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Dynamo Dresden: Jungwirth und Papadopoulos fiebern dem EM-Viertelfinale entgegen

Dynamo Dresden: Jungwirth und Papadopoulos fiebern dem EM-Viertelfinale entgegen

Bei Dynamo Dresden sind sie Teamkollegen, kämpfen Seite an Seite um den Sieg, doch beim EM-Viertelfinale heute kommen sie nicht auf einen gemeinsamen Nenner: Wenn Deutschland und Griechenland um 20.45 Uhr in Danzig aufeinandertreffen, drücken die früheren Nachwuchsauswahl-Spieler Florian Jungwirth (23) und Giannis Papadopoulos (23) der Mannschaft ihres Heimatlandes die Daumen.

Dresden .

Frage: Warum setzt sich Ihr Nationalteam am Ende durch?

Florian Jungwirth: Ich denke schon, dass es ein schweres Spiel für Deutschland wird, eines vom Typ her wie das gegen Dänemark. Vielleicht wird es noch extremer, wenn die Griechen noch tiefer stehen. Aber von der Qualität her hat Deutschland die bessere Mannschaft auf allen Positionen. Wenn uns ein frühes Tor gelingt, könnte es eine klare Angelegenheit werden.

Giannis Papadopoulos: Ich hoffe natürlich sehr, dass Griechenland gewinnt. Aber es wäre schlichtweg vermessen zu sagen, wir gewinnen das Spiel in jedem Fall, weil-! Es ist ein EM-Ausscheidungsspiel, in dem alles möglich ist, davon bin ich überzeugt. Der Fußball hat in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass er immer wieder für große Überraschungen sorgen kann. Vor acht Jahren ist Griechenland in Portugal Europameister geworden, wer hätte das vorher geglaubt? Niemand.

Wo hat Ihr Team Vorteile?

Jungwirth: Jeder Spieler ist individuell in der Lage, Akzente zu setzen, ein Tor zu schießen oder den tödlichen Pass zu spielen. Ich denke auch, dass die Griechen das Tempo auf Dauer nicht mithalten können.

Papadopoulos: Unser Land steckt politisch in einer sehr schwierigen Situation, deshalb geht es in diesem Spiel auch um den Stolz der Griechen. Ich bin mir sicher, dass unsere Nationalmannschaft heute alles aus sich herausholen wird. Vorteile hat Griechenland bei offensiven wie defensiven Standardsituationen.

Was tippen Sie?

Jungwirth: 3:0 für Deutschland.

Papadopoulos: Ich glaube an ein 1:1 nach 90 Minuten, danach entscheidet auch das Glück.

Hat Ihre Mannschaft bislang die Erwartungen erfüllt?

Jungwirth: Auf jeden Fall, die Gruppe war sehr schwer. Wenn du da neun Punkte holst, hast du alles richtig gemacht. Spielerisch haben sicher viele Leute erwartet, dass es wieder den offensiven Fußball wie bei der WM geben würde, aber das ist nicht vergleichbar. Deutschland hat in Europa ein anderes Standing, und man hat gesehen, dass sich viele Mannschaften hinten reinstellen und das Spiel verschleppen.

Papadopoulos: Vor der Europameisterschaft war ich guter Dinge, dass wir das Viertelfinale erreichen könnten. Nach den ersten beiden schwachen Gruppenspielen gegen Polen und Tschechien habe ich aber nicht mehr geglaubt, dass wir uns im letzten Spiel gegen Russland tatsächlich noch als Gruppenzweiter durchsetzen könnten.

Wo und wie verfolgen Sie die Partie?

Jungwirth: Mit ein paar Freunden werde ich in Dachau in eine Bar gehen. Das haben wir bisher auch so gemacht und es hat Glück gebracht.

Papadopoulos: Ich entscheide mich spontan, ob ich das Spiel zu Hause mit meiner Familie oder mit Freunden in einer Sportsbar in Saloniki verfolge.

Holen Sie ein Nationalmannschaftstrikot aus dem Schrank?

Jungwirth: Ja, ich habe noch einige und ziehe eins an. Ich habe auch noch eins von Spanien, das kann ich nach dem Finale verbrennen - entweder aus Freude oder aus Wut.

Papadopoulos: Ich ziehe keins an. Ich habe zwar eine Menge im Schrank, die ich aber an meine Freunde verteilen werde.

Was gibt es am deutsch-griechischen Abend an Kulinarischem?

Jungwirth: Das Lustige ist: Der Chef der Bar, wo wir sind, ist Grieche. Er hat bestimmt griechische Spezialitäten da, aber auch normales Essen. Auf Weißbier muss ich vorm Trainingsauftakt verzichten.

Papadopoulos: Wir trinken griechisches Bier. An Essen wird aufgrund der großen Nervosität während des Spiels gar nicht zu denken sein!

Wen wünschen Sie im Finale?

Jungwirth: Ich wünsche mir Spanien, sie haben immer noch eine ungeheure Klasse - auch wenn sie ihr Maximum noch nicht ausgeschöpft haben. Ich traue es Frankreich zu, sie zu schlagen.

Papadopoulos: Wenn wir dieses Wunder wirklich noch mal schaffen könnten, wäre es Portugal! Mit dieser Paarung haben wir ja vor acht Jahren gute Erfahrungen gesammelt.

Welche Spieler beider Teams haben Ihnen bislang besonders imponiert?

Jungwirth: Mats Hummels spielt überragend. Gerade weil er noch nicht soviel Erfahrung in der Nationalmannschaft hat, ist seine Leistung top. Mit Badstuber zusammen kickt er einwandfrei, auch Neuer blieb fehlerlos, wird seinen Ansprüchen gerecht. Ich habe mich auch sehr für Lars Bender gefreut, dass er das Tor gemacht hat - wir haben ja sehr lange bei 1860 zusammengespielt. Von den Griechen gefällt mir der Papadopoulos von Schalke, er spielt ein sehr gutes Turnier. Ihm gönne ich auch gegen Deutschland eine gute Leistung, auch wenn seine Mannschaft leider ausscheiden muss.

Papadopoulos: Kyriakos Papadopoulos ist erst durch eine Verletzung eines Kollegen ins Team gerutscht und erfüllt seitdem seine Aufgabe fehlerfrei und setzt mit seiner Körpersprache sogar Impulse im griechischen Spiel. Georgios Samaras war im letzten Gruppenspiel gegen Russland eine ganz wichtige Stütze des Teams. Er bringt seine Erfahrung ein und kann Bälle bei Offensivaktionen der Griechen gut behaupten. Von den Deutschen wird Mesut Özil für seine bisherigen Leistungen zwar eher kritisiert. Mir hat er bisher trotzdem am meisten imponiert. Er ist nicht der extrovertierte Ballartist, der mit irgendwelchen Alibi-Aktionen auf sich aufmerksam macht, sondern eher der stille Denker und Lenker des Spielsystems von Joachim Löw. Seine Ballbehandlung ist eine Augenweide und sein - oft direktes - Passspiel einfach herausragend in Europa.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.06.2012

Interviews: Jochen Leimert

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