermeidbar gewesen wären, hätten die 96er u.a. angemessene Vor- und Personenkontrollen bei den Dresdner Fans durchgeführt. Das aber beeindruckte Eilers nicht. Der 72-jährige Darmstädter, der Dynamo beim letzten Berufungsverfahren noch den Pokalausschluss erspart hatte, meinte: "Wir vermögen nicht zu sagen, in welchem Umfange die Vorfälle dann stattgefunden hätten."

Eilers erinnerte daran, dass die Dynamo-Fans Wiederholungstäter seien und der Verein für sie einstehen müsse. Er pflichtete Nachreiner bei, der den Paragraphen 9a verteidigt und betont hatte: "Der Verein und seine Fans sind eine Einheit." Nachreiner hatte in seinem Plädoyer gefordert, Dynamo keinen Freibrief zu erteilen. Würde der Paragraph 9a nicht angewandt, die verschuldensunabhängige Haftung aufgegeben, würde das bedeuten, "dass sich Dynamo auf die faule Haut legen kann". Der mürrische Bayer sieht auch den Verzicht der Dresdner auf Auswärtskarten in Aue, Braunschweig und Berlin sehr kritisch. Dynamo wälze die Verantwortung auf die Heimvereine ab. "Das ist ein Ausscheiden aus der Solidargemeinschaft der Profivereine", so Nachreiner. Er forderte, die Berufung abzuweisen oder in zwei "Geisterspiele" abzuwandeln. Dynamo indes hatte auf Freispruch plädiert, wollte auch zwei "Geisterspiele" nicht akzeptieren. Die Vergangenheit habe bewiesen, dass das ein untaugliches Mittel sei, Krawalle zu verhindern. Müller bedauerte, dass die Strafverfolgung schwierig sei: "Uns gehen noch zu viele Idioten durch die Lappen."

Eilers räumte nach der Urteilsverkündung ein, dass er die Kollektivstrafe für alle Dresdner Fans als problematisch ansieht. Der Richter fragte nur: "Die Alternative wäre, nichts zu tun." Er bedauerte, dass der Großteil der Fans unschuldig büßen müsse, aber man könne den Chaoten nicht so schnell die Chance geben, wieder für Ärger zu sorgen. Dynamo kündigte an, dass man sich intensiv damit befassen werde, ob man weiter gegen die verschuldensunabhängige Haftung vorgeht. "Ich glaube, dass die Regel, auf der die Bestrafung aufbaut, angreifbar ist", sagte der an diesem Tag unterlegene Heyer, ein guter Freund von Müller aus Köln. Er hatte eine 33-seitige Berufungsbegründung ausgearbeitet, doch letztlich blieb er mit seiner Taktik erfolglos.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.03.2013

Jochen Leimert

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