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Auf der Matte - Am heutigen Sonntag ist Weltyogatag

Auf der Matte - Am heutigen Sonntag ist Weltyogatag

„Ich habe selten jemanden erlebt, der so verkürzt und unbeweglich ist wie du“, sagt Madeleine Haseloff und lacht. Ihr Schüler, ein Geschäftsführer in jungen Jahren – ständig im Stress, viel um die Ohren – sitzt im Schneidersitz auf seiner Matte und muss trotz des Tadels grinsen.

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Am Sonntag ist Weltyogatag.

Quelle: privatTimm Ziegenthaler

Madeleine Haseloff, 33, ist ausgebildete, ärztlich geprüfte Yogalehrerin und -therapeutin. „Zu Beginn lasse ich meine Schüler für eine Weile im Schneidersitz verharren“, erklärt sie. Während dieser ersten Phase des Kurses sollen sich sie die Schüler auf ihre bewusste Atmung konzentrieren und innerlich auf Yoga vorbereiten. „Diese fünf Minuten auf der Matte sollen sie nutzen, um anzukommen und um abzuschalten.“

Yoga ist eine indische Lehre, in der Körper- und Atemübungen kombiniert, zu meditativen Zuständen führen können. Dabei wird angestrebt, mit dem Bewusstsein in Kontakt zu treten. „Yoga ist der Zustand, in dem alle Gedanken und Emotionen zur Ruhe kommen“, erklärt Haseloff. „Yoga ist ein Weg, kein Ziel.“ Die Verrenkungen und Übungen, die einer breiten Öffentlichkeit unter Yoga bekannt sind, nennt man „Asanas“. Sie sind nur ein Teil des Ganzen, wenn auch der nach außen sichtbarste.

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Madeleine Haseloff, 33, ist ausgebildete Yogalehrerin. Nebenbei ist die Mutter zweier Kinder begeisterte Läuferin.

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Nach seiner Zeit im Schneidersitz geht es für den jungen Manager an die eigentliche Yogapraxis. Die Stunde beginnt nun mit sanftem Aufwärmen, Lockerungsübungen, je nach Schüler können auch tänzerische Elemente mit einfließen. „Der Körper soll sanft erwärmt werden, das beugt möglichen Verletzungen vor.“ Je nach Zielgruppe kann diese Aufwärmphase mal länger, mal kürzer ausfallen.

Ihr „unbeweglicher Schüler“, der gerade auf der Matte liegt, sei weniger Einzelfall als vielmehr die Regel. „Wir Menschen im Westen sind viel zu steif“, erklärt Haseloff. „Das viele Sitzen im Büro, im Auto auf der Couch, das führt zu Problemen.“ Der Erfahrung nach leiden die meisten ihrer Schüler unter Rückenschmerzen, faszialen Verspannungen und Verkürzungen im Muskelapparat. „Generell kann man sagen, Defizite gibt es vor allem im Bereich der Knie, der Hüfte, des Rückens und Brustraums sowie der Schultern.“  

Yoga ist auch was für harte Kerle

Doch solche körperlichen Beschwerden haben nicht nur Manager und Bürokauffrauen, auch Sportler sind anfällig. Sportler wie Kevin Nastiuk. Er sieht auf den ersten Blick nicht wie der typische Yogaschüler aus. Vollbart, schwarzes, langes Haar, 90 Kilogramm Muskelmasse verteilt auf 1,87 Meter. Der Kanadier steht schwer gepanzert im Tor der Dresdner Eislöwen. Wenn er für das Eishockey-Team die Pucks aus der Luft fischt, muss er blitzschnell sein. Nicht bloß mit den Armen, auch mit den Beinen und besonders mit dem Verstand. Sein Einsatz hinterlässt Spuren: „Am meisten zwickt es in den Knöcheln, in der Leistengegend, in der Hüfte, vor allem aber in den Knien“, so der Goalie.

