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Dresdner Ruderer trainieren im Trockenkasten

Dresdner Ruderer trainieren im Trockenkasten

In der Adventszeit öffnen die DNN-Mitarbeiter - wie bei einem Weihnachtskalender - jeden Tag ein besonderes Türchen. Diesmal haben wir uns in der Cottaer Trockenübungsanlage der Ruderer umgeschaut.

In der Adventszeit öffnen die DNN-Mitarbeiter - wie bei einem Weihnachtskalender - jeden Tag ein besonderes Türchen. Diesmal haben wir uns in der Cottaer Trockenübungsanlage der Ruderer umgeschaut.

Von Anne Ortlepp

In Dresden-Cotta, direkt am Lauf der Elbe, liegt das Bootshaus des Dresdner Ruderclubs. Zwei Boote liegen zum Ablegen bereit am Ufer, einige Ruder lehnen dagegen. Eine Reihe muskulöser junger Männer und Frauen macht sich zum Training bereit. Die Sportler schlüpfen in eng anliegende Funktionskleidung und wasserfeste Schuhe. Noch ein paar Pflaster auf die aufgeriebenen, teils verhornten Innenflächen der Hände - dort, wo das schwere Holzruder mehrmals pro Woche anliegt. Dann kann es eigentlich losgehen, das zweistündige Training. Doch von draußen peitscht ein matschiger Regen gegen die Wände, die Temperaturen kündigen den Winter an.

"Wir rudern nur noch bis ein oder zwei Grad plus", sagt Egbert Scheibe (54), Trainer des Ruderclubs. "Das Gefährlichste ist der Wind. Davon werden die Hände kalt, man verliert das Gefühl. Außerdem gefriert das Spritzwasser. Das behindert die Rollsitze beim Hin-und Hergleiten auf den Schienen".

Doch dagegen ist der Dresdner Ruderclub seit über vier Jahrzehnten gewappnet. Die simple und doch seltene Schlechtwettervariante befindet sich im warmen Inneren der Halle: Eine "Trockenübungsanlage" für Ruderer. Eine Rarität, die es deutschlandweit sonst nur in Potsdam und Berlin gibt. Trocken ist die in den Boden eingelassene Konstruktion indes nicht, sondern von zirkulierendem Wasser umgeben. Trainer Scheibe nennt sie "Ruderkasten". Acht Ruderer haben hier hintereinander Platz. Wie in einem richtigen Achter. Nur, dass dieser hier feststeht. Die Sitze rollen, die Ruder stechen ins Wasser. Doch es geht nicht voran. Damit die Sportler trotzdem dieselbe Kraft wie im echten Gewässer aufwenden, sind die Ruderflächen ausgespart, es existiert nur der Rahmen. Mit diesen "Ruderkasten-Sculls" betreiben sie Intensiv- und Ausdauertraining. Besonders dem Bundes- und Landesstützpunkt dient der Kasten zur Vorbereitung auf die Saison. An den Seitenflächen des Beckens und an der Vorderseite sind Spiegel angebracht, damit die Ruderer sich während des Trainings beobachten können.

Und noch jemand wirft einen Blick auf sie: Versteckt in einer kleinen Holzhütte sitzt der Trainer vor seinem Computer und betrachtet Messkurven. "Rot ist Backbord, blau ist Steuerbord. Die Kraft im Endzug sollte im Profibereich bei 200 Newton liegen", erklärt Scheibe. Mithilfe von Messtechnik kann er die Kraftwerte sowie die Kraftverteilung der Ruderer abgelesen und analysieren. Und auch mal direkt eingreifen. "Robert, links muss stärker kommen", ruft er dem jungen Ruderer an Position zwei zu.

Jeder Sportler kennt die Spitzenwerte. Die eigenen werden live auf eine Leinwand projiziert, damit der Trainierende seine Anstrengungen sehen und mit den anderen vergleichen kann. Das macht Druck, motiviert jedoch ungemein. "Erfolge im Rudern sind sehr schwer zu erkämpfen", meint der Trainer, der auch die Profis auf ihre Wettkämpfe vorbereitet. Deshalb ist er auch besonders stolz auf den Olympiasieg des Doppelvierers der Männer. Im vergangenen Sommer holten die Dresdner Karl Schulze, Philipp Wende (Wurzen) und Tim Grohmann das erste mal seit 24 Jahren Gold in die Landeshauptstadt.

Im Winter ist der Ruderkasten ganztägig belegt. "Da sind die Scheiben hier komplett dicht und jeder weiß: Das ist purer Schweiß", sagt Bernd Bielig vom Landesruderverband Sachsen. Zum Glück gibt es im Bootshaus aber eine Dusche, einen Trockner und sogar eine Sauna. Und darauf freut sich die Trainingsgruppe nun schon.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2012

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