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Aues Sportdirektor Steffen Heidrich: "Noch einmal: Wir steigen nicht ab"

Aues Sportdirektor Steffen Heidrich: "Noch einmal: Wir steigen nicht ab"

Am Sonnabend (Anstoß 13 Uhr) steigt im Auer Lößnitzgrund das Sachenderby zwischen dem FC Erzgebirge und Dynamo. Die Dresdner haben den Klassenerhalt längst in der Tasche, die Gastgeber müssen noch um den Verbleib in der 2. Fußball-Bundesliga bangen.

Dresden.

Dresden. Am Sonnabend (Anstoß 13 Uhr) steigt im Auer Lößnitzgrund das Sachenderby zwischen dem FC Erzgebirge und Dynamo. Die Dresdner haben den Klassenerhalt längst in der Tasche, die Gastgeber müssen noch um den Verbleib in der 2. Fußball-Bundesliga bangen. Auf der Auer Bank zittert Steffen Heidrich mit. Vier Jahre kickte der gebürtige Erzgebirgler für Dynamo, führte die Mannschaft unter Trainer Christoph Franke aus der Oberliga zu zwei Aufstiegen bis in Liga zwei. Nun lenkt der mittlerweile 44-Jährige die Geschicke bei den Veilchen. DNN erwischte Steffen Heidrich am Telefon.

Frage: Seit Anfang des Jahres bis du Sportdirektor beim FC Erzgebirge Aue. Hat sich da ein Kreis geschlossen?

Steffen Heidrich: Ich fühle mich hier rundum wohl. Ich habe hier eine reizvolle und anspruchsvolle Aufgabe, wir wollen aus unseren begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholen. Das ist in einer Stadt mit aktuell 17300 Einwohnern der Klassenerhalt in der 2. Liga. Obwohl ich natürlich gern betone: Der Erzgebirgskreis hat reichlich 365000 Einwohner.

Muss man heutzutage wirklich Erzgebirger sagen und schreiben? Fühlen sich Erzgebirgler tatsächlich beleidigt, wenn man sie so nennt?

Mir ist das schnuppe. Die Menschen hier können stolz darauf sein, Erzgebirgler und Erzgebirger zu sein und eine Mannschaft in der 2. Fußball-Bundesliga zu haben - egal wie man sie nennt.

Geboren und aufgewachsen im erzgebirgischen Beierfeld, fußballerisch groß und erfolgreich geworden beim FC Karl-Marx-Stadt, mit Leipzig und Cottbus Bundesliga gespielt, mit Dynamo zweimal aufgestiegen - wo schlägt da dein Herz? Was war im Rückspiegel betrachtet die schönste Zeit?

Jede Station hatte ihre eigenen schönen Seiten. Ich bin vor allem froh darüber, dass ich so lange spielen konnte, so viele tolle Erfahrungen machen konnte. Darauf bin ich stolz, ich möchte nichts davon missen.

Dein einziges Länderspiel hast du im April 1990 beim 2:0-Sieg der DDR gegen Ägypten gemacht. Warum nicht mehr?

Die Frage kann ich nicht beantworten. Es war eine wilde Zeit, und die DDR gab es ja dann nicht mehr. Vielleicht so viel dazu: Ich bin sehr froh, dass ich eine unglaublich gute Ausbildung an der Kinder- und Jugendsportschule genießen konnte. Davon profitiere ich noch heute. Nicht umsonst lässt Matthias Sammer Elemente der damaligen KJS-Ausbildung in seine Arbeit beim DFB einfließen. Und er hat Erfolg damit.

Apropos Erfolg: Meyer, Geyer, Franke - du hattest viele gute Trainer. Von wem hast du am meisten profitiert?

Nicht zu vergessen Sigi Held und Tony Woodcock. Jeder hat mir etwas mitgegeben, meinen Erfahrungsschatz bereichert. Wenn ich einen ein klein wenig hervorheben muss, dann Hans Meyer. Er war immerhin fünf Jahre lang mein Trainer, unter ihm haben wir im Europacup Siege gegen Porto und Sion gefeiert und gegen Juventus gespielt - das bleibt unvergesslich.

