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Christian Dietze bilanziert 25 Jahre als Chef des HSV

Christian Dietze bilanziert 25 Jahre als Chef des HSV

Der Mann mit dem markanten Schnäuzer will nicht mehr. Zumindest was sein aufreibendes Ehrenamt betrifft. Christian Dietze gehörte zweieinhalb Jahrzehnte zu den prägenden Figuren der Dresdner Handballszene.

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Christian
Dietze

Quelle: Lutz Hentschel, Archiv

Dresden. Der Mann mit dem markanten Schnäuzer will nicht mehr. Zumindest was sein aufreibendes Ehrenamt betrifft. Christian Dietze gehörte zweieinhalb Jahrzehnte zu den prägenden Figuren der Dresdner Handballszene, wirkte maßgeblich an der Entstehung der Nachwuchsspielgemeinschaft (NSG 2000) und am später insolventen HC Dresden mit. Die wegweisende Kooperation im Männerbereich mit dem ESV Lok Pirna war sein letztes großes Projekt. Nach 25 Dienstjahren gab der Vorsitzende des HSV Dresden Ende Oktober sein Amt ab. Der 58-jährige Leiter für Vertrieb und Kundenservice der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) erklärt im Interview seinen Rücktritt, seine Fehler und seine Hoffnungen für die Zukunft.

Herr Dietze, auf der Vereins-Homepage heißt es, Sie hätten Ihr Amt aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Stimmt das?

Das ist so. Ich schaffe das nicht mehr. Hier (bei den DVB, Anm. d. Red.) stehen umwälzende personelle Veränderungen ins Haus, und ich führe diese die ganzen Projekte als Leiter an - elektronisches Fahrgeldmanagement oder die neuen Automaten. Irgendwo muss ich die Bremse ziehen. Vielleicht hätte ich den HSV noch ein, zwei Jahre weiterführen können, aber es reicht. Das Betreiben der Männerspielgemeinschaft mit Lok Pirna kostet ja Kraft. Ich finde, unser Weg ist richtig, die Kräfte zu bündeln. Um dem Handballsport in Sachsen-Mitte, Dresden und der Region eine Stimme zu geben.

Wird der HSV Dresden diesen Weg auch ohne Sie weitergehen?

Es gibt Vereinbarungen und Verträge. Aber das wird den Nachfolgern überlassen sein. Dazu werde ich mich nicht groß äußern.

Lok-Geschäftsführer Uwe Heller erklärte Anfang 2015 der SZ, dass die Zukunft der Kooperation auch von den handelnden Personen abhängig ist.

Es ist entscheidend, ob die zu wählende neue HSV-Führungsriege das Konzept fortsetzt, das von 2012 bis 2015 ausgelegt war. Die mich auf dem Weg begleiteten, sind mit mir auch älter geworden. Da müssen Neue ran, aber die fangen nicht bei null an.

Gab es auch Widerstände im Verein gegen Ihre Art der Klubführung?

Wissen Sie, manche sagen, ich wäre Autokrat. Da kann man nicht nur Freunde haben.

In welcher sportlichen Verfassung übergeben Sie aus Ihrer Sicht den Verein?

Ich bin mit diesen 25 Jahren nicht unzufrieden. Wenn wir diesen Weg nicht so gegangen wären, hätten wir nicht den sportlichen Stellenwert, den wir in der Region nach wie vor genießen. Im Nachwuchsbereich sind wir sächsischer Talentestützpunkt. Wir haben Zulauf durch leistungswillige Kinder und Jugendliche. Natürlich hätte ich mir mehr Titel vorgestellt. Aber da muss man realistisch sein. Wir haben es nicht geschafft, Schule und Sport im Nachwuchsbereich zu vereinbaren, den Handball an Sportmittelschule und Sportgymnasium zu etablieren. Das ist eine Herausforderung für die Nachfolgenden.

Betrachten Sie die Männer-Kooperation als Erfolg? Der HSV Lok Pirna Dresden ist in die Mitteldeutsche Oberliga abgestiegen, die Reserve in die Verbandsliga.

Vielleicht ist das für die Jungs gar nicht so schlecht. Mit einer Spielgemeinschaft gibt man immer ein Stück Identität auf. Wir nahmen das aber in Kauf - auch gegen innere Widerstände. Denn dahinter steht der sportliche Wert. Heute spielen fünf, sechs HSVer im Team Pirna in der Mitteldeutschen Oberliga. Das Juniorteam in der Verbandsliga ist Sechster mit 8:6 Punkten. Da bin ich sehr zufrieden.

Außenstehende könnten das anhand der zwei Abstiege durchaus auch anders sehen.

Natürlich. Aber da kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: der Kommerzialisierung, wie wir sie heute erleben, müssen wir uns stellen - ob wir wollen oder nicht. Aber mit begrenzten Mitteln - wie sie der HSV in den 25 Jahren hatte. Ich habe in meinem Leben nie Schulden gemacht. Mit diesen Mitteln müssen wir Prioritäten setzen, und die lagen bei uns eindeutig in der Entwicklung der eigenen Talente. Wir haben seit 1998 über 50 Spieler an andere Vereine verloren. Ulrich Streitenberger, Robert Lux, oder Eric Jakob haben alle in der Bundesliga gespielt. Die sind alle vom HSV. Leider ist es uns in Dresden nicht gelungen, ein solches Niveau zu etablieren. Da kann man gespannt sein, wie sich das entwickelt.

In 25 Jahren Amtszeit macht man sicher als Vereins-Chef nicht alles richtig. Was war Ihr größter Fehler?

Ich habe die Bereitschaft überschätzt, Wege mitzugehen, die über den Tellerrand hinausgehen. Dass der Wertwandel unserer Gesellschaft sich bis in unsere tägliche Vereinsarbeit auswirkt, habe ich unterschätzt. Was Dinge wie Hingabe, Zuwendung, die Bereitschaft über Grenzen zu gehen betrifft, müssen sich künftige Führungs- und Trainergenerationen, letztendlich aber auch Eltern und Spieler im Klaren sein: Was will ich eigentlich?

Worauf sind Sie am meisten stolz?

Dass der Verein gut aufgestellt ist - sportlich und wirtschaftlich. Wir sind solvent. Wir haben in der Spielgemeinschaft die Weichen für die nächsten zwei Jahre gestellt. Wir sind gut organisiert. Stolz bin ich darauf, dass wir einer der Vereine sind, der im Wesentlichen auf seinen Nachwuchs setzt. Und versucht, wohlwissend, dass das immer schwerer wird, unseren Spielern bei uns eine Perspektive zu geben. Ich bin stolz auf die Leute, die mich begleitet haben. Der Handball hat mir bei allen Höhenflügen und Tiefschlägen für mein berufliches und privates Leben sehr viel gegeben.

Können Sie den Handball ganz einfach so beiseitelegen?

Nein, aber ich werde nach einer Zeit der Besinnung ein selbstbestimmtes Leben führen - was mein Engagement betrifft. Darauf freue ich mich. Ich gehe dem Handball nicht verloren. Ich möchte mich da noch nicht festlegen, aber ich bin gern bereit, meine Erfahrung weiterzugeben.

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