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DNN-Interview mit Dynamo Dresdens Stürmer Lynel Kitambala

DNN-Interview mit Dynamo Dresdens Stürmer Lynel Kitambala

Lynel Kitambala war bisher in Dresden nicht vom Glück verfolgt. Ausgeliehen vom AS Saint-Étienne verletzte er sich zwei Mal und musste pausieren.

Dresden.

Mit seinem Tor gegen Sandhausen hat sich der Franzose nun zurückgemeldet. Im Gespräch mit den DNN erzählt der 24-Jährige, warum er die Zunge rausstreckt, es keine Grüppchen in der Mannschaft gibt und seine Tochter Aaliyah heißt.

Frage: Herr Kitambala, nach ihrem Tor am Sonntag haben sie zum Sturmlauf in Richtung Bank angesetzt und die Zunge rausgestreckt. Hatte das eine besondere Bedeutung?

L. Kitambala: Der Treffer war ein kleiner Befreiungsschlag für mich. All die harte Arbeit der vergangenen Wochen hat sich gelohnt. In dem Moment haben sich meine Emotionen entladen. Das Zunge rauszustrecken hat keine besondere Bedeutung, es ist ein Reflex. Das mache ich auch, wenn ich mich sehr anstrenge, oder konzentriert am Ball bin. Oder wenn ich eine große Chance verpasst habe. Andere schreien oder raufen sich die Haare. Ich strecke eben die Zunge heraus.

Nach ihrem Innenbandanriss im rechten Knie mussten sie lange unter Fitnesscoach Christian Canestrini schuften. Neben ihnen trainierten die Kollegen am Ball. Wie bleibt man da motiviert?

Zunächst danke ich Christian sehr. Wir hatten in Saint-Étienne auch einen guten Fitness-coach, aber ich habe noch nie so zielgerichtet, hart und gut trainiert wie unter ihm. Er ist ein unglaublicher Motivator, dadurch hatte ich keine Probleme. Zudem habe ich versucht, die Wut darüber, dass ich nicht am Mannschaftstraining teilnehmen kann, in positive Energie für die Reha-Arbeit umzuwandeln. Das hat gut funktioniert. Im Spiel hat mir am Ende noch etwas die Puste gefehlt. Die Beine aber waren absolut fit.

Was stimmt die optimistisch, dass der Knoten nun geplatzt ist, Dynamo die Klasse hält?

Wir sind eine Mannschaft voller talentierter, guter Spieler. Wir haben viel Potenzial.

Das wird sehr oft erzählt. Wenn es so ist: Warum konnte die Mannschaft das bislang nicht auf den Platz bringen?

Wir haben in der Hinrunde einige unnötige Niederlagen kassiert, irgendwann nagt das am Selbstbewusstsein. Wir müssen uns jetzt einfach zu 100 Prozent konzentrieren, sowohl im Training in der Woche als auch über die 90 Spielminuten am Sonntag. Der mentale Aspekt ist enorm wichtig im Abstiegskampf. Wir sollten uns an die Niederlage auf St. Pauli erinnern, als wir 2:0 führten, durch das 2:1 völlig verunsichert worden, am Ende 2:3 unterlagen. So etwas darf auf keinen Fall mehr passieren.

Auch wenn sie "nur" in der Reha trainiert haben: Sind Sie von den Diskussionen um die angebliche Grüppchenbildung der Franzosen genervt?

Was heißt genervt - es ist einfach nicht wahr. Wenn wir wirklich Grüppchen hätten, dann würden wir direkt absteigen. Das steht fest. Nur gemeinsam kann man so eine schwierige Phase durchstehen. Mit Filip Trojan und Pavel Fort habe ich zum Beispiel in der Kabine über die alten Währungen gescherzt, ich rede auch mit Benjamin Kirsten und anderen.

Wann haben sie mit dem Fußballspielen begonnen?

Als ich sechs Jahre alt war. Mein großer Bruder Gery hat mich in Thiverny im Fußballclub eingeschrieben. Mein Vater früher im Kongo gespielt. Er war gut, hatte aber keine Ambitionen, nach Europa zu kommen und auf ganz hohem Niveau zu spielen.

In Frankreich galten sie als riesiges Talent, wurden mit Mario Balotelli verglichen, auch wegen ihrer Frisur. Haben Sie den Gang zu Dynamo als Abstieg empfunden?

Das haben mich schon viele gefragt. Ich kann das definitiv verneinen. Die zweite Liga in Deutschland ist die stärkste der Welt. Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht davon. Zudem wollte ich eine andere Kultur kennenlernen. Es ist nicht unbedingt mein Ziel, für immer in Frankreich zu leben. Ich hatte von England geträumt, nun bin ich hier zufrieden. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Das Leben in Deutschland ist einfach logisch. Ich fühle mich wohl, es fehlt mir an rein gar nichts.

Sie könnten sich demnach vorstellen, in Dresden zu bleiben? Nach der zweijährigen Ausleihe hat Dynamo eine Kaufoption für sie. Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen, wie sieht es mit dem Thema Nationalmannschaft aus?

Es war und ist keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Wir kämpfen um den Klassenerhalt, darauf liegt die volle Konzentration. Wenn wir das geschafft haben, sehen wir weiter. Ein Fußballer strebt immer nach der höchsten, besten Liga. Ich kenne meine Leistungsgrenze noch nicht, weiß nur, dass ich noch sehr hart an mir arbeiten muss. Wenn das Heimatland meines Vaters anfragen würde, würde ich nicht nein sagen, auch wenn ich selbst noch nie im Kongo gewesen bin. In Frankreich habe ich alle Nachwuchsmannschaften bis zur U21 gespielt. Dort in die A-Auswahl zu kommen, wäre ein großer Karriereschritt. Das Herz müsste entscheiden.

Seit dem 27. September sind sie Vater von Tochter Aaliyah. Wie hat Sie die Geburt verändert und hat der Name eine besondere Bedeutung?

Es war das schönste Erlebnis meines Lebens. Ich habe jetzt viel mehr Verantwortung, mache mir noch mehr Gedanken um die Zukunft. Früher habe ich schnelle Autos geliebt, seit meine Tochter da ist, heißt es "Fuß vom Gas". Die Familie ist für mich alles. So bin ich froh, dass meine Frau und meine Tochter hier in Dresden sind. Früher habe ich die Musik der Sängerin Aaliyah geliebt, die leider am 25. August 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Ihre Texte haben viel Bedeutung für mich. So stand lange fest, dass meine erste Tochter Aaliyah heißen wird. Es ist ein arabischer Name, der für die 'Erhabene, die Höchste, das Geschenk Gottes' steht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.02.2013

Tina Hofmann

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