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Der Dresdner Tom Liebscher feiert im K4 ein goldenes Happy End

Olympia in Rio Der Dresdner Tom Liebscher feiert im K4 ein goldenes Happy End

Zwei Tage nach der großen Enttäuschung im Zweier (Platz fünf) hat sich der Dresdner Rennkanute Tom Liebscher mit dem souveränen Triumph im Viererkajak den Traum vom Olympiagold erfüllt. Danach sprach der 23-Jährige im DNN-Interview über seine Gefühle und seine Rolle als Kommando-Geber des Gold-Bootes.

Tom Liebscher (2.v.l.) ist am Ziel seiner Träume: Er und seine Teamkollegen sind Olympiasieger im K4.

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Zwei Tage nach der großen Enttäuschung im Zweier (Platz fünf) hat sich der Dresdner Rennkanute Tom Liebscher mit dem souveränen Triumph im Viererkajak den Traum vom Olympiagold erfüllt. Danach sprach der 23-Jährige über seine Gefühle und seine Rolle als Kommando-Geber des Gold-Bootes.

Am Donnerstag wirkten Sie am Boden zerstört, nun überglücklich. Was geht in Ihnen vor?

Emotional war es heute die andere Richtung. Man merkt, wie jetzt die Anspannung abfällt. Wir sind als Team zusammengewachsen und haben uns komplett belohnt. Zwei Disziplinen sind für uns nicht so gut verlaufen, aber das haben wir sehr gut weggesteckt. Es hat einfach Spaß gemacht, wir sind uns nie auf den Sack gegangen.

Wie lang kamen Ihnen als Sprinter die 1000 Meter vor?

Sie sind unheimlich lang, das war eine Überwindung für mich, aber ich habe gesagt: Ich haue jeden Schlag voll rein und gebe das Kommando so gut wie ich es kann. Als Kommando-Geber bin ich der einzige, der offiziell gucken darf, wo wir liegen. Beim letzten Kommando 210 Meter vor Schluss habe ich alles gegeben: Denn je lauter du brüllst, desto heftiger wird Gas gegeben. Die Jungs an Position drei und vier sind die ganze Zeit am Ackern und haben das meiste Wasser im Gesicht. Deshalb hatte ich an Position zwei die Ehre, die Kommandos zu geben. Das letzte war natürlich das geilste.

Wann hatten Sie die verpasste Medaille im Zweier abgehakt?

Erst heute morgen um 9.10 Uhr, als Ronny (Rauhe) seine Medaille geholt hat. Es war phänomenal, was ich die letzten drei Jahre mit ihm erleben durfte. Ich wusste um seine Qualität im Einer, die hat er er selber bisschen runtergespielt. Im Training hat er mich im Einer immer versägt. Ronny hat auch mir als Erster gratuliert. Eigentlich wollte er uns ein alkoholisches Getränk hinstellen, das hat er zum Glück nicht gemacht, ich wäre umgefallen.

Ist er Ihr Vorbild?

Schon immer. Sein Plakat hing früher über meinem Bett. Seine Karriere ist einzigartig. 16 Jahre nach seiner ersten Medaille steht er wieder auf dem Treppchen. Er hat sich immer für die Mannschaft eingesetzt und auch in schweren Zeiten den jungen Leuten den Gegenwind weggenommen. Er ist menschlich und sportlich ein sehr großes Vorbild. Vielleicht bleibt er uns noch eine Weile erhalten, das muss er sehen.

Sie hatten London 2012 nur knapp verpasst. Wie schwer war es, noch vier Jahre auf Olympia zu warten?

Das ist jetzt scheiß egal, jetzt habe ich Gold. So sind die Spiele, so ist die Ausscheidung, das mussten wir dieses Jahr auch wieder durchmachen. Vielleicht hat mich 2012 dahin gebracht, wo ich jetzt bin, denn aus Niederlagen lernt man im Sport oft mehr als aus Siegen.

Die Besetzung des Vierers war etwas aus der Not geboren?

Die Konzentration galt zunächst den kleineren Booten. Aber wir wussten, der Vierer ist eine Waffe. Wir hatten es im November im Trainingslager schon einmal zusammen versucht und hatten gleich ein gutes Gefühl. Entweder es fluppt oder es fluppt nicht. Heute haben wir unserem Bundestrainer Rainer Kießler im letzten Rennen vor seinem Renteneintritt ein tollen Abschied beschert. Interview: Frank Schober

Von Frank Schober

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