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Dynamo Dresden feiert 60. Geburtstag mit ganz großem Bahnhof

Dynamo Dresden feiert 60. Geburtstag mit ganz großem Bahnhof

Draußen schien die Frühlingssonne, stiegen die Temperaturen auf in hiesigen Breiten kaum noch für möglich gehaltene Höchstwerte und auch drinnen, im Hygiene-Museum, wurde es manchem warm ums Herz.

Dresden.

Dynamos Jubiläums-Matinée erinnerte in knapp vier Stunden an längst vergangene, aber längst nicht vergessene Glanzzeiten des heute mitgliederstärksten ostdeutschen Sportvereins und ehrte zum 60-jährigen Bestehen der Marke Dynamo Dresden jene, die sie weltbekannt gemacht haben. Nacheinander wurden beim Finale Wolfgang Oeser, Klaus Sammer, Hans-Jürgen Kreische, Hans-Jürgen Dörner und Reinhard Häfner auf die Bühne gerufen und unter innigem Applaus zu Ehrenspielführern der Sportgemeinschaft ernannt. Als dazu das Blechbläser-Ensemble der Philharmonie den "Zwölften Mann" anstimmte, war der Höhepunkt der Veranstaltung erreicht.

Ein Wunsch einte die fünf Heroen: dass die aktuelle Spielergeneration den einstigen Spitzenklub doch wenigstens in der 2. Bundesliga halten möge. Dörner machte den wenigen Zweiflern am Klassenerhalt im Saal Mut: "Ich bin guter Dinge, die Mannschaft hat sich stabilisiert." Oeser, in schwierigen Zeiten acht Jahre Kapitän, gab den Profis sogar noch Tipps, wie sie erfolgreicher spielen könnten. Dem 81-Jährigen missfällt vor allem das Flügelspiel: "Die Außenpositionen sind unbesetzt, es gibt ein großes Ballungsgebiet in der Mitte." Der frühere Mittelfeldspieler, von 1956 bis 1968 aktiv, schrieb der aktuellen Mannschaft forsch ins Stammbuch: "Das Dresdner Publikum hat ordentlichen Fußball verdient." Als er von Moderator Andreas Fritsch gefragt wurde, wie er denn früher die Mannschaft geführt habe, antwortete Oeser: "Wer seine Sache gemacht hat, war mein Kumpel. Wer Stunk gemacht hat, der bekam den Marsch geblasen."

Freundlich - was vielleicht nicht jeder im Saal erwartet hatte - ging es zu, als DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ans Rednerpult trat. "Der eine oder andere mag sich gefragt haben: Ob der sich traut?", begann der Gast aus Frankfurt/Main sein Grußwort und fügte gleich hinzu, Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller sei sein Zeuge, dass er auf dessen Einladung hin spontan zugesagt habe. Niersbach, früher Pressechef des DFB, weihte die gebannt lauschenden Zuhörer gekonnt ein in seine ganz persönliche Annäherung an Dresden. Er habe die Sehnsucht Helmut Schöns nach seiner Heimatstadt mit jedem neuen Besuch Dresdens besser verstehen können, so Niersbach. Und er habe mitgelitten, als in seinem Beisein am 20. März 1991 das Europapokalspiel der Dynamos gegen Roter Stern Belgrad wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen werden musste. "Es darf nicht sein, dass einige Chaoten das Ansehen des Vereins in den Dreck ziehen", folgerte Niersbach und er versicherte den Anwesenden: "Wir sind keine Feinde, sondern Freunde von Dresden."

Probleme mit irregeleiteten Fans bei Auswärtsspielen habe es selbst bei der Nationalmannschaft gegeben, die man zum Glück in den Griff bekommen habe. Das wünschte der Düsseldorfer auch Dynamo und warnte: "Bei diesem Thema darf man sich nie zurücklehnen." Niersbach weiß um den Frust der Dresdner wegen des Pokalausschlusses, beteuerte aber: "Das Sportgericht ist unabhängig, steht nicht unter dem Einfluss des Präsidiums." Eine Alternative zur Sportgerichtsbarkeit gebe es nicht, sonst sei ein vernünftiger Liga-Spielbetrieb nicht zu organisieren. Trotz Pokalausschluss und Abstiegsangst, die Dynamo derzeit umtreiben, wünschte Niersbach dem Klub "eine tolle Zukunft". Als Geschenk überreichte er Dynamo-Präsident Andreas Ritter eine Gedenkplatte.

Anders, als es vielleicht manch Stadiongänger aus dem K-Block getan hätte, erhielt Niersbach höflich Beifall. Wirklich gefeiert wurde aber ein anderer Redner. Ausgerechnet ein Jena-Fan: Zeit-Redakteur Christoph Dieckmann. Dass er zu Beginn offen einräumte: "Niemand leugnete, dass die Kathedrale des DDR-Fußballs in Elbflorenz stand", war keine Anbiederei. Der gebürtige Halberstädter, ein anerkannter Experte für den Ostfußball, konnte überzeugend darlegen, dass auch ihn schon als 15-Jährige die Faszination Dynamo gepackt habe und er dem inzwischen verstorbenen Torwart Manfred Kallenbach 1971 einen Fetzen dessen Trikots entwendet habe, "den meine Mutter später in Folie einnähen musste". Er hoffe, so Dieckmann, dass Dynamo ein Verein zum Anfassen bleibe und das Gewaltproblem in den Griff bekomme. "Mich erbittert immer wieder, wie wenige vielen das Gute vermiesen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.04.2013

Jochen Leimert

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