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Dresdner Sportvereine kämpfen um ihre Anlagen - Teams improvisieren

Dresdner Sportvereine kämpfen um ihre Anlagen - Teams improvisieren

Der Scheitelpunkt der Elbe-Flutwelle hat Dresden passiert, ungeduldig warten die Anwohner darauf, dass der Wasserstand sinkt. In den von Überschwemmung ihrer Anlagen betroffenen Sportvereinen ist das nicht anders: Athleten, Trainer und Funktionäre möchten so schnell wie möglich mit den Aufräumarbeiten beginnen.

Dresden.

Sie hoffen, dass in ihrem Wettkampfkalender möglichst wenige Termine abgesagt werden müssen.

Drachenboot-Festival in Gefahr

Besonders besorgt ist man beim Wassersportverein "Am Blauen Wunder", der seit Monaten das große Drachenboot-Festival am 29. und 30. Juni vorbereitet. Das Spektakel mit mehr als 120 Mannschaften aus Deutschland und Europa ist der Jahreshöhepunkt im Vereinsleben. "Jetzt ist Warten angesagt, dass der Pegelstand fällt. Wenn die Elbe wieder im Flussbett ist, wollen wir das Festival unbedingt durchführen", sagt Sprecher Robert Ringel. Dazu müsste das Wasser auf einen Stand unter vier Meter sinken. Ringel hofft auch, dass das Trainingswochenende für einen Großteil der fürs Festival gemeldeten Freizeitteams noch stattfinden kann: "Darüber werden wir am Mittwoch entscheiden."

Gespannt sind die WSV-Mitglieder, wie es im Vereinshaus an der Fidelio-F.-Finke-Straße aussieht, wenn sie es wieder betreten können. "Die spannendste Frage ist, ob die Zwischendecke zum ersten Obergeschoss trocken geblieben ist. Vielleicht haben wir Glück gehabt. Wenn aber die Holzbalken nass sind, dann müssen sie ein halbes Jahr trocknen", weiß Ringel. Bewegliches Mobiliar und die Boote haben seine Mitstreiter und er rechtzeitig ausgeräumt und einen Teil auf dem etwas höher liegenden Lagerplatz verstaut. Im Verein hat man viel aus den Erfahrungen vergangener Flut-Ereignisse gelernt, auch baulich vieles verbessert. Die Heizungsanlage ist unterm Dach eines der zwei Sanitärgebäude untergebracht. Viele Räume sind seit 2002 gefliest, die Wände leicht abwaschbar, die Steckdosen befinden sich in der Decke. Dennoch wartet viel Arbeit auf die Wassersportler, die aber schon erste Hilfszusagen vom Freundeskreis des Bootshauses, von Firmen und anderen Vereinen erhalten haben.

USV-Ruderer bangen um Steg

Hilfe und zwar schnell brauchen auch die USV-Ruderer, denn ihren 20 Meter langen Steg riss das Wasser von den Ketten los, er bäumte sich auf und treibt nun notdürftig gesichert am Blasewitzer Elbufer. Trotz warnender Anrufe beim Hochwasser-Krisenstab der Landeshauptstadt sowie bei der Feuerwehr vor und nach der Havarie erhielten die Ruderer keine Hilfe. "Wir fühlen uns von Feuerwehr, THW und Stadt im Stich gelassen", beklagt Gert Schneider, 1. Vorsitzender der USV-Ruderer. "An mehreren Stellen der Stadt stehen THW und Bundeswehr mit schwerem Gerät - und die Mannschaften drehen Däumchen. Hier bei uns könnten wir sie gebrauchen. Wir haben zwar den Steg mit unseren bescheidenen Mitteln notdürftig gesichert und das unter Lebensgefahr. Diese laienhafte Sicherung ist aber keine Garantie, dass die Steganlage nicht doch noch abtreibt und zur Gefahr wird." Froh ist man, dass kein Wasser im Bootshaus steht: "Zum Glück - die Unterkante wäre bei einem Pegelstand von 8,95 Metern erreicht", weiß Pressesprecher Edwin Seifert.

SV Johannstadt plant Säuberung

Beim SV Johannstadt plant Präsident Manfred Müller das Wochenende. Ob und wo seine Fußballerinnen spielen können, ist meist noch unklar. Nur die 1. Mannschaft, gerade Sachsenmeister geworden, hat die Saison schon beendet. Dass keine Heimspiele stattfinden können, ist klar, auch das Ausweichquartier an der Pieschener Allee ist überflutet. Die Auswärtsspiele fallen in Absprache mit dem Verband flach, wenn jede Hand beim Aufräumen in den unter der Gaststätte angemieteten Vereinsräumen gebraucht wird. "Wir hoffen, dass das Wasser schnell zurückgeht. Dann muss man sofort den Schlamm raus spülen. Das fängt ja nach zwei Tagen an zu stinken", weiß Müller aus leidvoller Erfahrung.

Mobiliar, Computer und Trainingsgeräte hat er mit seinem Team retten können, es wurde in der seit März leer stehenden Gaststätte eingelagert. Die schon stillgelegte Kegelbahn im Kellergeschoss, die man eigentlich noch verkaufen wollte, ist dagegen wohl endgültig hinüber. Diese Räume sind schon länger feucht, das Grundwasser drückt von unten stark auf das Gebäude, das dem Verein nicht selbst, sondern einer Immobilienfirma gehört. Das machte es schon 2002 schwer, Fördergelder von der Stadt zu bekommen. Mit Spenden wurden die Mannschaftskabinen damals renoviert, für den Platz gab es dagegen Hilfe von der öffentlichen Hand. "Der war längst fertig, da hatten wir aber immer noch keine Klos", erinnert sich Müller.

FV Laubegast verlegt Heimspiel

Auf der Anlage des FV Laubegast finden auch keine Spiele statt, der Naturrasenplatz ist überschwemmt, die ganze Anlage gesperrt. Die Trainer versuchen nun alles, die letzten Saisonspiele anderweitig zu organisieren. Die 1. Männermannschaft bestreitet ihr "Heimspiel" in der Bezirksliga Ost gegen den SV Post Germania Bautzen am Sonnabend um 15 Uhr beim SV Gebergrund Goppeln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2013

Jochen Leimert

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