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Die zwei Gesichter der Dynamo-Dresden-Fans: Schwarz-Gelbe zwischen Gewalt und Kampagne

Die zwei Gesichter der Dynamo-Dresden-Fans: Schwarz-Gelbe zwischen Gewalt und Kampagne

„Dresden ist anders". Zumindest beim Fußball trifft dies zu. Für das Geisterspiel gegen Ingolstadt kauften die Fans binnen zwei Tagen mehr als 12.000 Eintrittskarten ohne Gegenwert, regelmäßig werden riesige Choreografien erarbeitet, zudem ist Dynamo Dresden der wohl einzige Verein, der selbst auswärts oft Heimspiele hat, beispielsweise, wenn bis zu 20.000 Fans ihr Team nach München begleiten.

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Rund 100 Fans waren der Einladung zum 1. Fantag ins Glücksgas-Stadion gefolgt.

Quelle: Stephan Lohse

In Sachen Stimmung und Fankultur gilt Dynamo Dresden bundesweit unbestritten als eine der ersten Adressen.

Allerdings gibt es auch die andere Seite. Erst kürzlich wurde ein Dynamo-Fan wegen eines Angriffs auf Polizisten nach dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt, nach dem Sieg in Bochum beleidigten mehrere Fans einen türkischstämmigen Familienvater, der mit seinen Kindern im gleichen Zug saß wie die Dresdner Fans. Angriffe auf Spieler von Alba Berlin, antisemitische Gesänge und Plakate, zuletzt waren es die Vorfälle beim DFB-Pokalspiel in Dortmund, die die andere, „hässliche" Seite der Dynamo-Fankultur offenbarten und dem Verein Negativ-Schlagzeilen bescherten.

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Rund 100 Zuhörer waren zu der Veranstaltung gekommen. Zudem stellten sich mehrere Fan-Initiativen den Besuchern vor.

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Für die Fans ist Gewalt trotzdem nur ein „Randthema", wie Dan Untenzu, einer aus dem harten Kern der schwarz-gelben Anhänger, beim ersten Fantag des Dynamo-Fanprojektes am Dienstag verkündete. Die regelmäßigen Ausfälle bei Auswärtsspielen seien auf „einfachste Probleme" zurückzuführen, beispielsweise wenn Zaunfahnen nicht hängen dürfen. Dynamo-Präsident Andreas Ritter spricht gar von einer „Dämonisierung" des Vereins und seiner Fans. Dynamo habe seit dem Europapokalausschluss 1991 mit Vorurteilen zu kämpfen.

Neben dem Deutschen Fußballbund sind für einige Fans die Journalisten die Hautschuldigen. Neben „Fußball-Mafia DFB" tönt es im Stadion regelmäßig „ Lügenpresse auf die Fresse". Die Medien würden nicht über positive Aspekte berichten würden, sondern nur über Ausschreitungen. Für Oliver Ehlert von der Fangemeinschaft Dynamo seien die Medien gar in weiten Teilen Mitschuld am harten Urteil, das der DFB nach den Ausschreitungen von Dortmund gegen die Dresdner verhängte.

Und während es für solche Äußerungen auf dem Fantag jede Menge Applaus gab, fanden kritischere Stimmen weniger Widerhall. Jeder Fan müsse sich nach den Vorfällen von Dortmund hinterfragen, sagte Dynamos Sicherheitsbeauftragter Sören Klar. Was sich ein Teil der Fans dort geleistet habe, sei „kein fantypisches Verhalten" gewesen. Daher sei die Strafe auch legitim. Der erste Stein sei nicht aus der Otto-Fleck-Schneise, dem Sitz des DFB, geworfen worden, ergänzte der Sportjournalist Christoph Ruf, der den Fantag moderierte. Dresden habe ein Gewaltproblem. Das dürfe man weder unterschlagen noch alle Fans in diese Schublade einordnen.

Dass sich allerdings etwas ändert, ist so schnell nicht zu erwarten. So wird das Pyrotechnik-Verbot von den Fans weiterhin nicht akzeptiert, auch wenn die regelmäßigen bengalischen Feuer immer wieder zu Geldstrafen und Negativschlagzeilen führen. Diese seien für die Fans längst zu abstrakt, meint Untenzu. „Pyro" gehöre schließlich zum Selbstverständnis der Ultras. Auch Oliver Ehlert meint, dass Verbote und die Diskussionen darum die Fangemeinde nicht weiter brächten. Zudem seien sich die Fans meist gar nicht bewusst, dass sie mit ihren Taten die kritisierten medialen Bilder erst produzierten. Das Verständnis dafür, dass die Medien solche Regelverstöße thematisieren, wirkte bei vielen Besuchern des Fantages kaum ausgeprägt. Auch, da weder Ultras noch die Fangemeinschaft freiwillig mit Journalisten sprechen.

„Ohne Ereignis gibt es auch keine Schlagzeile" warf schließlich ein älterer Fan ein. Fraglich, ob jeder Dynamo-Unterstützer diese Einsicht teilt.

Stephan Lohse

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