Welchen Belastungen ist ein Eishockey-Schlussmann ausgesetzt? „Ich muss so beweglich wie möglich sein. Vor allem in den Knien und in der Hüfte.“ Und wenn die Scheibe tief auf ihn zukommt, muss er schlagartig auf erstere fallen. Zwar sind die Knie dick gepolstert, doch gute 25 Jahre Eishockey gehen nicht spurlos an einem vorüber. „Dann tut es schon mal weh.“ Während sich Nastiuk im Sommer auf die Saison vorbereitet, hat er ein volles Programm: Fitnessstudio, Ausdauertraining und Kraftraum. Jeweils montags bis freitags. Nur am Mittwoch legt er eine Pause ein. Dann liegt der bärtige Eishockey-Crack auf der Matte, sitzt im Schneidersitz und macht den Sonnengruß: „Seit sieben Jahren betreibe ich Yoga.“

„Unser Trainer hat uns damals in der Sommerpause zum Yoga gebracht.“ Es sei in erster Linie eine andere Art des Stretchings gewesen. „Nicht alle Spieler waren davon begeistert“, so Nastiuk, „aber es hat nichts genützt, Yoga war Teil des Trainings und das wurde gemacht.“ Seine Praxis zieht der Eislöwen-Schlussmann bis heute durch. Unter der Woche versuche er, mindestens ein Mal mit seiner Yogagruppe zu üben. „Wenn ich die Zeit hätte, würde ich mich auch häufiger auf die Matte begeben.“ Kevin Nastiuk sagt, bei den Eislöwen sei er wahrscheinlich der einzige im Team, der Yoga betreibe. „Aber darüber wird in der Kabine nicht gesprochen.“ Er lacht: „Das ist kein Thema.“  

Ist Yoga ein Sport?

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Setzt auf Entspannungsübungen: Eislöwen-Torwart Kevin Nastiuk. Der 29-jährige Kanadier betreibt zum Ausgleich regelmäßig Yoga.

Quelle: Dresdner Eislöwen

Die körperlichen Effekte beschreibt der 29-Jährige Eishockey-Profi Nastiuk wie folgt: „Durch Yoga verbessert sich meine Flexibilität, die ist als Goalie extrem wichtig.“ Je nach Übung wird auch an der Körperkraft gearbeitet. Nastiuk hebt hervor, dass besonders die Kernmuskeln gestärkt werden. Muskelstränge, die im Körperinneren verlaufen, die man im Alltag so gar nicht wahrnimmt. „Das ist wichtig für die Stabilität.“ Doch auch für den Geist versteht der Kanadier Yoga zu nutzen. „Ich kann so meine Gedanken vom Hockey lösen“, erklärt er. „Aber auch der ganze Alltagsstress fällt von einem ab.“

Nastiuk ist Profisportler und nutzt Yoga vor allem zum Ausgleich. Mit all den Körperübungen, den Atemtechniken, lässt sich Yoga als Sport bezeichnen? Lehrerin Madeleine Haseloff sagt: „Ganz klar: Jein.“ Einige Aspekte des Yogas könne man durchaus als Sport auffassen. „Körperarbeit in den einzelnen Übungen, Körperhaltung und Atemtechniken erinnern durchaus an Sport.“ Andere Elemente wie zum Beispiel die Meditation haben mit Sport hingegen nichts zu tun. Und was sagt der Eislöwen-Goalie dazu? Ist Yoga denn nun ein Sport? „Also nach dem Training bin ich immer komplett verschwitzt. Reicht das?“

Yoga als Ergänzung zum Sport

In einigen ihrer Kurse verbindet Madeleine Haseloff Yoga mit anderen Sportarten. So bietet sie Yoga-Jogging an. Ein Programm, das sich gezielt an junge Mütter mit Babys richtet. Nach einer Laufeinheit mit Kinderwagen geht es in den Park auf die Matte. Haseloff selbst ist ambitionierte Läuferin. „In der Woche versuche ich schon, wenigstens drei Mal die Laufschuhe zu schnüren.“ Derzeit steckt sie in der Saisonvorbereitung: „Als nächstes steht der Oberelbemarathon an. Im Frühjahr aber bloß die Halbdistanz.“ Macht Yoga denn schneller? „Ja klar, je mehr Yoga ich praktiziere, desto fitter werde ich“, beschreibt sie ihre persönliche Erfahrung.

Yoga, betont Madeleine Haseloff, sei ein ausgezeichneter Ausgleich für Sportler. „Als Ergänzung dient es der Abrundung des Sports, den sie ohnehin betreiben.“ Wichtig sei dabei, dass man den Yogastil auf den Sport abstimmt. „Ein Tänzer hat ganz andere Bedürfnisse, als ein Fußballspieler.“

Bei Ausdauersportlern, aber auch bei Menschen die beruflich unter Stress stehen würde die Expertin zu Yin-Yoga raten. Bei dieser sehr fordernden Praxis geht es darum, die Asanas möglichst lang zu halten und um eine bewusste, intensive Atemübung. „Yin-Yoga führt zudem zu einer intensiven Dehnung. Gerade bei laufintensiven Sportarten sind beispielsweise die Beinrückseiten stark verkürzt.“ Und wie sieht es bei den angesprochenen Tänzern aus? „Die sind ohnehin überdehnt. Da sollte man eher auf statische Übungen wie im Hatha-Yoga zurückgreifen.“

