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Dresdner langjähriger Trainer-Haudegen Manfred Deckert wird heute 80 Jahre alt

Ein Leben für den Radsport Dresdner langjähriger Trainer-Haudegen Manfred Deckert wird heute 80 Jahre alt

Ehrgeizig, rührig und immer Ansporn gebend. Und manchmal vielleicht nicht ganz bequem, aber bescheiden – auch im Alter von 80 Jahren ist Manfred Deckert, so wie fast sein ganzes Leben, aktiv für den Radsport in Dresden auf Achse. An diesem Mittwoch feiert der langjährige erfolgreiche Trainer-Haudegen vom Dresdner Sportclub 1898 seinen runden Geburtstag.


Quelle: Daniel Förster

Dresden. Ehrgeizig, rührig und immer Ansporn gebend. Und manchmal vielleicht nicht ganz bequem, aber bescheiden – auch im Alter von 80 Jahren ist Manfred Deckert, so wie fast sein ganzes Leben, aktiv für den Radsport in Dresden auf Achse. An diesem Mittwoch feiert der langjährige erfolgreiche Trainer-Haudegen vom Dresdner Sportclub 1898 seinen runden Geburtstag.

„Decko“, wie ihn Freunde und Weggefährten nennen, denkt nicht ans Aufhören. Obwohl er etwas kürzer tritt und vor fünf Jahren die Leitung der Radsportabteilung an Fahrradhändler Udo Müller (39) übergeben hat, hält er im Hintergrund die Fäden zusammen. „Er lässt nicht gerne los“, sagt der nicht weniger radsportaffine Dresdner und langjährige Sachsentour-Organisationschef Wolfgang Friedemann (72). Mit ihm an der Seite hat Manfred Deckert – beide kennen sich seit 1960 – nach der Wende beim DSC die heute 160 Mitglieder zählende Sparte für ambitionierte Pedaleure aufgebaut.

„Er ist nach wie vor in vielem involviert und will, dass es bestmöglich weitergeht. Es ist seine Lebensleistung.“ Friedemann zieht vor Deckert den Hut. „Er gibt weiterhin sein Leben für den Radsport.“ Dass der DSC-Radsport einer von wenigen renommierten Nachwuchsvereinen in Ostdeutschland ist, ist in großen Teilen Manfred Deckert zu verdanken. Und der Jubilar betreut seit eh und je die aktiven Sportler, unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene, nicht nur im Training oder bei vereinsinternen Rennen und dem zweiwöchentlichen DSC-Cup im Sommerhalbjahr, sondern auch bei zahlreichen auswärtigen Wettkämpfen.

„‘Manne‘ hält nicht nur für den Radsport die Fahne hoch, sondern ist mit seinen Erfahrungen und seinem Wissen in unseren Kreisen weiterhin gefragt. Sein Tun wird gebraucht. Wenn es ihn nicht gäbe, wäre der Radsport in Dresden womöglich schon den Bach runter gegangen.“ Zu der Einschätzung kommt Günter Mosch. Der heute 74-Jährige wurde 1963, 1973 und 1974 genauso wie der im Mai 2015 im Alter von 73 Jahren verstorbene Michael Kaltofen (1969, 1971, 1975) unter Deckerts Fittichen dreifacher DDR-Meister im Querfeldein. Ohne eine gewisse Strenge ging es freilich nicht. „Er hat uns immer angespornt, forderte Disziplin und kannte seine Pappenheimer. Nicht zuletzt erinnerte er uns Jugendliche daran, was wir zu tun und zu lassen haben.“

Nach den Erfolgen seiner Schützlinge zu urteilen, hat diese gewisse Strenge geholfen. Seinen Tugenden sei Manfred Deckert, der im Dresdner Süden im Stadtteil Zschertnitz wohnt, bis heute treu geblieben. Zum Beispiel beim Organisieren und was den Schriftkram betrifft. „Da ist er ein Fuchs“, so Mosch. Aber auch was das Material angeht. „Da hatte er immer seine Hand drauf. Das Beste bekamen wir nur bei Meisterschaften, so dass es lange gut erhalten blieb.“

Manfred Deckert war zunächst selbst aktiver Radsportler. Sowohl auf dem Straßenrennrad als auch auf dem Crossrad saß er im Sattel, duellierte sich im Querfeldein auch mit Täve Schur (85). Später war der gelernte Maschinenschlosser Mechaniker. Er studierte, wurde Sportlehrer. In den 60er-Jahren wurde er Trainer und Übungsleiter in Dresden, damals bei Dynamo Dresden-Nord an der Neuländer Straße in Trachau. In der Elbestadt, zu dieser Zeit Hochburg im Querfeldein, formte er mehrere DDR-Meister. Für einige Jahre holte ihn der damalige SC Dynamo Berlin. Dort delegierte er mehrere Athleten zur DDR-Friedensfahrt, feierte 1972 mit dem Straßenvierer der Männer den DDR-Meistertitel.

Im Trainingszentrum an der 1926 von Arbeitersportlern gebauten Radrennbahn Heidenau lehrte er Anfang der 80er-Jahre u. a. dem späteren dreifachen Olympiasieger Jens Fiedler als Erster das Sprinter-Abc. „Herr Deckert war ein sehr engagierter Sektionsleiter“, erinnert sich der einst schnellste Mann der Welt auf dem Bahnrad. Der heute 46-jährige Fiedler, der als Großkundenbetreuer des sächsischen Energieversorgers „eins Energie“ viel unterwegs ist und das Team Erdgas.2012 in Chemnitz managt, sagt: „Er ist ein sehr herzlicher Mensch und eine absolute Autoritätsperson. Wenn er damals das Material, also neue Räder oder Bekleidung an uns Sportler ausgegeben hat, war das immer etwas ganz Besonders.“ Denn es gab ja nicht viel. „Einmal bei einem Familiensportfest ließ er uns mit unseren Vätern auf der Bahn Tandem fahren. Die Väter saßen vorn und die Söhne dahinter. Das war ein Gaudi.“

In Heidenau gingen auch spätere Weltklasse-Fahrer wie der zweifache Bahnrad-Weltmeister Bill Huck (51) und Straßenrennfahrer Axel Peschel (74) durch Deckerts Schule. Dass das Betonoval dort heute noch existiert und in den 90er-Jahren nicht in gänzlich dem Verfall preisgegeben wurde, ist Manfred Deckerts Engagement zu verdanken: „Bis die Bahn grundlegend saniert wurde, habe ich vor jedem Steherrennen die Risse und Löcher per Hand ausgebessert und mit Zement geflickt, damit die Rennen überhaupt stattfinden konnten.“

Auch nach der politischen Wende in Deutschland schmiedete Deckert erfolgreich Kader. René Obst war einer von ihnen. Der heute 39-Jährige, der bei einem Profiteam als Mechaniker schraubt, wurde als Junior Süddeutscher Meister auf der Straße und ging 1995 bei Junioren WM im Querfeldein in der Schweiz an den Start. Obst konnte sich auch auf der Straße enorm steigern und war von 2003 bis 2012 Radprofi. Bevor der Dresdner Johannes Heider, der heute noch als semiprofessioneller Radsportler Erfolge feiert, 2009 für drei Jahre zum Profiteam nach Brandenburg ging, wurde er auch von Deckert angeleitet. Nicht nur der 29-Jährige weiß: „Was Herr Deckert sagt, hat Hand und Fuß.“

Von Daniel Förster

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