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Dresdner Bergsteiger scheitert im Himalaya an 8000er

Dresdner Bergsteiger scheitert im Himalaya an 8000er

Der Dresdner Outdoor-Enthusiast und Bergsteiger Rainer Jäpel ist ein Mann, der immer nach neuen Herausforderungen sucht. Von seinem Vater, einem passionierten Kletterer, hat er schon in früher Kindheit den Alpinismus in die Wiege gelegt bekommen.

Von Hauke heuer

Sein größter Traum, die Besteigung des 8.163 Meter hohen Manaslu im Himalaya, ging nun nicht in Erfüllung, denn der Bergsteiger musste knapp 200 Meter unterhalb des Gipfels den Rückzug antreten. Woran scheiterte die Expedition? Jäpel wurde der dieses Jahr sehr früh einsetzende Vormonsun zum Verhängnis. Von Mitte April bis Mitte Mai fielen fünf bis sechs Meter Neuschnee auf dem Berg.

Zunächst sah alles gut aus für Rainer Jäpel und seine vier deutschen Bergsteigerkollegen. Sie hatten sich vorgenommen, den Manaslu ohne Sauerstoffgeräte und Sherpas zu besteigen. In Zeiten eines regelrechten 8000er Tourismus, bei dem auch schlecht trainierte Bergsteiger quasi auf den Berg getragen werden, ein seltenes Unterfangen.

Am 25. April bauten die fünf Deutschen in 5725 Metern Höhe ihr erstes Camp. In den nächsten zwei Wochen folgten drei weitere Lager in höheren Lagen.

Am Sonnabend, dem 12. Mai, waren die Wetterbedingungen zunächst gut und die fünf Bergsteiger beschlossen, einen Gipfelversuch zu wagen. Im Lager vier auf 7400 Metern Höhe gestartet, kamen sie zunächst gut voran. Zwischen ihnen und dem Gipfel standen nur noch eine letzte 200 Meter hohe Steilstufe und eine weitere relativ leicht zu gehende Passage. Aber auf 7950 Metern Höhe machte ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es bewölkte sich schlagartig, ein starker Sturm zog auf und Schneefall setzte ein. Die Bergsteiger um Rainer Jäpel waren gezwungen, den Rückweg anzutreten.

Der Abstieg wurde den Alpinisten fast zum Verhängnis: "Ich konnte nur noch zehn Meter weit sehen und der Sturm hat einen fast von den Beinen gerissen", berichtet Jäpel und dankt der modernen Technik: "Hätten wir kein GPS gehabt, wären wir nicht in der Lage gewesen, im Blindflug zum Lager vier zurückzufinden, dann wären wir zwangsläufig erfroren." Glück im Unglück hatte Christian Ranke, einer der Expeditionsteilnehmer. Auf dem eiligen Rückweg ins Lager zog er sich ein Lungenödem zu. Als er seine vereiste Brille für einen Moment absetzte, wurde er durch die hohe UV-Strahlung auch noch schneeblind und verlor zeitweise sein Augenlicht. Im Lager angekommen, musste er mit Notfall-Sauerstoff versorgt werden: "Nach dem gescheiterten Gipfelversuch war es unser erstes Ziel, Christian wieder heil in das Tal zu bekommen. Zum Glück ist uns das auch gelungen", beschreibt Jäpel die gefährliche Situation. 1972 gelangte eine Tiroler Expedition am Manaslu zu zweifelhaftem Ruhm, als bei einem Schneesturm zwei Bergsteiger, Andi Schlick und Franz Jäger, starben. Bei dieser Expedition erreichte am 25. April 1972 Reinhold Messner den Gipfel. Messner konnte sich vor dem schweren Sturm rechtzeitig in Sicherheit bringen und war der erste Mensch, der den Manaslu ohne Sauerstoffgerät bestieg.

Die Besteigung eines so hohen Gipfels erfordert eine lange Vorbereitungsphase. Ein Jahr lang hatte Jäpel sich auf diese Expedition vorbereitet und dabei 80 000 Höhenmeter überwunden, um seinen Körper an die massiven Belastungen zu gewöhnen. Bei soviel Engagement müsste die Enttäuschung über die misslungene Besteigung eigentlich hoch sein.

Doch dies verneint der stellvertretende Filialleiter von Globetrotter Dresden: "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge" habe er Nepal verlassen. Das wichtigste sei es, dass alle Expeditionsteilnehmer heil nach Hause gekommen sind. Außerdem war diese Besteigung sein Debüt an einem 8000er:" Ich habe Höhenluft geschnuppert", witzelt er. Besonders gefallen habe ihm die lange Abfahrt mit Skiern aus 7200 Metern Höhe. Der Manaslu ist einer der wenigen 8000er, an denen eine lange Skiabfahrt möglich ist.

Die Expedition konnte live auf der Internetseite www.felsundschnee.de nachverfolgt werden. Mit Hilfe eines Satellitentelefons berichtete Jäpel täglich vom Verlauf der Expedition. Ob er sich noch einmal am Manaslu versucht, weiß er noch nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2012

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