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Dresdner Schiedsrichter-Urgestein Klaus Peschel erinnert sich an seinen Auftritt beim FC Barcelona

Dresdner Schiedsrichter-Urgestein Klaus Peschel erinnert sich an seinen Auftritt beim FC Barcelona

Nein, gegen den FC Barcelona haben weder Dynamo Dresden noch der Dresdner SC je ein Pflichtspiel bestritten. Dennoch hat ein Dresdner im Fußball-Europapokal seine Erfahrungen mit dem Topverein aus Spanien gemacht.

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Klaus Peschel und seine Dresdner Schiedsrichterkollegen Peter Müller, Wieland Ziller und Klaus Hagen (v. r.) beim Internationalen Turnier "Dresden '84"

Quelle: Archiv Günther Frank

Klaus Peschel fungierte vor 30 Jahren als Linienrichter in einem Spiel im Europacup der Pokalsieger von Austria Wien gegen die Katalanen, für die damals auch der 22-jährige argentinische Weltstar Diego Maradona auflief.

Bei der Partie in Barcelona dabeigewesen zu sein, sei „ein wunderbares Gefühl“ gewesen. Und César Luis Menotti war damals Barça-Trainer, erinnert sich der heute 72 Jahre alte Klaus Peschel sofort. Auch an Maradona denkt er gern zurück. „Ein brillanter Techniker“, gibt sich der langjährige DDR-Oberliga-Referee auch nach drei Jahrzehnten beeindruckt. Und ein Gentleman sei der Argentinier, der ein Jahr zuvor an der Weltmeisterschaft in Spanien teilgenommen hatte, obendrein. Von ihm bekam Peschel nach dem Spiel, das Adolf Prokop als Hauptschiedsrichter geleitet hatte, ein Jersey.

Ebenfalls angetan war Peschel von der katholischen Kapelle im Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona. „Ich war dort drin, das ist wie eine kleine Kirche“, berichtet er. Die Gastfreundschaft der Spanier sei großartig gewesen. Man habe ihn auch durch das Vereinsmuseum geführt und ihm einen Film über Barcelona gezeigt – etwas Besonderes selbst für einen DDR-Schiedsrichter, der von 1980 bis 1990 insgesamt 80 internationale Einsätze als Pfeifenmann oder Assistent absolvierte, darunter Spiele von Juventus Turin, Besiktas Istanbul und Celtic Glasgow.

Barcelona flog damals aus dem Europapokal - gegen Austria Wien

In der Partie am 16. März 1983 bekleckerte sich der FC Barcelona, für den damals auch der Deutsche Bernd Schuster spielte, übrigens nicht mit Ruhm. Als amtierender Titelverteidiger – 1982 holte Barça zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Europapokal der Pokalsieger und ist heute mit insgesamt vier Triumphen Rekordsieger dieses nicht mehr ausgetragenen Wettbewerbs – schied die Mannschaft im Viertelfinale aus.

Das Hinspiel am 2. März 1983 in Wien war mit einem torlosen Remis zu Ende gegangen, zwei Wochen später gelang den Österreichern im Camp Nou ein 1:1. Gerhard Steinkogler, damals bei der Austria kongenialer Sturmpartner eines gewissen Toni Polster, schoss seine Farben in Front, doch kurz vor der Pause besorgte Alexanco den Ausgleich. Dabei blieb es und das Auswärtstor brachte die Wiener schließlich ins Halbfinale, wo jedoch einen Monat später gegen Real Madrid Endstation war. Als Andenken an die Partie bekam Peschel einen Barça-Wimpel überreicht, auf dem sein Name eingestickt ist. Er ist heute Teil der Ausstellung des Dresdner Fußball-Museums von Jens Genschmar im Glücksgas-Stadion.

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Der Wimpel, den Klaus Peschel von Barca für den Linienrichtereinsatz 1983 im Stadion Nou Camp bekam, hängt heute im Glücksgas-Stadion als Teil der Ausstellung des Dresdner Fußball-Museums zwischen Souvenirs der Glasgow Rangers und von Ajax Amsterdam.

Quelle: Stefan Schramm

Toni Polster sah Klaus Peschel 1986 in Graz wieder, als er die EM-Qualifikationspartie der Österreicher gegen Albanien (3:0) leitete. Damals begegnete er auch erstmals dem heutigen Dynamo-Trainer Peter Pacult, der jedoch das ganze Spiel auf der Auswechselbank schmorte. Bei Dynamo war Peschel sogar selbst mal als Fußballer aktiv, bis 1964 spielte er für die zweite Mannschaft der SGD. Seine Schiedsrichterprüfung hatte er bereits 1957 als 16-Jähriger abgelegt. Zwischen 1974 und 1991 leitete Peschel in der Fußball-Oberliga, der höchsten Spielklasse der DDR, 180 Begegnungen und kam auf 250 Einsätze als Linienrichter.

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Weltfußballer Lionel Messi (r) trainierte beim FC Barcelona mit, obwohl sein Einsatz noch ungewiss ist. Foto: Andreas Gebert

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Als seinen Karrierehöhepunkt bezeichnet Klaus Peschel die Leitung des Länderspiels zwischen England und Brasilien am 28. März 1990, das die Briten vor 80.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion durch einen Treffer von Gary Lineker mit 1:0 gegen Carlos Dunga und Co. für sich entschieden – erst im Februar 2013 sollte ihnen der nächste Sieg gegen die Südamerikaner gelingen. „Schiedsrichter aus der DDR waren gefragt, besonders in Westeuropa“, weiß Peschel.

Heute pfeift Klaus Peschel noch immer, aber natürlich auf deutlich niedrigerem Niveau. Das Sommerhalbjahr verbringt er nicht daheim in Cossebaude, sondern seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau in seinem Anwesen in Mecklenburg. Dort lässt er sich als Unparteiischer des Malchower SV für jährlich etwa 20 bis 25 Spiele in der Kreisliga Mecklenburgische Seenplatte ansetzen. Am Sonnabend leitete er die Partie MSV Beinhart Klink II. gegen PSV Röbel-Müritz II. (2:0). „Die spielen so langsam, dass das für mich kein Problem ist“, lacht der Schieri-Senior und kündigt an: „Ich mache weiter, solange ich laufen und dem Spiel folgen kann.“

Peschel: Bayern München ist Favorit!

Übrigens: Auch der diesjährige Champions-League-Halbfinalgegner des FC Barcelona, der FC Bayern München, musste mal nach Peschels Pfeife tanzen. Gerhard Mayer-Vorfelder, damaliger Präsident des VfB Stuttgart und späterer DFB-Chef, hatte den DDR-Referee im Jahr des Mauerfalls 1989 zu einem Fußball-Hallenturnier in die Schwabenmetropole eingeladen, bei dem die Münchner mitspielten. Auch den Bayern-Boss Uli Hoeneß hat Peschel damals kennengelernt.

Zu den Chancen des deutschen Rekordmeisters gegen Barcelona meint Peschel: „Die Bayern in ihrer jetzigen Form werden den Finaleinzug schaffen. Barcelona ist viel zu stark auf Lionel Messi ausgerichtet.“ Wenn der Argentinier mal keinen guten Tag habe, wirke sich das sehr auf das übrige Barça-Team aus. Auch Borussia Dortmund habe in seinen bevorstehenden Halbfinalduellen gegen Real Madrid gute Karten.

Stefan Schramm

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