Zurück zum Geschäftsführer auf der Yogamatte. Er konzentriert sich gerade vollkommen auf seine Atmung. „Das bewusste Atmen ist eines der Kernelemente im Yoga“, referiert Madeleine Haseloff. Nicht nur, dass man über eine achtsame Atmung zur Kontrolle des Geistes gelange, auch körperliche Effekte seien deutlich wahrnehmbar. „Durch die Atemkontrolle lässt sich mit der Zeit eine höhere Lungenkapazität erreichen. Der Körper nimmt mehr Sauerstoff auf. Der Kreislauf wird angeregt.“ Dabei ist Atmung im Yoga nicht gleich Atmung. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken. „Wenn man viel Stress hat“, spielt sie auf ihren Schüler mit Management-Hintergrund an, „schüttet der Körper viel Adrenalin aus. Das belastet die Nebennieren und beeinträchtig die Arbeit des Drüsensystems im Körper.“ Dem könne man mit einer individuellen Yoga-Praxis begegnen.

Für wen ist Yoga geeignet?

Eishockey-Sportler, Mütter, Manager und Tänzer – ist Yoga denn für jeden bedenkenlos zu empfehlen? „Im Yoga ist es wie in jedem anderen Sport: Man darf nicht überreizen, muss sich an sein eigenes Komfortlevel halten“, hebt Eislöwen-Profi Kevin Nastiuk hervor. Auch auf der Matte könne man sich verletzen. „Es ist wichtig, dass man die Grenzen des eigenen Körpers kennt und nicht darüber hinaus geht.“

Madeleine Haseloff kann das mit ihrer langjährigen Yogaerfahrung nur unterstützen. „Viele Yogastile sind sehr fordernd.“ Bei falscher Ausführung könne es so zu Verletzungen kommen. „Eine intensive und direkte Betreuung ist notwendig.“ Hinzu komme: „Jeder Mensch ist einzigartig, jeder Mensch ist anders.“ Sie empfiehlt daher eine individuelle Betreuung. „Jeder Schüler findet seinen Lehrer.“ Um möglichen Risiken vorzubeugen, kommt es auf die Anleitung an. Haseloff betont, dass eine gründliche Ausbildung bei Yogalehrern unabdingbar sein. „Auch fundierte Kenntnisse der Anatomie sind unverzichtbar.“

Yoga und seine Risiken

Es gibt auch Fälle, in denen die Expertin vom Yoga abrät. „Wenn akute Verletzungen vorliegen. Wenn jemand starke Schmerzen leidet.“ Bei Problemen wie Übergewicht, kaputten Gelenken oder im Alter sollten die Übungen angepasst werden. „Für meine Senioren empfehle ich zum Beispiel Stuhl-Yoga, um die Belastung zu reduzieren.“ Der Therapeutin ist wichtig, dass ihre Schüler bei solchen Fällen vorher ihren Arzt konsultieren. „Auch den Lehrer sollte man informieren, so dass er gezielt auf die Beschwerden eingehen und Rücksicht üben kann.“

Die Yogastunde ist nun so gut wie vorbei. Haseloffs Schüler liegt noch in der Tiefenentspannung, die den Abschluss einer jeden Yoga-Session bildet. „Bei der sogenannten Shavasana wird die Yogapraxis in Energie umgewandelt und im Körper verteilt. Das ist die wichtigste Übung überhaupt“, führt die Lehrerin aus. Nach etwa zehn Minuten ist es so weit. Noch ein Mal geht es in den Schneidersitz, die Yogastunde wird reflektiert. Wie habe ich mich vorher gefühlt? Wie fühle ich mich jetzt? „Das ist ein bedeutendes Element“, so Haseloff, „manchmal brechen einige meiner Schüler dabei in Tränen aus.“ Ihr Geschäftsführer hält sich damit zurück. Es ist Mittag geworden unterdessen. Die Yogastunde ist vorbei. Beide verabschieden sich auf indisch – „Namaste“ – was soviel wie „Tschüß“ bedeutet.

Auf der Internetseite von Yogalehrerin Madeleine Haseloff gibt es ausführliche Informationen zu den einzelnen Yogastilen: www.deinyoga-dresden.de

In der DNN Sonntags App gibt es noch weitere spannende Informationen zum Weltyogatag.

Johannes Angermann

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