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Dresdnerin Kriegerstein holt WM-Titel in Mailand - Tom Liebscher auf Platz zwei

Dresdnerin Kriegerstein holt WM-Titel in Mailand - Tom Liebscher auf Platz zwei

Auf diese Erfahrung hätte Tom Liebscher gern verzichtet. "So ein Erlebnis hatte ich bei den Großen noch nie, auch nicht eine solche Enttäuschung.

Dresden.

Das hat gesessen", gab der 22-jährige Kanute vom KC Dresden zu. Was war passiert? Erstmals in der Geschichte musste am Sonnabend im K2 über 200 m auf dem Idroscalo von Mailand ein WM-Finale wiederholt werden, weil ein Fehlstart der Briten angezeigt wurde. Allerdings hatten die Teams das nicht mitbekommen und fuhren die 200 m zu Ende. Während Liebscher mit seinem Potsdamer Partner Ronald Rauhe beim ersten Lauf noch Bronze erkämpfte, konnten die beiden Athleten bei der Wiederholung nach schlechtem Start nur Rang sechs erreichen.

Woran es lag, kann Tom Liebscher bislang nur vermuten: "Diese ganze Geschichte mit dem Wiederholungslauf hat uns vielleicht mehr Nerven gekostet als gedacht. Und die Konkurrenz ist in diesem Jahr noch mal enger zusammengerückt, da kann man einen Fehler beim Start einfach nicht mehr wettmachen." Für die Vizeweltmeister des Vorjahres, die sich Gold auf die Fahnen geschrieben hatten, war das Ergebnis eine mittlere Katastrophe. Zumindest den Quotenplatz für Olympia sicherten sie.

Nach einer fast schlaflosen Nacht holte sich Liebscher gestern im nichtolympischen K1 über 500 m die Silbermedaille. "Das war gerade noch ein versöhnlicher Abschluss. Nach der ganzen Vorgeschichte bin ich mit Rang zwei zufrieden. Hätte ich den Schluss-Spurt etwas eher angezogen, wäre vielleicht sogar Gold drin gewesen", meinte der Elbestädter, der sich jedoch schon wieder kämpferisch gibt: "Wir wissen jetzt, bis Rio im nächsten Jahr müssen wir noch mal zwei Schippen drauflegen."

Eine perfekte WM-Vorstellung zeigte dagegen die zweite Dresdnerin Steffi Kriegerstein (WSV "Am Blauen Wunder"). Die 22-Jährige, die mit ihrer Partnerin Sabrina Hering (Hannover) erst nachträglich für die WM nominiert worden war, kehrt mit Gold und Bronze nach Hause zurück. Am Sonnabend lieferte das Duo im K2 über 1000 m eine starke Leistung ab und holte sich souverän den Weltmeistertitel. Gestern legten die beiden U23-Weltmeisterinnen über die 200-m-Distanz nach und gewannen Bronze. Allerdings gehören beide Disziplinen nicht zum olympischen Programm.

"Aber sie haben sich damit für die A-Mannschaft, die sich auf Rio vorbereitet, nachhaltig ins Gespräch gebracht und werden zu den Trainingslagern eingeladen", freut sich Heimtrainer Jens Kühn, der seine beiden Schützlinge vor Ort anfeuerte. Während Tom Liebscher mit einigen anderen Athleten sofort weiter nach Moskau zu einem Einladungs-Cup fliegt, bei dem auch ein wenig Preisgeld zu verdienen ist, geht es für Kriegerstein nach München, wo sie sich auf die Deutschen Meisterschaften in einer Woche vorbereitet. Auch Liebscher wird dort starten, bevor er gleich danach zu vorolympischen Testwettkämpfen nach Rio reist.

Insgesamt zieht der deutsche Verband nach der WM in Mailand ein durchwachsenes Fazit. Wenn man die historisch schlechte WM 2014 als Maßstab nimmt, geht's aufwärts. Gemessen an den eigenen Ansprüchen sind die Paddler längst nicht mehr so gut aufgestellt wie früher. So holte das Team vor den Toren Mailands zwei Titel und insgesamt vier Medaillen in den wichtigen zwölf olympischen Disziplinen. Sebastian Brendel im Canadier-Einer und Max Rendschmidt/Marcus Groß im Kajak-Zweier heimsten jeweils über 1000 m Gold ein. Der K4 der Männer dagegen schied schon im Halbfinale aus und verspielte sogar mehrere Olympia-Quotenplätze.

Auch deshalb konnten die Rennsport-Asse zunächst nur elf von 18 möglichen Rio-Tickets sichern. Maximal fünf weitere Startplätze könnten über eine Nachqualifikation im kommenden Frühjahr in Duisburg hinzukommen. "Es war eine ordentliche, aber keine herausragende WM", urteilte der Kanuverbandpräsident Thomas Konietzko, der ursprünglich sechs Medaillen in den olympischen Klassen als Ziel ausgegeben hatte. Doch neben Brendel und Rendschmidt/Groß paddelten einzig noch zwei Frauenboote über 500 Meter noch aufs Podest. Die London-Olympiasiegerinnen Franziska Weber und Tina Dietze holten im K2 Bronze. Tags darauf fuhren sie im K4 mit Verena Hantl und Conny Waßmuth ebenfalls auf Rang drei.

Astrid Hofmann

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