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Dresdens Kletterer kämpfen um eigene Halle

Dresdens Kletterer kämpfen um eigene Halle

Das Grundstück ist gekauft, das Gebäude ist bis ins Detail durchgeplant und auch die Baugenehmigung liegt seit Dezember vergangenen Jahres vor, doch die Mitglieder des Sächsischen Bergsteiger-Bundes (SBB) müssen weiter auf den ersten Spatenstich für ihre 2,5 Millionen Euro teure Kletterhalle an der Papiermühlengasse 10 (nahe des World Trade Centers) warten.

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So soll das neue Bergsportzentrum mit Kletterhalle an der Papiermühlengasse 10 einmal aussehen.

Quelle: Visualisierung: SBB

Der Grund: Für das Bergsportzentrum fehlen noch die Fördermittel-Zusagen von Stadt und Land in Höhe von insgesamt einer Million Euro. Seit September 2011 liegt der Fördermittel-Antrag dem Sportausschuss vor, 400000 Euro wurden dem SBB auch schon in Aussicht gestellt, aber als es am 17. April im Ausschuss um deren Bewilligung gehen sollte, wurde das Thema in Abwesenheit von Sportbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) von der Tagesordnung genommen.

SBB-Geschäftsführer Christian Walter hofft nun, dass das vom Deutschen Alpenverein (DAV) geförderte Projekt auf der nächsten Sportausschuss-Sitzung am 15. Mai grünes Licht erhält und sich dann auch das Land mit der beantragten Fördersumme in Höhe von 600000 Euro näher befassen kann, denn mittlerweile läuft den Kletterfreunden die Zeit weg: "Wir würden gern im Sommer loslegen, denn die Förderzusage des DAV gilt nur bis zum 30. September. Würde das Projekt nicht beschlossen und erst einmal zurück in den Stadtrat verwiesen, ginge kostbare Zeit verloren." 150000 Euro Zuschuss hat der DAV Sachsens Bergsteigern zugesichert, dazu noch ein Darlehen über 450000 Euro. Auch jene der sachsenweit über 10000 SBB-Mitglieder, die den Bau des Bergsportzentrums mit Kleinkrediten in Höhe von insgesamt 300000 Euro unterstützen wollen, wünschen sich rasch Klarheit: "Einige werden langsam unruhig und fragen uns immer öfter, wie es aussieht, denn sie haben mitunter extra Geldanlagen auslaufen lassen", weiß Walter.

Dass Dresden ein neues Kletterzentrum verträgt, dafür spricht einiges. Zwar gibt es im Freizeitzentrum XXL und in der Kletterarena schon zwei kommerzielle Anbieter, doch die Sportart boomt. Klettern weist mit die höchsten Zuwachsraten aller Sportarten in Sachsen auf, ist in Dresden beim organisierten Sport nach Fußball und Volleyball schon drittstärkste Kraft. Kinder und Jugendliche haben es für sich entdeckt, die Kurse in vom SBB angemieteten und nur mit kleinen Kletterwänden bestückten Sporthallen wie in Mickten oder Trachau sind immer schnell ausgebucht, es gibt lange Wartelisten. Allein im laufenden Jahr betrug der Mitgliederzuwachs beim organisierten Sportklettern in Dresden schon 13,6 Prozent. Überall in Deutschland schießen neue Kletterhallen aus dem Boden, weil die Nachfrage wächst.

Bedenken der privaten Betreiber, ihnen werde mit dem SBB-Zentrum das Wasser abgegraben, zerstreut Christian Walter: "Erfahrungen anderswo haben gezeigt, dass der Bau von Anlagen für den Vereinssport den Markt eher belebt hat. Wir wollen uns verstärkt der Kinder- und Jugendarbeit widmen und auch Senioren Angebote machen." Es könnten so Zielgruppen bedient werden, die für private Anbieter weniger interessant seien. Die Planungssicherheit für den Trainingsbetrieb erhöhe sich. Der erfahrene Höhenbergsteiger und Mitbegründer des Alpinclubs Sachsen versichert, dass das Zentrum auch für den Schulsport offen stehen soll. "Wir sind der festen Überzeugung, dass sich das mit den Angeboten der privaten Betreiber prima ergänzt", so Walter.

In der künftigen, 1500 Quadratmeter großen SBB-Kletterhalle soll das Vorstiegsseilklettern im Vordergrund stehen. Mit gutem Grund: "Wir wollen unsere Leute fitmachen, dass sie sich sicher in der Sächsischen Schweiz bewegen können", betont Walter, der selbst Ausbilder bei der Bergwacht ist. Für diese aufwändige Art des Kletterns fehlt es in Dresden besonders an Fläche, denn sie braucht mehr Raum als das Bouldern in Absprunghöhe und ist so für private Anbieter weniger wirtschaftlich. "Seit 2007 ist kein Quadratmeter Seilkletterfläche mehr in Dresden dazu gekommen, nur noch Boulderkletterfläche", sagt Walter.

Für ihn ist neben der praktischen Ausbildung aber auch die theoretische sehr wichtig: "Im Kletterzentrum ist neben der SBB-Bibliothek auch ein Seminarraum vorgesehen. Dort ließe sich dann beides an Ort und Stelle durchführen." 19000 Titel vereint die Bibliothek, die mit dem Gipfelbuch-Archiv und der SBB-Geschäftsstelle derzeit noch in der Könneritzstraße 33 ansässig ist. Nach dem Wunsch des Bergsteigerbundes sollen sie allesamt eine Heimat im neuen Bergsportzentrum finden.

Walter erklärt: "Wir erhoffen uns einen Haufen Synergieeffekte, wenn wir unsere verschiedenen Sparten an einem Punkt zusammenbringen." Derzeit muss der SBB rund 45000 Euro im Jahr für die bestehende Geschäftsstelle aufbringen, die Anmietung fremder Kletteranlagen verursacht weitere Kosten. Durch deren Einsparung, so ist es kalkuliert, werden die für den Neubau benötigten Darlehen refinanziert. "Die Betriebskosten werden wir selbst erwirtschaften, wir liegen der Stadt nicht jedes Jahr auf der Tasche", verspricht Christian Walter.

Alle Argumente für den Bau wird der SBB vor der nächsten Sportausschuss-Sitzung noch einmal ausführlich in einer großen Runde am kommenden Mittwoch im Rathaus erläutern. Dazu haben sich neben Vertretern der Stadt, des Innenministeriums, des Stadt- und Kreissportbundes und der DAV-Zentrale in München auch die privaten Dresdner Betreiber angesagt.

Jochen Leimert

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