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Die Integrationsfigur geht - Volker Oppitz verlässt Dynamo Dresden

Die Integrationsfigur geht - Volker Oppitz verlässt Dynamo Dresden

Auf der Mitgliederversammlung am 19. November vergangenen Jahres wurde er als Sanierer so gefeiert wie einst als Spieler, sein im Juni auslaufender Vertrag als Geschäftsführer von Dynamo Dresden stand laut Aufsichtsrat kurz vor der Verlängerung und auch die von ihm energisch befürwortete Weiterbeschäftigung von Sportchef Steffen Menze und Trainer Ralf Loose über den Sommer hinaus ist auf gutem Wege - es schien Volker Oppitz, der im Oktober zum dritten Mal Vater geworden war, richtig gut zu gehen.

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Als Volker Oppitz Anfang November bei einer Pressekonferenz zum Strafantrag des DFB-Kontrollausschusses wegen der Randale in Dortmund Stellung nehmen musste, war ihm anzusehen, wie sehr ihn die Verantwortung für Ostdeutschlands größten und skandalträchtigsten Sportverein belastete.

Quelle: Archiv

Dresden . Von Jochen Leimert

Dresden (DNN). Auf der Mitgliederversammlung am 19. November vergangenen Jahres wurde er als Sanierer so gefeiert wie einst als Spieler, sein im Juni auslaufender Vertrag als Geschäftsführer von Dynamo Dresden stand laut Aufsichtsrat kurz vor der Verlängerung und auch die von ihm energisch befürwortete Weiterbeschäftigung von Sportchef Steffen Menze und Trainer Ralf Loose über den Sommer hinaus ist auf gutem Wege - es schien Volker Oppitz, der im Oktober zum dritten Mal Vater geworden war, richtig gut zu gehen. Doch der Schein trog. Am Dienstagmorgen erklärte der 33-Jährige dem Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Bohn, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt. Der erst im Juni 2010 zum Geschäftsführer ernannte Oppitz gab dafür gesundheitliche Gründe an.

Die Erkältung, wegen der er zuletzt ein paar Tage fehlte, ist damit nicht gemeint. Es war offenbar die hohe Arbeitsbelastung, die den früheren Innenverteidiger allmählich mürbe machte. Der Stress in einem Verein, der selten aus den Schlagzeilen kommt. Der anhaltende Ärger mit gewalttätigen Fans, der in der Randale von Dortmund und dem Pokalausschluss für die kommende Saison gipfelte. Der ständige Kampf ums wirtschaftliche Überleben. Bereits Anfang 2011 hatten Oppitz seine Ärzte einmal eine mehrwöchige Auszeit wegen körperlicher Erschöpfung verordnet. Nach seiner Rückkehr hatte er damals zugegeben: "Es ist schon eine ziemliche Bank, einen so großen Verein mit so vielen Mitarbeitern zu führen."

Präsident Andreas Ritter betonte gestern Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Abwesenheit der Hauptperson: "Er hat das aus eigenen freien Stücken gewollt." Oppitz habe sich mit Rücksicht auf seine Familie dem Dauerdruck bei einem der schillernsten Profiklubs in Deutschland nicht mehr aussetzen wollen. Ritter, der Oppitz bei vereinsinternen Machtkämpfen stets stützte, sagte: "Er möchte sich davor schützen, dass er wieder in eine Situation kommt, in der er Anfang 2011 schon einmal war."

Als die Nachricht im Aufsichtsrat und im Präsidium die Runde machte, schlug sie ein wie eine Bombe. "Es war ein Schock für uns", erklärte Ritter sichtlich betrübt, "wir bedauern den Schritt zutiefst. Es kam für uns völlig überraschend und unvorbereitet." Vizepräsidentin Diana Schantin bekannte: "Als ich das gehört habe, hat es mir die Beine unterm Hintern weggezogen." Selbst Bohn, dessen Ansichten über die künftige Ausrichtung des Vereins oft nicht mit denen von Oppitz konform gingen, gab sich überrascht. Er habe nach Gesprächen mit Oppitz über dessen Vertragsverlängerung Anfang Januar keinerlei Ahnung gehabt, dass der Geschäftsführer Rücktrittsgedanken hege. "Ich konnte aus den Gesprächen in keiner Weise entnehmen, dass wir auf so eine Situation zusteuern", erklärte der Chef des Dynamo-Großsponsors Saxoprint. Er habe versucht, Oppitz von seinem Rücktritt abzubringen. Vergebens. "Wer Dr. Volker Oppitz kennt, weiß, dass er keine unüberlegten Sachen macht."

Bohn, der im letzten Jahr mit Oppitz heftig über den Investorenpool gestritten hatte und Dynamo möglichst schnell zurück in die Bundesliga führen will, bekundete, sein Verhältnis zu Oppitz sei zuletzt deutlich entspannter gewesen: "In jeder Zusammenarbeit gibt es Höhen und Tiefen. Wir haben uns zuletzt nicht in einer tiefen Senke befunden, sondern waren auf dem Weg nach oben." Andere Aufsichtsräte widersprachen dem nicht, die Entscheidung, mit Oppitz verlängern zu wollen, sei bis auf eine Enthaltung einstimmig gefallen. Oppitz habe auch Anfang Januar Grünes Licht erhalten, die von ihm gewünschten Vertragsverhandlungen mit Menze und Loose voranzutreiben, sagte Aufsichtsratsmitglied Thomas Kunert.

Wie wichtig ihm das war, hatte Oppitz zuletzt beim DNN-Neujahrsempfang noch einmal klargemacht: "Es muss auch ohne mich weitergehen." Von Menze und Loose sei er hundertprozentig überzeugt. Als er jetzt die Vertragsverlängerung mit dem Erfolgsduo gesichert sah, konnte er sich zurückziehen. Eine Ära endet, wieder hat Dynamo eine Integrationsfigur weniger.

Dynamo ohne Volker Oppitz? Schwer vorstellbar. Als Spieler spielte er bis auf ein Jahr stets bei seinem Heimatklub, feierte zwei Aufstiege, war Publikumsliebling und half als Geschäftsführer bei der Rückkehr in die 2. Liga kräftig mit. Doch am Dienstag trat er zurück.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2012

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