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Dresdner Sportler begibt sich auf die Spuren seines Onkels

Von Polen nach Litauen zu Fuß Dresdner Sportler begibt sich auf die Spuren seines Onkels

1948 wurde der damals 14-Jährige Werner Kohn zuletzt in einem kleinen Ort in Litauen gesehen. Bisher blieb die Suche der Angehörigen erfolglos. Nun nimmt sein Neffe die Sache selbst in die Hand. Insgesamt 750 Kilometer will der Freizeitsportler in einer Woche bewältigen - teils zu Fuß, teils mit dem Rad.

Hartmut Kohn will 750 Kilometer zu Fuß zurücklegen, um seinen Onkel zu finden.
 

Quelle: Justine Büschel

Dresden.  1948 wurde der damals 14-Jährige Werner Kohn zuletzt in einem kleinen Ort in Litauen gesehen. Bisher blieb die Suche der Angehörigen erfolglos. Nun nimmt sein Neffe die Sache selbst in die Hand. Insgesamt 750 Kilometer will der Freizeitsportler in einer Woche bewältigen - teils zu Fuß, teils mit dem Rad.

Gemeinsam mit einem Schulfreund will sich der gebürtige Görlitzer auf die Spuren seines vermissten Onkels machen. „Wolfskinder sind unbegleitete Flüchtlingskinder, die nach dem Krieg in Russland oder Litauen eine neue Identität erhielten. Meist wurden sie eingebürgert und verdrängten dadurch ihre eigentliche Herkunft“, erklärt Hartmut Kohn. Aus diesem Grund sei es schwer Hinweise auf den Aufenthaltsort von Vermissten zu finden.

Um seinen Onkel zu finden, startete der begeisterte Sportler bereits einen Ultralauf von Dresden nach Berlin, lies Briefmarken drucken, nahm Kontakt zu sämtlichen Archiven auf. Trotz seiner Bemühungen blieb die Suche erfolglos. Da sein Onkel im letzten Jahr 80 geworden wäre, will Hartmut Kohn nicht noch länger warten und nutzt seine vielleicht letzte Möglichkeit. „Unser größter Gegner ist die Zeit. Nicht nur die Chance meinen Onkel lebend zu finden, sinkt. Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die mir bei der Suche helfen können.“, so Kohn weiter.

Die ausgewählte Strecke von Poznan/ Polen nach Vilnius/ Litauen ist über 750 Kilometer lang. Am 8. Oktober soll es früh mit dem Wohnmobil nach Polen gehen. Anschließend will Kohn mit dem Lauf starten. Jeden Tag muss er knapp 100 Kilometer zurücklegen – 20 zu Fuß, 40 mit dem Rad, den Rest mit dem Wohnmobil. Die Versorgung übernimmt sein Schulfreund mit dem Wohnmobil. Warum er den ganzen Weg zu Fuß auf sich nimmt? „Ich will gegen das Vergessen ankämpfen. Im Auto oder im Bus verpasst man vieles, wenn ich aber zu Fuß unterwegs bin, kann ich viel leichter mit Leuten ins Gespräch bringen. Ich will den alten Menschen zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben“, antwortet Kohn.

Für den Wahl-Dresdner sind lange Strecken nichts Neues. Seit fünf Jahren nimmt er regelmäßig an Ultra-Läufen teil. Unter anderem bewältigte er die Strecke von Dresden nach Prag. Dennoch hofft er körperlich durchzuhalten, denn die bisherigen Läufe dauerten meist zwischen drei und vier Tage. Die Strecke von Polen nach Litauen will er in sieben Tagen schaffen. Den Verlauf der Route kann man über seine Website verfolgen. Angst habe er trotzdem keine, sagt Kohn. Solange sich der Punkt auf dem Livetracker bewege, sei alles in bester Ordnung.

Von Justine Büschel

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