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Die Dresdner Sportpsychologin Grit Reimann hilft Athleten dabei, ihre Blockaden zu lösen

Die Dresdner Sportpsychologin Grit Reimann hilft Athleten dabei, ihre Blockaden zu lösen

Auf den Punkt genau Leistung abrufen. Das wird von jedem Spitzensportler verlangt. Doch was soll der Athlet machen, wenn es plötzlich nicht mehr funktioniert und er aus irgendeinem Grund blockiert ist? Die Dresdner Sportpsychologin Grit Reimann hat bei ihrer Arbeit viele dieser Fälle kennengelernt und weiß, dass es manchmal nur Kleinigkeiten sind, die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.

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Bereits seit vielen Jahren hilft die Dresdner Psychologin Grit Reimann Sportlern dabei, ihre Leistungen auf den Punkt genau abzurufen.

Quelle: Thomas Eisenhuth

"Das fängt schon damit an, dass einige Sportler vor dem Wettkampf gern mit dem Trainer reden und andere wiederum ihre Ruhe haben möchten. Jeder muss für sich herausfinden, wie er sich am besten fühlt, um die gewünschten Resultate zu erbringen", erzählt Reimann.

Routinen seien dabei sehr hilfreich, weil manche Athleten gerade deshalb Probleme haben, weil sie im Wettkampf alles anders machen als im Training.

Diese Erfahrung musste auch die Kugelstoßerin Christina Schwanitz vom LV 90 Erzgebirge machen. Die gebürtige Dresdnerin erlebte immer wieder wie aus heiterem Himmel Einbrüche, obwohl es zuvor sehr gut zu laufen schien. So sicherte sich die 27-Jährige vor zwei Jahren zunächst bei der Hallen-DM den Titel und konnte auch bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Daegu am Anfang überzeugen.

Nachdem sie allerdings in der Qualifikation gute 19,20 Meter gestoßen hatte, verlief das Finale nicht nach ihren Vorstellungen. Erst unterliefen ihr zwei Fehlversuche und anschließend stieß sie gerade einmal 17,96 Meter, was nur für den 13. Platz reichte. Um dies zu ändern und tatsächlich ihre Leistung in wichtigen Wettkämpfen zeigen zu können, suchte sie einen Sportpsychologen auf. Zusammen mit Grit Reimann hat sie analysiert, wie sie sich besser auf ihre Wettkämpfe vorbereiten kann.

"Wir haben uns jeden einzelnen Schritt von der Vorbereitung über die Erwärmung beim Wettkampf bis zum ersten Stoß angesehen. Dabei wurde klar, dass es unmittelbar vor und während des Wettkampfs vergleichbare Abläufe wie beim Training geben sollte", betont die Psychologin. Dazu gehören auch Dinge wie wann man zu Bett geht, wann man duscht oder was man etwas isst.

"Gemeinsam mit Christina habe ich eine Art Drehbuch, eine feste Struktur erarbeitet, die ein Gefühl von Sicherheit erzeugt und folglich Selbstbewusstsein gibt", so Reimann. Dass sich diese Analyse gelohnt hat, wurde Christina Schwanitz voriges Jahr bei den Olympischen Spielen in London klar. Obwohl sie wegen einer Schulterverletzung gehandicapt war und daher im Finale mit einem Stoß von 18,47 Metern den zehnten Platz belegte (zunächst Platz 11, aber nach Disqualifikation der Gewinnerin 10. Platz), fühlte sie sich mental so gut wie nie zuvor.

"Sie hat mir eine Karte geschrieben, auf der stand, dass es für sie einer der schönsten Wettkämpfe überhaupt war", berichtet Grit Reimann. Auch in den kommenden Jahren wird die promovierte Psychologin, die auch schon die Nationalmannschaft der deutschen Wasserspringer betreut hat, weiter mit Christina Schwanitz zusammenarbeiten.

Während ihre Hilfe bei der Kugelstoßerin aber sehr langfristig angelegt ist, gibt es auch immer mal wieder kurzfristige "Feuerwehreinsätze". So kam vergangenen Sommer die 15-jährige Dresdner Turnerin Marlene Bindig zu ihr, weil sie drei Tage vor den deutschen Meisterschaften im niedersächsischen Buchholz ziemlich aufgeregt war.

"Im Vorjahr hatte sie überraschend den deutschen Meistertitel am Boden gewonnen und wollte zumindest gern wieder ins Finale kommen", erinnert sich Grit Reimann. Schwer sei für Marlene Bindig besonders der Erwartungsdruck und ihr eigener Anspruch gewesen. "In einer sehr intensiven Sitzung haben wir mit Hilfe der sogenannten Wing-Wave-Methode unterbewusste Blockaden gelöst und ihre eigenen Ressourcen aktiviert."

Wichtig sei in dieser Situation, dass der Sportler nicht nur zu sich sagt: 'Ich kann es', sondern dass er wirklich daran glaubt, erklärt die Psychologin. Beim Wing-Wave-Training werde dies erreicht, indem man beispielsweise in der Vergangenheit nach erfolgreichen Momenten suche. "Das kann ein Erfolg im Sport sein, aber auch die Erinnerung eine gute Mathearbeit, kann dem Athleten helfen. In der Sitzung verknüpfen wir dieses positive Gefühl mit der zukünftigen Situation", so Reimann.

Deutsche Meisterin ist Marlene Bindig zwar dennoch nicht geworden, aber ihr Ziel hat sie erreicht. Erneut kam sie ins Bodenfinale und darüber hinaus sogar ins Balkenfinale. Am Boden wusste die bezaubernde Dresdnerin zu überzeugen und wurde am Ende deutsche Vizemeisterin.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2013

Stephan Hönigschmid

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