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Dynamo Dresden: Aufsichtsrat wird nicht entlastet und droht mit Rücktritt

Dynamo Dresden: Aufsichtsrat wird nicht entlastet und droht mit Rücktritt

Die gute Nachricht gab es zuerst: Dynamo Dresden hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 634 000 Euro gemacht und damit den Plan um 43 Prozent übertroffen.

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Geschäftsführer Christian Müller (l.) und Aufsichtsratschef Thomas Bohn sitzen mit nachdenklicher Miene auf dem Podium.

Quelle: Frank Dehlis

Dresden . Dresden (DNN/JOL). Die gute Nachricht gab es zuerst: Dynamo Dresden hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 634 000 Euro gemacht und damit den Plan um 43 Prozent übertroffen. Das war schon vor der Mitgliederversammlung durchgesickert. Die schlechte Nachricht folgte dann auf der samstäglichen Zusammenkunft in der Margon-Arena - selbst wenn der Verein auch weiterhin einen städtischen Zuschuss in Höhe von einer Million Euro pro Saison erhalten und so sparsam wie die Ex-Geschäftsführer Volker Oppitz und Stefan Henke wirtschaften sollte, ist die Insolvenzgefahr nicht gebannt. Am 30. Juni 2015, wenn Hauptgläubiger Michael Kölmel sein Darlehen in Höhe von 5,5 Millionen Euro zurückhaben will, muss Dynamo nicht nur weiter Zweitligist sein, sondern zahlungskräftige Investoren präsentieren, die den Verein vor dem Kollaps bewahren.

Aufsichtsratschef Thomas Bohn weiß um die Problematik: "Es ist utopisch, dass wir das Geld aus dem normalen Geschäftsbetrieb generieren. Wir arbeiten aber hart daran, werden jedoch nicht alle Gedankengänge offenlegen." Ob das Kontrollgremium die geheimen Pläne freilich weiterverfolgen kann, ist zweifelhaft, denn eine Wiederwahl des Aufsichtsrates im kommenden Jahr scheint derzeit unmöglich, weil die Mitglieder ihm die dazu nötige Entlastung verweigerten. Sie lehnten auch einen von Ehrenratschef Klemens Rasel eingebrachten Satzungsänderungsantrag ab. Der sah die Streichung folgender Regelung in der Wahlordnung vor: "Bewerber, denen zum Zeitpunkt der Kandidatur für eine vorangegangene Amtsperiode von der Mitgliederversammlung die Entlastung verweigert wurde, sind zur Wahl solange nicht zugelassen, bis ihnen Entlastung erteilt wurde."

Vergeblich warben die ehrenamtlichen Aufsichtsräte für diesen Weg, nachdem ihnen schon wegen der Affäre um den teuren, aber ungerechtfertigten Mahnbescheid gegen die Ex-Geschäftsführer Ralf Minge, Markus Hendel und Bernd Maas der Wind heftig ins Gesicht wehte. Zwar entschuldigte sich Bohn in aller Form für diese Geschichte ("Das war ein Riesenfehler") und kündigte an, man stehe bei der Bestellung eines zweiten Geschäftsführers "kurz vor dem Abschluss", doch das reichte einem Großteil der Mitglieder nicht, um ihm die Absolution zu erteilen.

Auch die Drohung von Aufsichtsrat Thomas Kunert, sich ernsthaft mit dem Gedanken an Rücktritt zu tragen, wenn er das Vertrauen der Mitglieder nicht mehr spüre, half nicht. Selbst die Erinnerung daran, dass man vor der letzten Aufsichtsratswahl nur mit Mühe ausreichend Kandidaten gefunden hatte und Bohns Warnung für den Fall eines Rückzuges von Mitgliedern, "es gibt keine Nachrücker", überzeugte zu wenige von jenen Mitgliedern, die am Nachmittag noch im Saal waren. Scharfe Kritik musste sich die Vereinsführung auch dafür gefallen lassen, dass sie im Sommer die 2. Mannschaft nicht zur Regionalliga gemeldet hatte.

Bei all den Diskussionen trat die positive Bilanz vom Vormittag in den Hintergrund. 750 000 Euro an Altschulden hat der Verein abgebaut. Fast durchweg konnte der noch von Oppitz und Henke erstellte Plan überboten werden. Letztlich stiegen die Einnahmen aus dem Spielbetrieb auf 8 Millionen Euro, die Werbeerlöse auf 3,95 Millionen Euro, die TV-Vermarktung erbrachte 4,5 Millionen Euro, der Fanartikelverkauf 650 000 Euro. 877 000 Euro flossen durch Mitgliedsbeiträge. Bei den Ausgaben war der größte Posten das Personal (7,4 Mio. Euro). Die Profimannschaft kostete 5,9 Millionen Euro, für den Spielbetrieb wurden 6,5 Millionen Euro aufgewendet, für Transfers 522 000 Euro.

Noch besser wäre das Ergebnis bei einem Umsatz von knapp 20 Millionen Euro ausgefallen, hätte der Verein nicht eine halbe Million Euro an Strafen für Fan-Vergehen berappen müssen. Dass Dynamo wieder der Ausschluss vom DFB-Pokal droht, gefährdet auch den für das laufende Jahr geplanten Überschuss in Höhe von 508 000 Euro. Präsident Andreas Ritter hat wenig Hoffnung, dass der DFB nochmals Milde walten lässt und rechnet mit dem Schlimmsten: "Das wäre für uns ein Riesen-Imageproblem." Er appellierte an die Vernunft von Mitgliedern und Fans, auf Pyrotechnik im Stadion zu verzichten. Dafür fällige Strafgelder wolle der Verein zivilrechtlich bei den Verursachern einklagen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2012

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