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Der sächsischen Sportförderung droht der Rotstift

Sinkende Zuschüsse aus dem sächsischen Haushalt 2017/18 Der sächsischen Sportförderung droht der Rotstift

Ulrich Franzen macht sich Sorgen. Der Präsident des Landessportbundes Sachsen (LSB) fürchtet, dass der Sport im Freistaat in den nächsten Jahren an Schlagkraft einbüßen könnte. Während die Haushaltsberatungen im sächsischen Kabinett laufen, geht der Dresdner in die Offensive.

Da es hierzulande nur ganz wenige Großsponsoren aus der freien Wirtschaft gebe, seien diese Gelder vom Land unverzichtbar, um den sächsischen Sport am Laufen zu halten.

Quelle: dpa

Dresden. Ulrich Franzen macht sich Sorgen. Der Präsident des Landessportbundes Sachsen (LSB) fürchtet, dass der Sport im Freistaat in den nächsten Jahren an Schlagkraft einbüßen könnte. Während die Haushaltsberatungen im sächsischen Kabinett laufen, geht der Dresdner in die Offensive, denn er will verhindern, dass die Zuschüsse des Landes künftig geringer ausfallen und Leistungs- wie Breitensport Federn lassen müssen. „Uns ist bewusst, dass die Flüchtlingsproblematik, der Personalbedarf bei Polizei und Lehrern und die Wirtschaftsförderung im Zentrum der Haushaltsgespräche stehen. Ich bin aber sehr in Sorge, dass es eine Abkehr vom zuletzt erfolgreich eingeschlagenen Weg der Sportförderung geben könnte“, betonte Franzen bei einem Besuch der DNN-Redaktion.

Stolz verweist der LSB-Chef darauf, dass die Dachorganisation des sächsischen Sports ein stetiges Mitgliederwachstum verzeichnet – entgegen der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung. Die größte Bürgerorganisation im Freistaat hat derzeit 641 293 Mitglieder in 4486 Vereinen. Seit 2015 hat der LSB 17 811 Mitglieder dazugewonnen, in den letzten zehn Jahren stieg ihre Zahl gar um 110 669. Doch während nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern verstärkt auch Senioren in die Vereine streben, wird es für diese immer schwerer, dem Ansturm Herr zu werden. „Es wollen zwar immer mehr Leute in den Vereinen Sport treiben, aber die finden immer weniger Leute, die sie dort ehrenamtlich betreuen wollen“, weiß auch LSB-Geschäftsführer Christian Dahms. Die Zahl der Abteilungsleiter geht seit 2011 langsam, aber stetig zurück, auch die Zahl der Vereine sank in den letzten zwei Jahren sachsenweit um 47.

Wachsender Bedarf durch Mitgliederzuwachs

Dahms, der vom Leipziger Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) zum LSB kam, bedauert, dass sich in Sachsen zunehmend ein Mangel an qualifiziertem Fachpersonal – sprich an gut ausgebildeten Trainern – bemerkbar macht. Zwar würden nach wie vor viele Trainer in Sachsen ausgebildet, doch sie hier zu halten, werde immer schwerer, da es an ausreichender Finanzierung von Jobs fehle.

Franzen erinnerte daran: „Der stellvertretende Ministerpräsident Dulig hat vor ein paar Wochen zu Recht darauf hingewiesen, dass sich sächsisches Fachpersonal inzwischen aussuchen kann, ob es anderswo zu besseren Bedingungen ein Angebot annimmt. Das gilt gleichermaßen für qualifiziertes Sportpersonal, bei dem die Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren nicht mit der allgemeinen Entwicklung Schritt halten konnte.“ Diese Fachkräfte seien aber essentiell, wenn man gerade im Leistungssport auch künftig erfolgreich sein wolle.

Um den negativen Trend zumindest zu stoppen, Sachsen in olympischen Sportarten wie Leichtathletik, Rudern, Radsport, Wasserspringen, Bobfahren oder im nordischen Skisport weiter an der internationalen Spitze zu halten, hofft der LSB auf 50 Millionen Euro aus dem Doppelhaushalt für 2017/18. Rund 27 Millionen davon sollen investive Mittel sein, um dem wachsenden Bedarf an Sportstätten durch den Mitgliederzuwachs gerecht zu werden. Die konsumtiven Mittel in Höhe von 20,5 Millionen sind für die Anpassung von Trainergehältern, Sach- und Personalausgaben bei den Dachverbänden vorgesehen.

Da es hierzulande nur ganz wenige Großsponsoren aus der freien Wirtschaft gebe, seien diese Gelder vom Land unverzichtbar, um den sächsischen Sport am Laufen zu halten. Das Innenministerium sehe die geforderte Summe nicht als überzogen an, glaubt LSB-Präsident Franzen, das Finanzministerium hingegen stehe dem Ansinnen skeptisch gegenüber. Dort müsse noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Jochen Leimert

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