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DSC-Volleyballerin Myrthe Schoot: „Ich könnte jetzt beruhigt sterben“

Interview DSC-Volleyballerin Myrthe Schoot: „Ich könnte jetzt beruhigt sterben“

Myrthe Schoot ist zurück in ihrem „zweiten Wohnzimmer“. Gleich beginnt für die DSC-Libera in der Margon-Arena der Trainingsalltag. Im Kopf der 209-fachen niederländischen Nationalspielerin aber kreisen die Gedanken noch um Rio. In Brasilien erfüllte sich für die 28-Jährige ein Traum, ein anderer aber nicht.

Libera Myrthe Schoot vom Dresdner SC erreichte in Rio mit Platz vier das beste Ergebnis einer niederländischen Frauen-Volleyballmannschaft in der Olympia-Historie.

Quelle: imago

Dresden. Myrthe Schoot ist zurück in ihrem „zweiten Wohnzimmer“. Gleich beginnt für die DSC-Libera in der Margon-Arena der Trainingsalltag. Im Kopf der 209-fachen niederländischen Nationalspielerin aber kreisen die Gedanken noch um Rio. In Brasilien erfüllte sich für die 28-Jährige ein Traum, ein anderer aber nicht. Warum ihre Gefühle nach dem vierten Platz bei Olympia gespalten sind und warum sie dennoch jetzt in Ruhe sterben könnte, erzählt die attraktive Vollblut-Volleyballerin, die seit 2012 in Diensten des deutschen Meisters und Pokalsiegers steht, im Gespräch mit den DNN.

Frage: Wie haben Sie die drei Wochen seit der Rückkehr aus Rio verbracht?

Myrthe Schoot: In der ersten Woche hatten wir noch eine ganze Menge PR-Termine in Holland. Anschließend habe ich mit meinem Freund Urlaub auf Ibiza gemacht, wo ich wirklich ein wenig abschalten und relaxen konnte.

Sie hatten vor zwei Jahren ihren Traum von Olympia erzählt. Er handelte von einem schönen Tag in Rio 2016, an dem Sie mit Ihrer Mannschaft im olympischen Finale gegen Brasilien den letzten Ball zum 15:13 im fünften Satz abwehren und damit Gold gewinnen. Leider erfüllte sich dieser Traum nicht, mit Platz vier verfehlte Ihr Team eine Medaille knapp. Wie sehen Sie das Ergebnis mit etwas Abstand?

Dass aus meinem Traum nichts wurde, haben ja schon die Brasilianerinnen vermasselt (lacht), weil sie im Viertelfinale ausschieden. Ich kann immer noch nicht sagen, was ich spüre, ob ich froh oder enttäuscht bin. Auf der einen Seite können wir stolz sein, was wir erreicht haben. Es ist das beste Ergebnis einer holländischen Frauen-Nationalmannschaft bei Olympia. Allein der Weg nach Rio war unheimlich schwer, sich gegen so viele gute europäische Mannschaften durchzusetzen. Dann hatten wir eine hammerharte Gruppe. Da haben wir uns über das Erreichen des Halbfinales wirklich gefreut. Andererseits hadere ich auch, denn wir waren so nah dran. Wir hatten uns eine Medaille vorgenommen und wussten, wenn es top läuft, können wir jeden schlagen. Noch jetzt gehe ich in Gedanken manche Situation im Halbfinale gegen China durch und überlege, was wir hätten besser machen müssen. Alle vier Sätze gingen mit nur zwei Punkten Unterschied aus.

Dennoch ging aber ein Traum in Erfüllung?

Ja. Schon als Kind war mein Traum, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Das habe ich geschafft und könnte jetzt beruhigt sterben. Heißt natürlich nicht, dass ich das will (grinst). Es war einfach eine super Erfahrung. Schon beim ersten Einlaufen in die Halle hatte ich Gänsehaut.

Welche Eindrücke haben Sie sonst noch von diesen Spielen mitgenommen?

Es war natürlich sehr interessant, mit ganz vielen anderen Sportlern aus Holland, aber auch aus anderen Ländern zusammenzutreffen. So saß beim Essen mehrfach Tennisspieler Rafael Nadal neben uns. Er musste überall ganz viele Autogramme geben und sich für Fotos ablichten lassen. Auch Serena Williams trafen wir. Ein sehr spezielles Gefühl war es, wie wir als holländische Mannschaft mit Sportlern aus ganz vielen Disziplinen in Rio zusammengewachsen sind und uns gegenseitig unterstützt haben. So hat uns nach den Spielen auch ein Windsurfer, der Gold gewonnen hat, zu sich auf eine Insel in der Nordsee eingeladen. Leider war ich da aber schon im Urlaub. Wir hatten auch Karten für die Leichtathletik, für den Abend, als die 100 Meter der Männer auf dem Plan standen. Doch wir sind im olympischen Dorf geblieben, weil wir am nächsten Tag wieder Spiel hatten. Denn bei allem Trubel bei den Spielen darf man nicht den Fokus auf die eigene Leistung verlieren.

Wie haben Sie die Organisation erlebt?

Da waren sicher meine Erwartungen anders, wahrscheinlich zu hoch. Brasilien ist nicht das bestorganisierte Land, vieles wirkte unfertig und vor allem beim Essen war ich schon etwas negativ überrascht. Aber ich bin trotzdem nicht enttäuscht. Das brasilianische Lebensgefühl hat auch seinen Charme. Es geht alles ein wenig langsamer, aber dafür mit viel Freude und Liebe. Da hat sicher jeder Olympia-Ort etwas Besonderes. In vier Jahren in Tokio wird alles wieder ganz anders sein.

Apropos Tokio, wollen Sie in vier Jahren noch einmal Olympia erleben?

Wenn ich gesund und fit bleibe und wir uns als Mannschaft qualifizieren, wäre ich schon gern dabei.

Wie schwer fällt es Ihnen, sich jetzt wieder auf das Training und die Bundesliga zu konzentrieren?

Ich bin noch nie so früh ins Vereinstraining eingestiegen wie dieses Jahr. Es fiel mir schon schwer, jetzt wieder von zu Hause wegzugehen. Andererseits brauche ich auch wieder den Rhythmus in meinem Tagesablauf. Als ich den Plan unseres Athletiktrainers Mirko Theurer gesehen habe, wird es ganz schön hart. Aber ich bin jetzt auch gespannt und neugierig, wie es mit den neuen Mädels in unserer Mannschaft wird. Als ich zwischen den drei US-Amerikanerinnen stand, kam ich mir ziemlich klein vor (lacht). Ich persönlich will nebenbei wahrscheinlich ein Fernstudium in Psychologie aufnehmen. Man muss ja auch an die Zeit nach dem Sport denken.

Von ah

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