Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Dynamo Dresden: Krisensitzung statt Faschingsfete

Dynamo Dresden: Krisensitzung statt Faschingsfete

Während am Faschingsdienstag andernorts so manche Flasche mit hochprozentigem Inhalt geleert, gescherzt und geschunkelt wird, ist den Funktionären von Dynamo Dresden der Spaß gründlich vergangen.

Voriger Artikel
Dynamo Dresden nach Ausschreitungen: „Wir stehen als Verein am Scheideweg“
Nächster Artikel
Dresdner Eislöwen peilen Sieg gegen Riessersee an

Dynamo Dresden

Dresden/Kaiserslautern. Wenn sich die Verantwortlichen heute Abend um 19 Uhr treffen, dann besuchen sie keine Prunk-, sondern eine Krisensitzung, zu der höchstens Mineralwasser und Beruhigungspillen gereicht werden. Das Thema der von Präsident Andreas Ritter einberufenen außerordentlichen Gremientagung ist auch in etwa so bekömmlich wie ein mit Senf gefüllter Pfannkuchen: Analyse, Aufarbeitung und Konsequenzen der Randale von Kaiserslautern. Der ursprünglich für heute geplante offene Fan-Stammtisch mit Trainer Peter Pacult wurde kurzerhand abgeblasen.

Auch drei Tage nach den Übergriffen gewalttätiger Chaoten aus der Dynamo-Fanszene auf Lauterer Fans und Polizeibeamte rang Ritter um Fassung: "Mir liegt das noch immer schwer im Magen, weil es mittlerweile unseren Verein existenziell bedroht. An dem Punkt sind wir, das müssen wir klar erkennen." Er möchte heute gemeinsam mit seinen Präsidiumskollegen, dem Aufsichts-, Ehren- und Jugendrat sowie Geschäftsführer Christian Müller, dem Sicherheitsbeauftragten Sören Klar und dem Fanbeauftragten Marek Lange besprechen, wie es weitergehen soll. Wird man der Lage nicht bald Herr, dürften die Strafen gegen den Verein neue Rekorde brechen, Sponsoren abspringen und die Zuschauerzahlen wie die Mannschaft in den Keller rutschen. Das wirtschaftliche Überleben - egal ob in der zweiten oder dritten Liga - wird immer schwerer, die sportliche Konkurrenzfähigkeit leidet schon jetzt unter Geldmangel. An der Nachwuchsförderung wird sowieso schon gespart, die 2. Mannschaft durfte im vergangenen Jahr aus Kostengründen nicht in die Regionalliga aufsteigen.

Eine Entscheidung, ob es noch sinnvoll ist, gegen den vom DFB-Sportgericht verhängten Pokalausschluss in Berufung zu gehen, wird wohl heute fallen. "Davon gehe ich aus", sagte Ritter den DNN. Die Berufungsfrist läuft am Freitag aus. Die Erfolgsaussichten der Schwarz-Gelben im Falle einer Revision sind durch die beschämenden Vorfälle in Kaiserslautern rapide gesunken. Geschäftsführer Müller, der seinen lange geplanten Abstecher in seine Kölner Heimat zwar trotzig durchzog, den geliebten Karneval aber nicht genießen konnte, machte seinem Ärger auf die Randalierer aus der Ferne noch einmal Luft: "Für mich ist es unbegreiflich, wie brutal uns solche Typen in unserer engagierten Arbeit für den Verein abgrätschen, wenn ich bedenke, dass wir am kommenden Freitag vor dem DFB-Bundesgericht erklären wollen, warum es weder gerecht noch der Sache dienlich ist, Dynamo Dresden aus dem Pokalwettbewerb auszuschließen."

Unterdessen hat die Polizei in Kaiserslautern eine 13-köpfige Ermittlungsgruppe gebildet, welche die Vorkommnisse im und rund um das Fritz-Walter-Stadion aufarbeiten soll. "Dazu gehört, dass alles, was an irgendwelchen Foto- und Videoaufzeichnungen vorhanden ist, ausgewertet wird, dass auch Zeugen befragt und Zeugen ermittelt werden", erklärte Pressesprecher Wolfgang Denzer dieser Zeitung. Er setzt große Hoffnungen auf die szenekundigen Beamten aus Dresden, "die ihre Pappenheimer ja wahrscheinlich kennen". Zwei Beamte aus Dresden seien mit vor Ort gewesen.

Filmaufnahmen aus dem Stadion gebe es reichlich, Material zu den Überfällen auf die vier Pendelbusse werde noch gesammelt. Da hoffe man auf Aufnahmen der Businsassen, die per Fotohandy erstellt worden sein könnten. Schnelle Erfolge bei der Identifizierung der Straftäter konnte Denzer nicht versprechen: "Das wird noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen." Er verteidigte noch einmal die Strategie der Polizei, auf Festnahmen im Gästeblock zu verzichten: Man habe befürchtet, dass sich andere Fans bei einem Zugriff mit den "Pyromanen" solidarisieren und die Situation eskaliert.

Zeugen und Betroffene sollen sich unter Telefon 0631/369-2620 oder per E-Mail an ppwestpfalz@polizei.rlp.de melden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2013

Jochen Leimert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr