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Der erste Ossi, der das Championat gewann

Jockey Der erste Ossi, der das Championat gewann

Dramatischer hätte der Kampf um das deutsche Jockey-Championat nicht zu Ende gehen können. Auf der Neusser Rennbahn lieferten sich am Dienstagabend der gebürtige Dresdner Alexander Pietsch und sein Rivale Andrasch Starke einen finalen Schlagabtausch im Sattel.

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Alexander Pietsch (hier auf Global Gentl beim Renntag am 18. November in Dresden) hatte ein tolles Jahr und gewann erstmals das Championat.

Quelle: imago sportfotodienst

Dresden. Am Ende durften beide jubeln. Mit jeweils 86 Jahressiegen teilen sich zwei Jockeys den Titel als Champion. Das gab es noch nie. Während es für den 41-jährigen Starke, der aus Stade bei Hamburg stammt, seit 1998 bereits der achte Erfolg ist, feiert der zwei Jahre ältere Alexander Pietsch seinen ersten Triumph. Zudem kann sich der in Köln lebende Sachse auf die Fahne schreiben, als erster Jockey aus dem Osten Deutschlands nach der Wende das Championat gewonnen zu haben.

Das Szenario hätte aus einem Hitchcock-Krimi stammen können. Vor dem letzten Renntag in Neuss führte Alex Pietsch die Rangliste mit 85 Treffern vor Andrasch Starke, der es auf 84 brachte. Schon im ersten Rennen zog der Norddeutsche gleich. Der Dresdner war geknickt. Doch im fünften Rennen ging er mit einem Sieg auf Vabinsaru aus dem Stall von Christian Freiherr von der Recke wieder in Front. Aber eine halbe Stunde später gelang Andrasch Starke nach einem engen Rennen auf Beagle Boy erneut der Gleichstand. "Das war selbst für mich neu. Bei meinen anderen Championaten hatte ich immer schon im September 20 oder 30 Punkte Vorsprung. So eng, knifflig und spannend wie dieses Mal, das kannte ich nicht. Doch ich muss gestehen, dass mich das Unentschieden ganz besonders freut. Das Finale war so eng und spannend, es hätte keinen Verlierer geben dürfen. Und es freut mich wirklich für Alex, der ließ doch schon den Kopf hängen bis zum fünften Rennen und dem Sieg mit Vabinsaru", meinte Routinier Starke gegenüber dem Portal "galopponline" mitfühlend. Er fügte noch hinzu: "Alex ist ab Januar bis zum letzten Tag durchgeritten, er hat das Championat einfach verdient."

Tatsächlich krönt Pietsch damit seine bisherige Laufbahn, die einst in Dresden-Seidnitz begann, wo er bei seinem Vater Peter Pietsch, der als Trainer arbeitete, im Stall groß wurde. Seine Lehre absolvierte er von 1989 bis 1991 bei Egon Czaplewski und Werner Bauermeister in Berlin. Im Jahr 1993 und von 1995 bis 1997 arbeitete der Reiter als Stall-Jockey bei seinem Vater, sammelte anschließend viele Erfahrungen bei zahlreichen Top-Trainern in ganz Deutschland, darunter bei Andreas Wöhler und Pavel Vovcenko in Bremen, Hans Blume in Köln, Christian Freiherr von der Recke in Weilerswist und von 2009 bis November dieses Jahres in Köln bei Waldemar Hickst, für den er allein fünf Gruppe- und 15 Listenrennen gewann. Seit 1. Dezember ist er neuer Stalljockey am Mülheimer Diana-Stall von Trainer Jens Hirschberger. Noch einmal eine neue Herausforderung für den erfahrenen Reiter, der in seiner Karriere auch so manche Durststrecke überstehen und Verletzungspause hinnehmen musste. Immer aber kämpfte er sich zurück. Seit 2007, als er am Ende des Jahres Zehnter war, gehörte er in jeder Saison zu den Top-Ten in Deutschland, war 2011 und 2013 schon zweimal Vize-Champion. Mit 86 Jahreserfolgen hat er eine persönliche Bestmarke aufgestellt, dazu kamen 2015 noch zehn Siege im Ausland. Insgesamt hat Pietsch 929 Siege auf seinem Konto, könnte also im neuen Jahr die magische 1000-er Marke knacken.

Die Anspannung nach dem aufreibenden Finale war auch gestern noch nicht ganz von ihm abgefallen. "Wenn nach rund 2000 Rennen im Jahr ausgerechnet in den letzten beiden möglichen Prüfungen die Entscheidung fällt, das ist schon heftig. Für die Zuschauer war es natürlich toll, aber für mich und Andrasch war es schon sehr aufregend. Wenn du einen Fehler machst, den Stock einmal falsch einsetzt, zu spät abspringst, dann ist alles vorbei", gestand Pietsch, der zugibt: "Ich werde auch nicht jünger. Die Plagerei mit dem Gewicht kommt dazu, ich bin unglaublich froh, dass ich den Titel jetzt gepackt habe und diesem Ziel nicht weiter hinterherjagen muss", erklärt der frischgebackene Champion, der schon zu Beginn des Jahres sein Ziel, endlich einmal den Titel zu holen, klar formuliert hatte. Jetzt ist es geschafft und nun freut sich Alex Pietsch gemeinsam mit Lebensgefährtin Caroline Fuchs, die zwischen 2008 und 2010 ebenfalls Rennen bestritt, auf einen ausgedehnten Urlaub: "Jetzt reite ich noch einmal am 2. Januar beim Dortmunder Saisonauftakt und dann geht's bis Anfang Februar für vier Wochen in die Ferien. Ich bin jetzt anderthalb Jahre durchgeritten, hatte dieses Jahr über 600 Einsätze. Deshalb bin ich froh über eine Pause."

Astrid Hofmann

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