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Das Idol Ralf Minge soll Dynamo retten

Das Idol Ralf Minge soll Dynamo retten

Wenn es bei Dynamo brennt, dann ist Ralf Minge (52) nicht weit. Das schwarz-gelbe Urgestein hat schon mehrfach Verantwortung übernommen, wenn sein Verein in der Krise steckte: als Trainer, Co-Trainer, Nachwuchscoach oder Geschäftsführer.

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Den Blick auf das Spielfeld im Glücksgas-Stadion kennt Ralf Minge nicht nur von der Tribüne. Im November 2010 coachte er in Dresden die deutsche U19 beim Länderspiel gegen Tschechien.

Quelle: soccerfoto.de

Schon zweimal (April bis Juni 1993 und von Februar bis Juni 1995) half der gebürtige Elsterwerdaer in der Bundesliga als Interimscoach aus, jetzt soll er im Abstiegskampf erneut als Feuerwehrmann einspringen. Gebraucht wird der 36-fache DDR-Auswahlspieler aber nicht nur als Nothelfer, dem Idol traut man auch am ehesten zu, auf lange Sicht eine schlagkräftige Mannschaft formen zu können.

Dass Minge nun als erster Anwärter auf den von Peter Pacult am 18. August unfreiwillig geräumten Trainerstuhl gilt, sickerte gestern Nachmittag durch. Obwohl mit Ralph Hasenhüttl (zuletzt Aalen), Kosta Runjaic (zuletzt Duisburg), Stephan Schmidt (zuletzt Paderborn) und vor allem Olaf Janßen (Co-Trainer Aserbaidschan) andere Namen gehandelt wurden, einigten sich Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Sportliche Leitung am Montagabend im Rahmen einer großen Gremiensitzung auf den U23-Trainer von Bayer Leverkusen.

Nach DNN-Informationen soll sich ausgerechnet der Aufsichtsrat für Minge stark gemacht und ihn ins Spiel gebracht haben. Dem neunköpfigen Kontrollgremium mit Thomas Bohn an der Spitze hätten das nur wenige zugetraut, hatte der Aufsichtsrat den früheren Geschäftsführer Sport (2007-2009) doch erst Ende 2011 mit einem Mahnbescheid über 270 000 Euro brüskiert. Minge und seinen ehemaligen Geschäftsführerkollegen Bernd Maas und Markus Hendel wurde damals Verschwendung vorgeworfen, weil sie der Mannschaft für die Qualifikation zur neuen 3. Liga eine Aufstiegsprämie zugesichert und auch ausbezahlt hatten. Weil Kritiker im Verein bestritten, dass eine Aufstiegsprämie gerechtfertigt gewesen sei - der Verein sei ja drittklassig geblieben -, schickte der Aufsichtsrat kurz vor Verjährung möglicher Ansprüche hektisch und ohne vorher das Gespräch zu suchen den Mahnbescheid an Minge, Maas und Hendel raus. Das Trio fiel aus allen Wolken, denn die Zahlungen waren rechtlich einwandfrei und konnten auch nach erneuter rechtlicher Prüfung nicht beanstandet werden. Bohn musste sich im Namen des Rates auf der Mitgliederversammlung im Herbst 2012 öffentlich für das Manöver entschuldigen. "Das war ein Riesenfehler", so Bohn damals.

Ausgerechnet er und der Großteil seiner Mitstreiter sollen nun wieder voll auf Minge setzen. Geschäftsführer Christian Müller und Sportchef Steffen Menze hatten wohl andere Pläne, konnten sich dem nahezu einstimmigen Votum des Aufsichtsrates aber nicht widersetzen. Beide sollen letztlich eingewilligt haben, mit Minge Verhandlungen aufzunehmen. Der hatte sich höchste Diskretion erbeten, um bei seinem Noch-Arbeitgeber in Leverkusen die Freigabe zu erwirken. Ob die Chefetage der Werkself dem Wechsel schon zugestimmt hat, war bis gestern Abend allerdings offen. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zeigte sich gegenüber dem Sportinformationsdienst am Nachmittag noch überrascht von der Offerte für Minge: "Ich weiß davon nichts. Hätte er ein Angebot, wäre er sicher auf uns zugekommen. Das ist bisher nicht passiert."

Minge soll derweil am Nachmittag schon mit Dynamo-Verantwortlichen über Konzepte und Vetragsdetails gesprochen haben. Pressesprecher Henry Buschmann hatte für den späten Nachmittag bereits eine Presseerklärung angekündigt, doch den erhofften Vollzug der sensationellen Trainerverpflichtung konnte er dann nicht mehr vermelden. Für heute wird aber mit einer Pressekonferenz gerechnet.

Im Verein kam die Nachricht, dass Minge Pacult beerben soll, bestens an. "Ich finde das gut. Endlich haben wir mal einen aus den eigenen Reihen", freute sich Hans-Jürgen Dörner, der noch als Spieler mit Minge zweimal den FDGB-Pokal gewann. Präsident Andreas Ritter war begeistert: "Ralf Minge ist auch mein Wunschkandidat. Er ist ein Fachmann, charakterlich top und hat als Trainer bewiesen, dass er besonders gut mit jungen Spielern umgehen kann. Zudem besitzt er viele Kontakte." Erfahrung im Profibereich sammelte Minge nicht nur als Co- und Cheftrainer bei Dynamo, sondern auch als Cheftrainer in Aue und Co-Trainer bei Fortuna Köln und Bayer Leverkusen. Bei Bayer betreute er u.a. auch die U21, später war er Co-Trainer von Klaus Toppmöller in Georgien, 2010-11 dann Nachwuchscoach beim DFB.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2013

Jochen Leimert

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