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Dresdner Ruderer wollen in London eine Olympia-Medaille

Dresdner Ruderer wollen in London eine Olympia-Medaille

27 sächsische Athleten aus zehn Sportarten vertreten den Freistaat bei den Olympischen Sommerspielen vom 27. Juli bis 12. August in London. Die London-Fahrer aus Dresden und Umgebung stellt DNN in den nächsten Tagen ausführlich vor.

Den Anfang machen die Ruder-Vizeweltmeister Tim Grohmann, Karl Schulze und Philipp Wende.

Von Astrid Hofmann

Dresden (DNN). Karl Schulze steckte noch in den Windeln und Tim Grohmann hatte noch nicht das Licht der Welt erblickt, als Dresden zum letzten Mal Olympiasieger feiern konnte. Es war bei den Spielen 1988 in Seoul, als die Ruderer Annegret Strauch (Achter), Kerstin Förster-Pieloth (Doppelvierer), Thomas Greiner und Olaf Förster (Vierer ohne) olympisches Gold holten. Seither gelang es keinem Sportler mehr, für die sächsische Landeshauptstadt Olympiasiege zu erkämpfen. Die Chancen, dass die lange Durststrecke zu Ende geht, stehen in London nicht so schlecht. Und auch diesmal sind es Ruderer, die als heißeste Gold-Kandidaten in die britische Metropole reisen. Der Doppelvierer mit den beiden Dresdnern Tim Grohmann (DRC) und Karl Schulze (USV TU), dem ebenfalls am Bundesstützpunkt trainierenden Wurzener Philipp Wende sowie ihrem Rendsburger Gefährten Lauritz Schoof gehört nach dem Vize-Weltmeistertitel in Bled letztes Jahr und dreimal Platz zwei bei den diesjährigen Weltcups zu den Favoriten. Nachdem die Crew bei den Welttitelkämpfen 2011 durch einen "Krebs", den Lauritz Schoof auf der Ziellinie fing, die schon sicher geglaubte Goldmedaille noch an Australien verlor, soll bei Olympia das "Meisterstück" gelingen. Dafür hat das Quartett in den letzten Monaten hart geschuftet, an Technik, Harmonie und Schlagfrequenz gearbeitet. Auch wenn sich die Recken bei den Weltcups jeweils den starken Kroaten beugen mussten, steuern sie bei ihrer Olympia-Premiere das oberste Treppchen an.

Für Schlagmann TIM GROHMANN war das Wasser schon immer sein Element. Seine Laufbahn begann er einst als Schwimmer. Als die Fortschritte im Becken aber auf sich warten ließen, überzeugte ihn sein damaliger Trainer Dirk Oehme, doch einmal bei den Ruderern vorbeizuschauen. Im Boot fühlte sich der Modellathlet sofort wohl und die Entwicklungskurve zeigte stetig nach oben. Bundesstützpunkttrainer Egbert Scheibe bescheinigt seinem Schützling eine hervorragende Athletik: "Er ist ein Bewegungstalent und kann eigentlich alles, ob Fußball- oder Volleyball spielen, Skaten und Surfen. Er verfügt über eine hervorragende Ausdauerfähigkeit, ist sehr belastbar", so Scheibe, der sicher ist: "Seit er 2009 schon mit Marcel Hacker im Doppelvierer WM-Bronze holte, ist er wesentlich gereift." Allerdings hatte der Bundessoldat bei der Olympia-Nominierung eine echte "Zitterpartie" hingelegt, weil er im Einer nur Neunter war. "Natürlich half ein wenig der Bonus vom WM-Silber in Bled, damit er seinen Platz im Boot verteidigen konnte. Die Krise ist überwunden. Tim, der als Schlagmann den Takt im Doppelvierer angibt, kann sich auf London jetzt doppelt freuen, denn in letzter Minute schaffte auch noch seine Rostocker Freundin Marie-Louise Draeger, die nach der Absage von Peggy Waleska den Einer-Test gewann, den Sprung zu Olympia.

KARL SCHULZE gibt im Bug nicht nur die Befehle im Boot, sondern Egbert Scheibe sieht im Temperamentsbündel auch den "Leader" der Truppe: "Er hat die Führungsrolle inne, ist für alles verantwortlich und die Jungs hören auf ihn." Schulze, der im Bundesstützpunkt mit Tim Grohmann groß wurde und mit ihm schon im Juniorenbereich Erfolge feierte, sei ein absoluter Wettkampftyp. Da kann er über sich hinauswachsen, er verfügt über großen Siegeswillen", lobt der Trainer, der ergänzt: "Dafür kann man auch seine Macken akzeptieren." Er sei nicht gerade Trainingsweltmeister, brauche schon ab und an den berühmten "Tritt in den Allerwertesten". Nachdem Schulze eine kleine Sinnkrise durchgestanden hatte, gaben ihm die Erfolge im Einer 2010 den entscheidenden Schub. "Technisch schlägt er ohnehin mit die feinste Klinge im ganzen Verband", weiß Scheibe einen weiteren Vorzug des Bundespolizisten zu schätzen. Und Karl, der als Kind erst zum Turnen ging und dann bei der SG Weißig dem Fußball hinterherjagte, ist für London zuversichtlich: "Wir können Kroatien schlagen, müssen dafür vor allem auf dem zweiten Teilstück der 2000 Meter noch zulegen", betont Karl, der sich auf das Flair im olympischen Dorf, das Treffen mit vielen Sportlern und auf die Abschlussfeier freut.

PHILIPP WENDE ist ein echter Spätzünder. Wie Grohmann versuchte er sich zuerst als Schwimmer, kam mit 15 durch seinen Vater Stefan zum Rudern. Obwohl er sich dem Leistungsgedanken verschrieb, schaffte er es erst als Erwachsener zum Stützpunkt, fiel vor vier Jahren bei einer Langstreckenregatta auf. Egbert Scheibe lotste ihn im Dezember 2008 nach Dresden. "Seine Leistungssteigerungen waren extrem, obwohl er sich alles hart erarbeiten musste. Er rudert er mit viel Gefühl, im Kraftbereich kann er noch zulegen", schätzt der Trainer ein. Von einem kleinen Rückschlag 2010 ließ sich der ruhige und überlegte Typ nicht entmutigen, sondern zog seine Lehren daraus. Zu Beginn der Olympia-Saison überraschte der Sportsoldat, der zur Zeit sein Studium an der Bergakademie Freiberg ruhen lässt, die Elite mit dem Sieg beim Frühtest im Einer. "Philipp ist in der Truppe der ausgleichende Typ und deshalb sehr wichtig", so Scheibe über den Wurzener.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2012

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