Zu Dynamo: Nach viereinhalb schönen Jahren in Dresden hat Peter Pacult den Teammanager Heidrich Anfang 2006 aufs Abstellgleis geschoben. Ein unschönes Ende deiner Zeit an der Elbe...

Ich hatte schon im Sommer davor ein Angebot aus Cottbus, hätte dort im Management anfangen können. Das lehnte ich ab, weil ich meine Perspektive auch nach dem Ende meiner Zeit als Spieler bei Dynamo sah. Das hat dann alles nicht so funktioniert wie gedacht. Das Ende war in der Tat unschön.

Wohnst du noch in Langebrück und pendelst jeden Tag nach Aue?

Meine Frau Arlette arbeitet als Rechtsanwältin in Dresden, meine Tochter Zenia besuchte die 2. Klasse der Grundschule in Langebrück. Ich bin, wenn es passt, am Wochenende zu Hause. Die Woche über bleibe ich in Beierfeld, da habe ich ein Haus. Viele schätzen die Anforderungen meiner Arbeit vielleicht falsch ein: Das ist ein Full-Time-Job, in dem ich 24 Stunden am Tag erreichbar sein muss und ständig unterwegs bin.

Am 9. Januar hast du deinen Posten in Aue angetreten, am 21. Februar Rico Schmitt beurlaubt. Es gibt Stimmen, die sagen, unter Sportdirektor Heidrich hatte dieser Trainer ohnehin keine Chance. Was entgegnest du?

Dazu könnte ich eine Stunde referieren. Die Kurzfassung: Es gab sehr große Unruhe im Verein, das musste geändert werden. Es ging und geht nur um den FC Erzgebirge und das Ziel Klassenerhalt.

Zehn Punkte aus neun Spielen, zuletzt drei Niederlagen am Stück - wie beurteilst du die Arbeit von Frank Baumann?

Sehr positiv. Er kommt mit seiner Art und Weise, seinem bescheidenen Auftreten sehr gut an. Er passt absolut hierher. Und mit seiner Erfahrung aus nahezu 300 Bundesligaspielen hat er das Zeug, dem FC Erzgebirge die Klasse zu sichern.

Prominenter Winterzugang in Aue war Ex-Dynamo-Stürmer Halil Savran. Er stand zehnmal in der Startelf, ein Tor - den wichtigen Ausgleichstreffer beim 1:1 gegen Tabellenführer Fürth - hat er bislang für den FC Erzgebirge erzielt. Reicht das für eine gute Note?

Halil ist ein guter Junge, der ebenfalls gut zu uns passt. Er will sich hier neu beweisen und weiterentwickeln.

Stimmt es, dass der FC Erzgebirge Interesse an einer Verpflichtung der Dresdner Spieler Sascha Pfeffer und Martin Stoll hat?

Nein. Dynamo-Spieler haben wir derzeit keine im Fokus.

Warum gewinnen die Veilchen am Sonnabend gegen Dynamo?

Weil Dynamo den Klassenerhalt in der Tasche hat, wir nachziehen müssen. Die Dresdner haben als Aufsteiger eine beeindruckende Saison gespielt, ja auch am Montag gegen Düsseldorf gezeigt, wie stark sie sind. Das wird kein einfaches Spiel für uns, aber diese drei Punkte müssen im Erzgebirge bleiben.

Was würde ein Abstieg für den FC Erzgebirge, bedeuten? Droht der totale Absturz?

Wir steigen nicht ab. Wir haben uns natürlich mit dem Thema Dritte Liga befasst, entsprechende Planungen in der Schublade. Alles andere wäre fahrlässig. Der Verein steht auf gesunden Füßen, bliebe auch nach einem Abstieg am Leben. Aber noch einmal: Wir steigen nicht ab.

Möglich ist ja auch noch ein Relegations-Duell zwischen Aue und Chemnitz. Da schaut Steffen Heidrich dann besser gar nicht zu?

Ungelegte Eier, mit denen ich mich nicht befassen kann. Wir wollen mindestens 15. werden. Die vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone haben wir uns hart erarbeitet, die werden wir nicht mehr aus der Hand geben. Unabhängig davon gönne ich dem CFC natürlich den Aufstieg - wie allen Ostmannschaften. Der Osten hat viel gelitten, da ist jeder Aufstieg eine willkommene Bereicherung.

Interview: Thomas Scholze

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.04.2012

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