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Das Kapitel Bundesliga-Männervolleyball ist vorerst beendet - Lizenzentzug beim VC Dresden

Das Kapitel Bundesliga-Männervolleyball ist vorerst beendet - Lizenzentzug beim VC Dresden

Das „Wunder“ ist ausgeblieben. Gestern kam das Aus für die Erstliga-Volleyballer der Cloud&Heat Volley Dresden. Dem Tabellenschlusslicht wird mit sofortiger Wirkung die Lizenz entzogen.

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Dem Verein VC Dresden wurde vom Spielbetriebsvermarkter VBL am Dienstag die Lizenz entzogen.

Quelle: Christian Nitsche

Damit ist das „Projekt Männer-Volleyball“ in Dresden nach zweieinhalb Spielzeiten gestorben. Wie nach den Ereignissen der letzten Tage zu befürchten war, hat der Vorstand der Volleyball-Bundesliga (VBL) gestern dem Lizenznehmer VC Dresden die Spielberechtigung für diese Saison entzogen.

Gemäß den Statuten muss der Verein jetzt eine Geldstrafe in Höhe von 32 000 Euro zahlen. Dazu kommen weitere 3000 Euro Strafe für das Nichtantreten der Mannschaft am letzten Sonnabend in Düren. Alle bisherigen Ergebnisse werden annulliert, und die CH-Männer stehen als Absteiger fest. Das für morgen angesetzte Viertelfinale im DVV-Pokal gegen Lüneburg findet nicht mehr statt. In den kommenden drei Jahren bekommt der VC Dresden keine Lizenz für die 1. Bundesliga. Da der Verein allerdings die Hinrunde abgeschlossen hat, kann er in der folgenden Spielzeit eine Lizenz für die 2. Bundesliga beantragen. Klaus Peter Jung, Geschäftsführer der VBL erklärte dazu: „Im Sinne der Spieler, des Trainers und vieler unermüdlicher Helfer hatten wir gehofft, dass der Vorstand keinen Lizenzentzug aussprechen muss. Die Ordnungen und der Anspruch an einen professionellen Bundesligaspielbetrieb lassen aber keine andere Entscheidung zu. Die Mitteilung des VC Dresden an die Volleyball Bundesliga am gestrigen frühen Morgen hat dies schließlich untermauert.“

Hintergrund dieser traurigen Entwicklung sind nicht etwa objektive Faktoren wie zum Beispiel die Pleite von Sponsoren, sondern Streitigkeiten zwischen dem Stammverein VC Dresden, unter dessen Dach die Männer um den damaligen Spielertrainer Sven Dörendahl 2012 den Aufstieg ins Oberhaus geschafft hatten, und der Spielbetriebs GmbH um die beiden Geschäftsführer Matthias Broda und Jan Pretscheck. Auch Aufsichtsratschefin Barbara Lässig hatte sich auf Seiten der GmbH zuletzt mit einem „Offenen Brief“ an die VBL-Verantwortlichen vehement zu Wort gemeldet. Rein zufällig erinnert das Szenario an einstige Streitigkeiten zwischen den Dresdner Eislöwen und dem Stammverein ESCD – mit zum Teil den gleichen Protagonisten.

Grund für den Zwist beim Volleyball-Erstligisten war die Aushandlung eines neuen Lizenzüberlassungsvertrages für die kommende Spielzeit 2015/16. Der Zwist eskalierte in den letzten Wochen, und als Broda am 15. November von seinem Posten zurücktrat, machte er den Weg für einige Sponsoren – die ihr Engagement an die beiden Geschäftsführer gekoppelt hatten – frei, um ihre Verträge außerordentlich zu kündigen. Fünf der wichtigsten Unternehmen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt langfristige Planungssicherheit haben wollten, machten davon Gebrauch. Damit konnten die Gehälter schon für November an Trainer und Spieler nicht mehr gezahlt werden. Die GmbH war nicht mehr liquide. Das alles gipfelte am Donnerstag darin, dass Pretscheck für die GmbH einen Insolvenzantrag stellte. Dieser hätte allerdings binnen einer Woche auch zurückgenommen werden können. Doch das hat sich jetzt mit dem Lizenzentzug erledigt.

Selbst das Nichtantreten der Mannschaft zum Punktspiel am Sonnabend in Düren hatte noch nicht automatisch zum Aus der CH-Männer geführt. Aber der Verein sollte bis Montag um 24 Uhr gemeinsam mit der GmbH ein schlüssiges Konzept für die weitere Absicherung der Saison vorlegen. Doch trotz eines Gesprächs zwischen dem Hauptgesellschafter der GmbH und dem Verein, das von einem Mediator moderiert und geführt wurde, gab es keine Einigung.

VC-Vorsitzender Jens Drummer erklärte gegenüber den DNN: „Wir haben dort viele Punkte ausgelotet, sind uns auch beiderseits entgegengekommen. Aber leider gab es von der GmbH bis 24 Uhr kein Signal, dass das Konzept finanziell abgesichert ist. Dass wir als Verein allein ein Konzept auf die Beine stellen, hatte die VBL von vornherein ausgeschlossen und wir hätten das natürlich in der Kürze der Zeit auch nicht gekonnt, zumal wir seit längerer Zeit keine Einsicht in die Bücher hatten. Wir bedauern es sehr, dass es so weit gekommen ist.“ Gescheitert sei das Ganze am Ende daran, dass der Namenssponsor nicht mehr ins Boot zurückkehren wollte. Wie der VC Dresden jetzt die insgesamt 35 000 Euro an Strafzahlungen stemmt, war gestern noch unklar. „Da müssen wir mit der VBL Lösungen finden. Auf jeden Fall darf unser Nachwuchs daran nicht kaputtgehen“, so Drummer.

Leidtragende sind auf jeden Fall die Spieler und Trainer Zoran Nikolic. Der Serbe zeigte sich gestern maßlos enttäuscht: „Das habe ich in den 22 Jahren meiner Trainertätigkeit noch nicht erlebt. Dieser Zwist hat den Männer-Volleyball in Dresden tot gemacht. Dabei gibt es keine Gewinner, nur Verlierer. Es ging leider nicht mehr um Volleyball, sondern um persönliche Befindlichkeiten. Uns trifft es jetzt am meisten, wir stehen auf der Straße. Dabei haben wir schon die November-Gehälter nicht bekommen. Vom Lizenzentzug habe ich aus dem Internet erfahren“, ist der 50-Jährige empört. Geschäftsführer Pretscheck war trotz wiederholter Versuche, ihn ans Telefon zu bekommen, nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Astrid Hofmann

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