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Ausschluss aus DFB-Pokal: Dynamo Dresden fürchtet Millionen-Schaden

Ausschluss aus DFB-Pokal: Dynamo Dresden fürchtet Millionen-Schaden

Der krisengeschüttelte Zweitligist Dynamo Dresden fürchtet nach dem Ausschluss aus dem DFB-Pokal einen Schaden von einer Million Euro. Eine Entscheidung über eine Berufung gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts will der Verein aber frühestens Donnerstag fällen.

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Rund um das Pokalspiel bei Hannover 96 randalierten Fans von Dynamo Dresden.

Quelle: Alexander Körner

Die Verbannung aus dem Cup-Wettbewerb trifft die abstiegsbedrohten Dresdner mitten in der schweren Phase nach dem Rauswurf von Trainer Ralf Loose.

„Ich finde es einen Skandal für den Verein und für den Fußball. Es trifft immer den Club und die 95 Prozent friedlichen Fans, aber nicht die, die es verursacht haben", schimpfte Dynamo-Profi Sebastian Schuppan. Der Aufsichtsrat habe das Urteil der Sportrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Kenntnis genommen, sagte Dynamo-Präsident Andreas Ritter am Dienstag. „Heute ist keine Beratung angedacht, ich gehe davon aus, dass diese nach dem Mittwoch stattfindet", erklärte der Vereinschef.

Dann werden die Gremien des Clubs mit Anwalt Jörg Heyer das weitere Vorgehen beraten. Der Verein hat eine Woche Zeit für einen Einspruch. Dynamo war vom Sportgericht wegen der Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel in Hannover Ende Oktober für den Cup-Wettbewerb in der kommenden Saison gesperrt worden. In der Vorsaison wurden die Sachsen nach den Vorfällen bei der Pokalpartie in Dortmund schon einmal mit dem Pokalausschluss bestraft. In der Berufung wandelte das DFB-Bundesgericht die Strafe in ein Geisterspiel und eine Geldstrafe von 100 000 Euro um.

In einer Revision zum aktuellen Urteil wären unter anderem zwei Geisterspiele und eine Geldstrafe möglich. In einem eigentlich gut besuchten Heimspiel würde Dynamo ein Schaden von rund 300 000 Euro entstehen. Dem gegenüber steht die Ungewissheit, welchen Gegner man im DFB-Pokal erwischt, ob man die zweite Runde erreicht und noch einmal das Glück hat, ein Live-Fernsehspiel wie 2011 gegen Dortmund zu erhalten.

Trotz der Unwägbarkeiten beziffert Geschäftsführer Christian Müller den finanziellen Schaden auf rund eine Million Euro. Im sozialen Netzwerk Facebook plädierte eine Fangruppe dennoch dafür, das Urteil zu akzeptieren. „6 dynamische Heimspiele sind geiler als der DFB-Pokal 2013/2014", heißt der Titel. Ein Nutzer schrieb: „Die Geschäftsführung von Dynamo Dresden soll auf die sinnlose Berufung verzichten und stattdessen lieber zu jeder Pokalrunde ein Freundschaftsspiel gegen einen internationalen Gegner organisieren." Die Gruppe verspricht sich von sechs garantierten Heimspielen sechsmal ein volles Stadion und ein großes Medienecho wie im Geisterspiel gegen Ingolstadt. Bis Dienstagmittag hatte die Gruppe rund 680 Mitglieder. Schuppan hält die Aktion für durchaus erfolgsversprechend.

„Bei Dynamo würde mich im positiven Sinn nichts mehr wundern. Das Potenzial für so eine Aktion ist auf jeden Fall da und irgendwie würden sie das sicher organisieren. Man hat beim Geisterspiel gegen Ingolstadt gesehen, was möglich ist", so der Linksverteidiger. Damals wurden über 40000 virtuelle Geistertickets verkauft.

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßte die DFB-Entscheidung. „Von diesem Urteil erwartet die Polizei eine erhebliche Signalwirkung. Die Nichtteilnahme an einem der Prestige trächtigsten und spannendsten Wettbewerbe im deutschen Fußball trifft den Verein und seine friedlichen Fans ins Mark. Der Vorstand und die vielen Dynamo-Anhänger beißen sich auf die Nägel, wenn bei der nächsten Pokalauslosung die großen Lose wie Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 den anderen Vereinen zugelost werden", meinte Bernhard Witthaut, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Polizei, in einer Mitteilung.

In Dresden herrscht noch eine besondere Verbindung zur Fanszene, da es keine ausgegliederte Spielbetriebsgesellschaft wie bei anderen Profivereinen gibt. Daher können die Anhänger auf der Mitgliederversammlung mitbestimmen. Bei den Heimspielen hat Dynamo seine Fans aber seit geraumer Zeit im Griff, nur auswärts steht der Club immer wieder vor Problemen. Den letzten gravierenden Vorfall bei einem Heimspiel gab es außerhalb des Stadions 2007 nach der Partie der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden gegen Lok Leipzig. Es gab zuletzt immer mal wieder Becherwürfe, vergangene Saison wurde ein einziger Nebeltopf im Spiel gegen Energie Cottbus verbucht.

„Wir haben seitdem auch immer wieder Täter ermittelt und sie mit einem Hausverbot belegt. Finanziell ummünzen konnten wir DFB-Strafen allerdings noch nicht. Vor allem auswärts stehen wir dabei vor dem Problem, dass die Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden einfach noch unzureichend ist. Meist fehlt dort die Sensibilität dafür, dass wir als Verein, von dem alle Maßnahmen erwarten, auf Informationen zu den Tätern angewiesen sind. Vieles versandet oder dauert einfach viel zu lange", meinte Dynamo-Pressesprecher Enrico Bach.

Fanbeauftragter Marek Lange sieht die Fangemeinde derzeit gespalten: „Wir haben momentan in Dresden nach dem Urteil noch kein klares Bild. Eine Hälfte sagt, dass der Verein das Urteil so annehmen sollte, da der Weg durch die DFB-Instanzen bei der gestern wieder gezeigten Rechtsauffassung ins Leere führt. Auf der anderen Seite stehen die, die hoffen und dafür sind, dass Dynamo aufgrund der schuldenunabhängigen Verurteilung die letzte Instanz ausreizt und alles versucht, um das Urteil rückgängig zu machen oder umzuwandeln. Die Gesamtlage ist im Moment noch diffus."

von Tina Hoffmann, dpa

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