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Dynamo Dresden darf doch im DFB-Pokal spielen - Dynamo-Präsident Ritter: Urteil ein "Erfolg"

Dynamo Dresden darf doch im DFB-Pokal spielen - Dynamo-Präsident Ritter: Urteil ein "Erfolg"

Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden darf in der kommenden Saison doch im DFB-Pokal antreten. Das DFB-Bundesgericht wandelte die in der ersten Instanz verhängte Sperre am Donnerstag in eine mehrteilige Strafe um.

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Das Sportgericht des DFB hat die Strafe gegen Dyamo Dresden abgewandelt.

Quelle: dpa

Dynamo Dresden muss die Partie gegen Ingolstadt am 11. März unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen, zum Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt am 16. März dürfen keine Gästefans mitreisen, Dynamo muss den Hessen den Einnahmeausfall ersetzen. Zudem muss der Verein 100.000 Euro Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation von DFB oder DFL zahlen.

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"Auch wenn wir erneut ein sehr hartes Urteil hinehmen müssen, werten wir die Abmilderung und das damit verbundene Zeichen als Erfolg", teilte Dynamo-Präsident Andreas Ritter in einer Mitteilung mit. Das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter dem Vorsitz des ehemaligen DFB-Chefjustiziars Goetz Eilers rollte den Prozess vom November 2011 in einer fast siebenstündigen Verhandlung noch einmal komplett neu auf. Neben Dynamo saß auch Borussia Dortmund mit am Tisch. Der BVB, der zu einer Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro verurteilt worden war, hatte ebenfalls Berufung eingelegt. Das Verfahren gegen den BVB soll eingestellt werden. Der Meister soll die 8000 Euro Strafe nun an eine gemeinnützige Organisation zahlen.

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Der Verein wehrt sich gegen den Pokalausschluss juristisch.

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Nachdem zunächst Schiedsrichter Peter Gagelmann telefonisch zugeschaltet worden war, äußerte Harald Meyer, Mitglied der DFB-Kommission Prävention und Sicherheit, eine neue Erklärung für die große Menge an Pyrotechnik, die die Fans der SG Dynamo beim Zweitrunden-Pokalspiel bei Borussia Dortmund abgebrannt hatten. Er vermutet, dass verbotene Pyrotechnik über Zulieferer und Caterer in die Stadien geschmuggelt wurde. „Ich möchte nicht wissen, wie viele Personen da gekauft sind", sagte Meyer in der Verhandlung.

Meyer betonte, er könne keine Beweise liefern, vermute dies aber aus langjähriger Erfahrung. Das Durchsuchen der Fans nach verbotenen Brennkörpern sei grundsätzlich schwierig. „Sie können noch so gut durchsuchen, kleine Mengen Pulver kann man gut verstecken", sagte er.

Sowohl Meyer als auch der danach vernommene Dortmunder Polizeichef Peter Andres berichteten von den Ausschreitungen der Dresdner Fans. Beide sagten aber auch, dass es Einlasskontrollen gegeben habe, wenn auch laut Andres in „beschleunigter Form", berichten Prozessbeobachter - viele Dynamo-Fans und auch Vereinsmitarbeiter hatten hingegen von völlig unzureichenden zum teilweise fehlenden Kontrollen berichtet. Zwischen dem Polizeichef und dem DFB-Verantwortlichen soll es aber vor allem bei der Beschreibung der Situation am Einlass Widersprüche gegeben haben.

Anschließend wurde es unübersichtlich: Gegen 16 Uhr wurde die Verhandlung für mehrere Stunden unterbrochen. Die Anwälte beider beteiligter Vereine und das Gericht diskutierten hinter verschlossenen Türen über das Urteil, auch die Dynamo-Delegation um Präsident Andreas Ritter zog sich zu Gesprächen zurück. Dynamos Anwalt Christoph Schickardt wechselte mehrfach zwischen den Verhandlungen und seiner Delegation.

Die ausstehenden Zeugen, unter anderem die von den Dresdnern aufgebotenen Martin Börner (Spieltagsbeauftragter), Torsten Rudolph (Leiter Fanprojekt) und Sören Klar (Sicherheitschef), wurden nicht mehr angehört. Stattdessen schritt Richter Eilers sofort zur Urteilsverkündung.

Der Richterspruch stieß am späten Abend auf ein geteiltes Echo bei ehemaligen Dresdner Verantwortlichen. Ralf Minge , Ex-Spieler, Ex-Trainer und Ex-Geschäftsführer: "Allein, dass man ein Urteil revidiert hat, ist schon ein Indiz dafür, dass man vielleicht doch ein wenig überzogen hatte. Wichtig ist, dass Dynamo jetzt nicht das Exempel ist schlechthin."

Hans-Jürgen Kreische , Ex-Spieler und Ex-Trainer: "Ich habe damit gerechnet, dass der Pokalausschluss aufgehoben wird. Wie hätte man weiter verfahren sollen, wenn dieses Urteil aufrecht erhalten worden wäre und es in anderen Stadien wieder Vorfälle gibt? Da hätte man ähnlich verfahren müssen. Was trotzdem für Dynamo hängen bleibt, das tut immer noch sehr weh."

Reiner Calmund , Ex-Berater: "Gratulation an Dynamo und seinen Anwalt Christoph Schickhardt. Das Urteil ist jetzt wesentlich gerechter. Ich habe das Berufungsschreiben gelesen, das war hervorragend ausgearbeitet. Es war die richtige Wahl, Schickhardt zu nehmen."

Thomas Neubert , Ex-Spieler: "Dynamo ist mit einem blauen Auge davon gekommen, obwohl der DFB bemerkt hat, dass der Ausschluss nicht zu halten war. Nach der Urteilsverkündung im November sind wieder ähnliche Sachen in anderen Stadien passiert."

Robert Pohl , Ex-Fanbeauftragter und Fan: "Ich finde das Urteil nicht wirklich besser als den Pokalausschluss. So wie die Strafe ist, ist sie dreist."

Dynamo-Anhänger hatten beim 2:0-Sieg des deutschen Meisters Böller und Raketen gezündet und mehrfach eine Spielunterbrechung verursacht. Insgesamt drei Mal wurde die Begegnung unterbrochen, auch im Umfeld der Partie war es zu Krawallen gekommen. Dabei hatte es 17 Verletzte, 15 Festnahmen und einen Sachschaden in Höhe von rund 150.000 Euro gegeben. Laut dem Dortmunder Polizeichef wurden 110 Strafverfahren eingeleitet, 31 der Beschuldigten seien bereits vorbestraft.

Stephan Lohse / Jochen Leimert / dpa

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