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Dresdner Synchronschwimmer wünschen sich mehr Anerkennung

Dresdner Synchronschwimmer wünschen sich mehr Anerkennung

Fünf Mädchen durchziehen auf dem Rücken liegend, den Kopf jeweils zwischen den Füßen der Vorderfrau verkeilt durch das Becken der Springerhalle am Freiberger Platz.

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Beim Reigenschwimmen legen die Mädels vom Post-Sportverein Bilder im Wasser.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden . Die erste geht plötzlich ins Hohlkreuz, taucht ab und zieht die anderen in die Tiefe. Unter Wasser verbiegt sich die Kette aus Körpern, erst zu einem Halbkreis, immer weiter, bis sie sich schließt und sich ein großes menschliches Rad unter Wasser dreht, langsam kippt und schließlich an der Oberfläche auftaucht.

Rhönrad heißt die Figur, die aus dem traditionellen Reigenschwimmen stammt. Mit dem Synchronschwimmen als Leistungssport hat sie jedoch wenig zu tun und wird eher von Showgruppen gezeigt. "Liegebilder sind heutzutage höchstens ein kleiner Teil einer Wettkampfkür, da sie nur wenig Kondition voraussetzen", erklärt Kirsten Pycka. Die 31-Jährige ist seit 21 Jahren beim Post-SV in der Abteilung Synchronschwimmen dabei und trainiert die 12- bis 14-Jährigen unter den 45 Mädchen des Vereins.

Wer gut sein will, braucht Muskeln, Ausdauer und viel Puste. So müssen die Mädchen 50 Meter tauchen können und Klimmzüge beherrschen, auch der Spagat gehört zum Standardrepertoire. Denn eine moderne Kür gibt den Sportlerinnen keine Verschnaufpause. Sie schießen aus dem Wasser, tauchen sofort wieder ab, gehen in Handstand und Spagat, dann in die Pirouette. Nach erneutem Auftauchen folgen ein paar Schwimmzüge, Drehung, wieder unters Wasser und so fort. Die Elemente müssen von den Schwimmerinnen zeitgleich und abgestimmt zur Musik ausgeführt werden.

"Wir stehen meistens Kopf", fasst eine zweite Trainerin, Christel Grützner, zusammen. Dass sich Jungs in der Sportart versuchen, ist eine echte Ausnahme, auch dem Dresdner Verein ist bisher keiner lange erhalten geblieben. Dabei war das Kunstschwimmen im 19. Jahrhundert reine Männersache. Heute dagegen wird der Sport gerade von den Herren der Schöpfung belächelt. "Synchronschwimmen erfährt in der Öffentlichkeit nicht die Anerkennung, die es verdient", bedauert Kirsten Pycka. Dem Männerballett werde da mehr Respekt gezollt. Dabei ist eine große Körperbeherrschung und viel Kraft notwendig, um sich zum Beispiel bei einem Unterwasserhandstand allein mit der Kraft der Unterarme bis zu den Oberschenkeln aus dem Wasser zu drücken - selbstverständlich ohne den Boden des Beckens zu berühren. Das beste Alter, um mit der Sportart zu beginnen, liegt zwischen sechs und acht Jahren. "Die Kinder müssen Brustschwimmen können", weist Kirsten Pycka auf die Grundvoraussetzung für das Training im viereinhalb Meter tiefen Becken hin.

Große Hoffnungen setzt die Trainerin derzeit auf das Duettpaar Lisa Kühne (14) und Franziska Bauer (13). Die Mädchen konnten in diesem Jahr bei den Deutschen Meisterschaften einen guten elften Platz belegen. Für den Synchronschwimmverein, der immer für die Wasserspringer zurückstecken muss, eine beachtliche Leistung. Denn weil Dresden ein Bundesstützpunkt für Wasserspringer ist und hier der olympischen Nachwuchs herangezogen wird, sind die Trainingszeiten der Synchronschwimmerinnen immer weiter in den Abend gerückt. Und auch die Turnhallenzeiten für das Kraft- und Balletttraining sind knapper geworden. Seit den Sommerferien muss der Verein sogar mit dem Ballett aussetzen.

Doch wo ein Wille, da ist auch ein Weg: Kirsten Pycka traut Lisa und Franziska mehr zu, will mit beiden bis zu den Deutschen Meisterschaften 2013 noch viel trainieren. Dazu möchte sie sich auch Unterstützung vom Synchronschwimmverein in Leipzig und der dort tätigen Landestrainerin Ute Hennig holen. Schließlich können die Leipziger regelmäßig Nachwuchs für die Nationalmannschaft ausbilden, was dem Dresdner Verein seit seiner Gründung 1965 erst einmal gelungen ist.

Eine Probe ihres Könnens zeigen Lisa und Franziska am Sonnabend ab 17 Uhr bei der letzten der drei Springergalas. Dort präsentieren sie ihre Kür, entwickelt von der kanadischen Choreografin Elisabeth Scott, mit der sie bei den Meisterschaften punkten konnten. Vorher bei der 14-Uhr-Gala schwimmt eine vierköpfige Synchrongruppe ein ebenfalls anspruchsvolles Wettkampfprogramm.

Springergala am 25. und 26. November, Restkarten gibt es noch für die Gala am Sonnabend (14 Uhr) Preis: 8 (erm. 5) Euro www.synchronschwimmen-dresden.de

Kontakt: Sandra Schukoff, Tel. 0174/ 9 72 48 71; Trainingsort: Sprunghalle, Freiberger Platz, Trainingszeiten: Mo. 18.30 bis 19.45 Uhr, Di. 18.30 bis 20.15 Uhr, Fr. 17.30 bis 20.30 Uhr; Mitgliedsbeitrag: 10 Euro im Monat

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2011

Madeleine Arndt

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