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Dresdner Stadtteil Gorbitz will neue Räume für Dynamo-Fans schaffen

Dresdner Stadtteil Gorbitz will neue Räume für Dynamo-Fans schaffen

Der Dresdner Stadtteil Gorbitz gilt als sozialer Brennpunkt. Helga Gantz vom Stadtteilmarketing gibt dies frei zu. 60 Prozent der Kinder würden unter „Hartz-IV-Bedingungen“ aufwachsen, vielerorts herrsche soziale Tristesse vor.

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Luftaufnahme von Dresden-Gorbitz

Quelle: Archiv

Um den Jugendlichen in dem Plattenbauviertel neue Chancen zu eröffnen, wollen Verantwortliche wie Streetworker jetzt die Leidenschaft der Fans für Dynamo Dresden nutzen.

Denn wie überall in der Stadt fiebern auch viele Gorbitzer mit dem Club mit. Streetworker Stephan Passow berichtete im Rahmen einer Diskussionsrunde des Herbert-Wehner-Bildungswerkes am Mittwochabend, dass Dynamo ein hervorragendes Medium ist, mit Jugendlichen in Kontakt zu treten. Über Gorbitz hänge ein richtiggehender „Dynamo-Schleier“, sagt er. „Die letzten Ergebnisse sollte man daher schon drauf haben.“

Um dies zu intensivieren, wollen die Verantwortlichen im Stadtteil den Jugendlichen jetzt mehr Raum für ihr Fansein geben. Bolzplätze gebe es genug. Was fehle, sei öffentlicher Raum. Angebote wie das Fanhaus des Dresdner Fanprojektes in der Friedrichstadt seien zu weit weg, so Passow. Im Idealfall könnte dafür eines der vielen leerstehenden Ladenlokale genutzt werden. Die Jugendlichen könnten dies dann in größtmöglicher Selbstverwaltung „szenespezifisch“ nutzen, berichtet der Sozialarbeiter von den Plänen, über die aktuell auch mit dem Dresdner Fanprojekt diskutiert wird. „Die Idee ist schon da“, wirbt Passow. Es gebe konkrete Vorstellungen und Raumideen – Allein was noch fehlt ist die Finanzierung. Denn ohne anderthalb Stellen für Sozialarbeiter sei das Projekt nicht umsetzbar. Deswegen gehe es jetzt darum, Fördermöglichkeiten, Stiftungen oder Sponsoren zu finden.

Den Fans zu zeigen, „hier ist der Ort der Fans“, so beschreibt Quartiersmanager Ulrich Krause die Pläne. Aktuell verwirkliche sich die Szene vor allem in Form von Graffiti, was bei den weniger fußballbegeisterten Anwohnern nicht auf Gegenliebe stößt. Deswegen sei es eine tolle Idee, einen Ort zu finden, an dem sich die Fans selbst verwirklichen können.

Der Bedarf für so einen Ort sei da. Passow selbst berichtet von Jugendlichen im Viertel, die nicht gerade ein „urdemokratisches Miteinander“ pflegen. Mitarbeiter des Wehner-Werkes berichten, dass es in Gorbitz durchaus eine Szene gewaltbereiter Dynamo-Fans gebe. Grafittis von als gewaltbereit bekannten Gruppen wie „Faust des Ostens“ gebe es in Gorbitz häufiger als anderswo.

Zudem hat Gorbitz laut Helga Gantz vom Stadtteilmarketing einen beträchtlichen Männerüberschuss. Die Kombination aus zu vielen Männern, Perspektivlosigkeit und dem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit könne dann in Einzelfällen dazu führen, dass Jugendliche Dynamo als Bühne für die ganz große Öffentlichkeit missbrauchen und über die Stränge schlagen. Das wiederum falle dann auf das Image von Gorbitz und ganz Dresden zurück – auch wenn Dynamo heute eigentlich ein „befriedeter“ Verein sei, so Thorsten Rudolph vom Fanprojekt Dresden.

Dynamo sei eben auch ein eingliedernder sozialer Faktor, betont er. Der aktiven Fanszene werde oft unrecht getan. Dynamo habe heute eine bunte, kreative und demokratischere Fanszene als früher. Junge Männer und Frauen könnten im K-Block lernen, sich für etwas einzusetzen. Der Fanblock sei ein großer Sozialisationsraum, argumentiert Rudolph. Er betont aber auch, dass einiges an Fanarbeit nötig war, um auf den heutigen Stand zu kommen. Und Fanarbeit sei Sozialarbeit. In 90 Minuten im Stadion ist soziales Einwirken nicht zu schaffen, ergänzt Martin Kuntzsch vom Verein „Dynamo für alle Kinder“.

Was Gorbitz und das angedachte Dynamo-Projekt im Stadtteil brauchen, sind also zusätzliche Sozialarbeiter, ergo zusätzliche Mittel. Rudolph sowie Streetworker Passow richteten daher noch einmal einen Appell an Stadt- und Landesregierung: „Fördert diesen Bereich intensiver!“

Stephan Lohse

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