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Deutscher Meistertitel im Dreisprung löst bei Raúl Spank wenig Freude aus

Deutscher Meistertitel im Dreisprung löst bei Raúl Spank wenig Freude aus

"Das war nur ein Abfallprodukt." - "Das waren Selbstbefriedigung und Frustabbau." - "Für den Dreisprung empfinde ich keine Liebe." - "Die Weite war eines deutschen Meisters nicht würdig.

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Mit seiner Hochsprung-Leistung haderte Raúl Spank heftig. Im Dreisprung hatte er dann einen richtig erfolgreichen Versuch.

Quelle: dpa

" Krasse Worte eines Athleten, der gerade die Goldmedaille errungen hatte und sich über seinen ersten deutschen Meistertitel im Dreisprung hätte freuen können. Doch Raúl Spank ärgerte sich tierisch über einen Wettkampftag, an dem er innerhalb von drei Stunden erst den Hochsprung mit nur 2,15 m in den Sand setzte und dann im Dreisprung wenigstens einen von sechs Versuchen auf den Punkt brachte.

Er habe sich nach dem Einspringen ("Da hatte ich noch Wut im Bauch.") langsam und platt gefühlt, dann aber irgendwie noch gezaubert. Seine 16,29 m reichten zu Gold und immerhin huschte nach dem zehnten Nachfragen dann doch ein Lächeln über das Gesicht des Dresdners, der seit zwei Jahren in Berlin lebt: "Die Goldmedaille hat das Wochenende schon ein wenig gerettet. Immerhin schließt sich ein Kreis, denn im gleichen Stadion habe ich vor sieben Jahren das erste Mal den Hochsprung gewonnen." Damals war Spank 20 Jahre alt. Neben dem Ehrgeiz zeichnete ihn jene Unbeschwertheit aus, die man für große Höhen braucht. Und jetzt stand er im Frankenstadion und stellte fest: "Ich bin zwar deutscher Meister im Dreisprung, aber im Kerngeschäft hapert es."

Den Dreisprung absolviere er nur, "weil ich es kann". Die dafür notwendige Power sei nicht seine Welt: "Ich mag es filigran, ich liebe es, schön zu springen. Bei den 2,19 m war ich mir heute sicher, dass ich zehn Zentimeter drüber fliege. Doch dann will ich abspringen und habe das Gefühl, 200 Kilo zu wiegen. Das ist schon traurig."

Im Training sei es gut gelaufen. Die Inhalte von Coach Rainer Pottel hätten Hand und Fuß. "Ich bin im Training 2,15 Meter gesprungen. Das bedeutete bei mir früher, dass es im Wettkampf mindesten 2,25 werden. 2011, als ich reihenweise 2,30 gesprungen bin, war ich nicht besser. Ich habe alles für diese Höhen, außer das Selbstvertrauen."

Hinterher sprach der WM-Dritte von 2009 lange mit Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen. Dabei ging es auch um das Thema Rücktritt. Die 57-Jährige hofft, dass er nicht voreilig hinwirft: "Vielleicht sollte er den Fokus wegnehmen und den Umweg über den Dreisprung nehmen. Die Leipzigerin Cindy Roleder ist das beste Beispiel. Seit sie Mehrkampf trainiert, geht es im Hürdensprint bergauf."

Da Spank sein Studium der Energietechnik beendet hat, legte die Bundestrainerin auch auf die Feststellung wert: "Der Berufseinstieg muss ja nicht das Karriere-Ende bedeuten." 27 sei kein Alter zum Aufhören, Eike Onnen sei fast 33, habe ähnliche Tiefs durchgestanden. Aber Routine gehe eben oft nicht mit größerer Leichtigkeit einher. Fast schon flehend meinte Brigitte Kurschilgen: "Raúl liebt seine Leichtathletik, so kann er doch nicht aufhören."

Parallelen drängen sich auf zu Georg Fleischhauer, der nach Frankfurt gewechselt ist und seinen Top-Leistungen von 2011 ebenso hinterherläuft. Gestern wirkte der Ex-Dresdner über 400 m Hürden auf der Zielgeraden fest, lief mit einer 50-er Zeit als Zweiter ins Ziel und wurde zu allem Überfluss disqualifiziert. "Ich frage mich manchmal, was ich früher anders gemacht habe, als ich locker unter 50 gelaufen bin. Auf jeden Fall habe ich weniger nachgedacht, aber ohne Erfolgserlebnis kommt man da nicht raus", so der 26-Jährige.

Auch er beschäftigte sich vor einem Jahr noch mit Rücktrittsgedanken: "Doch dann sagte ich mir: Auf der Bahn zu stehen ist genau das, was ich machen will."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.07.2015

Frank Schober

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