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DSC-Wasserspringer Martin Wolfram kämpft sich Schritt für Schritt zurück in die Weltspitze

DSC-Wasserspringer Martin Wolfram kämpft sich Schritt für Schritt zurück in die Weltspitze

Vor zwei Wochen bei der Dresdner Springer-Gala bot Martin Wolfram nach langer Leidenszeit erstmals wieder Sprünge von der Zehnmeterplattform. Morgen gibt der 22-jährige Wasserspringer bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Berlin sein offizielles Wettkampf-Comeback vom Turm.

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Bei der Dresdner Springer-Gala sprang Martin Wolfram Ende November erstmals nach langer Pause wieder vor Publikum vom Zehnmeterturm.

Quelle: M. Rietschel

Im Gespräch mit den DNN erklärt der DSC-Athlet, wie schwer die vergangenen Monate für ihn waren, warum er das Wort "Geduld" hasst und wie hart sein Weg zurück in die Weltspitze noch wird.

Frage: Sie springen heute zuerst vom Dreimeterbrett, morgen vom Turm. Sind Sie aufgeregt?

M. Wolfram: Ich konnte zwei Jahre lang keine Sprünge vom Zehnmeterturm absolvieren, die letzten habe ich bei den Olympischen Spielen in London gemacht. Danach hatte ich zwei Schulter-Operationen. Da bin ich natürlich jetzt ein wenig aufgeregt und das Kribbeln steigt sicher unmittelbar vor dem Wettkampf. Vom Dreimeterbrett fühle ich mich schon relativ sicher. Allerdings fehlt mir komplett der Wettkampf-Rhythmus. Den wieder zu finden, wird das Schwierigste sein.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich habe keinerlei Leistungsdruck, sondern bin froh, dass ich überhaupt wieder springen kann. Wichtig ist, dass ich heil runterkomme und mich an diesen Wettkampf-Rhythmus wieder gewöhne. Die Schulter ist in einem Top-Zustand. Dennoch werde ich vom Zehnmeterturm nur den Handstand-Doppelsalto mit zweieinhalb Schrauben machen, alle anderen Sprünge vom Fünf- oder Siebenmeterturm absolvieren.

Erzählen Sie noch einmal kurz, wie es zu dieser langen Leidenszeit kam.

Bei den Olympischen Spielen in London hatte ich mich im Finale am 11. August an der rechten Schulter schwer verletzt, wurde eine Woche danach operiert. Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis ich wieder ins Wasser konnte. Deshalb habe ich 2013 als Übergangslösung nur Wettkämpfe vom Brett bestritten, sich auf den Turm zu wagen, wäre zu früh gewesen. Natürlich war ich glücklich, dass es bei der EM mit der Silbermedaille vom Einmeterbrett so gut gelaufen ist, auch mit Platz acht bei der WM war ich zufrieden. Danach fing ich dann an, langsam wieder höher zu trainieren. Doch im Oktober 2013 begann die linke Schulter zu schmerzen, und ich musste mich im November erneut einer Operation unterziehen.

Das ist jetzt ein Jahr her. Wie ist es Ihnen seither ergangen und warum haben Sie diesmal keine Wettkämpfe im Sommer bestritten?

Es hat rund vier Monate gedauert, bis ich in der Reha so weit war, nur vom Beckenrand ins Wasser zu springen. Mein Trainer Boris Rozenberg hat von Anfang an die klare Richtung ausgegeben, dass die Rückkehr auf den Turm absolute Priorität hat. Ich sollte mich nicht mit Sprüngen vom Brett verzetteln, zumal das Einmeterbrett keine olympische Disziplin ist.

Wie haben Sie die Zeit überbrückt?

Um die Zeit optimal zu nutzen, habe ich im Juni und Juli den ohnehin notwendigen Bundeswehrlehrgang absolviert. Ich saß als Zuschauer bei der EM auf der Tribüne in Berlin, habe mich auf außerdem auch auf meine Aufgaben als Aktivensprecher der Wasserspringer konzentriert und ich bin in Dresden als Übungsleiter bei den Kleinen eingesprungen, wo gerade Not am Mann war. Und ich habe natürlich intensiv in der Reha gearbeitet, dabei versucht, mit gezielten Übungen die Schulter zu stabilisieren. Sehr geholfen hat mir dabei ein spezielles Training an den Ringen, das Turntrainer Volker Parsch mit mir durchführt. Die Sprungbewegungen habe ich mir vor allem über das Brett wieder angeeignet.

Wie mühsam ist dieser Weg zurück bisher gewesen?

Schon sehr mühsam. Ich hatte gehofft, dass alles etwas schneller geht. Manche Dinge muss man fast wieder neu erlernen. Die technischen Feinheiten, die mein Trainer von mir sehen will, die fallen mir noch schwer und die Schnelligkeit in den Armen fehlt noch. Man braucht schon sehr viel Durchhaltevermögen. Das am meisten strapazierte, aber von mir gehasste Wort in dieser Zeit war und ist GEDULD. Manchmal war das schon grenzwertig und ich hatte Angst, ob ich es je wieder in die Weltspitze schaffe. Es wird auf keinen Fall leicht, wieder an die Leistungen von 2012 anzuknüpfen.

Wer hat Ihnen besonders geholfen in dieser Zeit?

Die Familie, Trainer oder auch Sascha Klein, der eine Frohnatur ist und positive Energie ausstrahlt. Und auch meine Freundin Tina Leuchte hat mir den Rücken gestärkt. Da sie selbst Springerin ist, muss ich ihr nichts erklären, sie versteht mich sehr gut.

Welche Ziele haben Sie für die nächsten Wochen und Monate?

Ich möchte bei der Deutschen Meisterschaft im Februar mindestens wieder die Hälfte meines Programms springen, vielleicht auch schon mehr. Die großen Ziele sind im Sommer die EM im Juni in Rostock und die WM im August in Kasan. Dabei geht es schon um die Quotenplätze für Olympia.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.12.2014

A. Hofmann

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