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Dynamo Dresden zeigt „Thor Steinar" die Rote Karte

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Beim ersten Protest gegen einen „Thor Steinar"-Laden in Chemnitz kamen vor dreieinhalb Wochen 350 Menschen zusammen. Organisatorin Hanka Kliese war zufrieden. Die Modemarke sei „Erkennungszeichen in der rechtsextremistischen Szene", deshalb müsse der Laden verschwinden, sagt die 31-Jährige.

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350 Menschen demonstrieren gegen einen Thor-Steinar-Laden in Chemnitz.

Quelle: dpa

Das zu schaffen, werde schwer, das weiß die SPD-Landtagsabgeordnete.

Sie weiß es nicht nur wegen der langwierigen Auseinandersetzungen um ähnliche Geschäfte in anderen Städten - sondern auch, weil sie öfter Heimspiele des Chemnitzer FC besucht. „Da sehe ich regelmäßig Leute in Thor-Steinar-Klamotten", sagt Kliese. Zuletzt habe sogar eine Verkäuferin an der Imbissbude in orangener „Thor Steinar"-Kluft bedient. Für Kliese ein unhaltbarer Zustand.

Der Fußballclub CFC hat zuletzt eine rasante Entwicklung hingelegt. Vorigen Sommer stieg er unerwartet in die Dritte Liga auf, setzte sich damals gegen den finanzstärkeren Kontrahenten RB Leipzig durch. Und diese Saison winkt plötzlich sogar der erneute Aufstieg. Der Stadtrat hat derweil einen Komplettumbau des bisherigen Stadions beschlossen. Chemnitz wird dafür tief in die Tasche greifen, um die 40 Millionen Euro werden es wohl am Ende sein.

Auch die Stadt will den „Thor Steinar"-Laden wieder los werden. Im Stadion freilich hat der CFC Hausrecht. Und die Geschäftsstelle erklärt, dass das Tragen eines Marken-Labels allein nicht verboten sei - sondern nur „dessen Zusammenfallen" mit in der Stadionordnung aufgeführten „Tatbeständen". Dazu gehörten etwa Aufnäher, „die den Eindruck einer rassistischen, fremdenfeindlichen, extremistischen Einstellung oder anderweitige Beleidigungen hervorrufen könnten".

Dynamo Dresden hat schon ein neues Stadion. Die SGD spielt nicht nur eine Liga höher als der Chemnitzer FC, sondern ist auch beim Umgang mit Neonazi-Dresscodes einen Schritt weiter. „Das Verbot ist fester Bestandteil der Stadionordnung", sagt Vereinssprecher Enrico Bach. Die Regelung gelte seit 2007, bei Heimspielen werden die untersagten Marken und Symbole auch am Eingang ausgehängt: „Thor Steinar" steht dabei, mit dem Zusatz „in allen Ausführungen". Erwähnt werden auch andere Marken - am harmlosesten klingt „Sieg oder Spielabbruch!".

Die Nennung konkreter Namen birgt allerdings auch Risiken. „Von der Veröffentlichung einer Liste bestimmter Marken wird bewusst Abstand genommen, da dadurch die Umgehung der entsprechenden Regelung erleichtert werden würde", sagt etwa Landtagssprecher Ivo Klatte. Auch im Parlament, in dem seit 2004 die NPD sitzt, ist „Thor Steinar" verboten. Das Landtagspersonal kann sich dabei auf die Hausordnung berufen, wonach Personen, die „in einer der Würde des Landtags nicht entsprechenden Weise" erscheinen, das Gebäude nach Aufforderung unverzüglich zu verlassen haben.

Dennoch sollen im Landtag in der Vergangenheit immer mal wieder Neonazis in ihrer Kluft aufgekreuzt sein, das wissen mehrere Abgeordnete zu berichten. „Da muss dann schärfer kontrolliert werden", verlangt Kliese. Sie bereitet bereits ein buntes Straßenfest vor dem neuen Chemnitzer „Thor Steinar"-Laden vor - am 12. Mai, mit „Storch Heinar". Mit dieser Satirefigur operieren Jusos aus Mecklenburg-Vorpommern schon seit Jahren gegen die Modemarke, hinter der die in Brandenburg ansässige Firma Mediatex GmbH steckt.

In Chemnitz muss Mediatex mit geballtem Widerstand rechnen. Die Stadtverwaltung prüft gerade, was sie gegen Mode-Marken wie „Thor Steinar" in öffentlichen Gebäuden tun kann. „Grundsätzlich ist ein solches Verbot für uns vorstellbar", sagt Sprecherin Katja Uhlemann. Andere Rathäuser winken dagegen ab: Eine „Kleiderordnung" sei nicht praktikabel, heißt es in Dresden und Leipzig. Zwickau sieht vor allem juristische Probleme: „Thor Steinar" sei frei käuflich, „daher fehlt es für ein etwaiges Kleidungsverbot an einer einschlägigen Rechtsgrundlage", sagt Stadtsprecher Mathias Merz.

Zudem könne das Bearbeiten berechtigter Bürgeranliegen „nicht ohne weiteres von bestimmten Kleiderordnungen abhängig gemacht werden". Im Stadion vom FSV Zwickau ist das Label nicht „per se verboten". Die Kleidung werde danach beurteilt, ob „indizierte Symbole abgebildet sind oder nicht", teilt der Fußball-Fünftligist mit. Kurzfristige Änderungen seien nicht geplant. Und auch Zweitligist Erzgebirge Aue verzichtet auf ein Marken-Verbot: „Dazu bestand bisher kein Handlungsbedarf."

Tino Moritz, dpa

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