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An Lenné- und Magdeburger Straße spielte der SC Einheit Dresden einst unter freiem Himmel

Eishockey mit Freiluft-Tradition An Lenné- und Magdeburger Straße spielte der SC Einheit Dresden einst unter freiem Himmel

Für Karl-Heinz Domschke ist der Sonnabend ein ganz besonderer Tag, ein Festtag. Wenn um 14 Uhr im Dynamo-Stadion die ehemaligen Nationalspieler der BRD und der DDR zum "Legendenspiel" auflaufen, wird auch "Heinzer" die Eishockeykluft anlegen und die Schlittschuhe schnüren.

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Vor der Kulisse der Yenidze eröffnete im Dezember 1960 das Kunsteisstadion im Ostragehege, bis 1970 Heimstätte des SC Einheit Dresden.

Quelle: Bundesarchiv/eisloewen.de

Dresden. Für Karl-Heinz Domschke ist der Sonnabend ein ganz besonderer Tag, ein Festtag. Wenn um 14 Uhr im Dynamo-Stadion im Rahmenprogramm des ersten Winterderbys der DEL2-Geschichte die ehemaligen Nationalspieler der BRD und der DDR zum "Legendenspiel" auflaufen, wird auch "Heinzer" die Eishockeykluft anlegen und die Schlittschuhe schnüren. Obwohl der 62-Jährige gar kein Nationalspieler war. Er wird der einzige Dresdner im erlauchten Kreis solcher Legenden wie dem 296-fachen DDR-Auswahlspieler Dieter Frenzel, der an 13 Weltmeisterschaften teilnahm, und dem BRD-Altinternationalen Dieter Hegen, der als der beste deutsche Linksaußen seiner Zeit galt, auf dem Eis stehen.

Das ist nicht nur eine Referenz an die Gastgeber, sondern eine Würdigung der Verdienste eines Dresdner Eishockey-Enthusiasten, dem durch einen politischen Beschluss zu Beginn der 1970er Jahre selbst eine mögliche große Karriere verwehrt blieb, der aber dennoch für die Tradition und Entwicklung des Eishockeysports in der sächsischen Landeshauptstadt steht wie kaum ein anderer. Und der noch immer als Kapitän der Traditionsmannschaft der Dresdner "Altlöwen" fungiert und auch nahezu bei jedem Heimspiel der ersten Mannschaft auf der Tribüne die Daumen drückt.

"Natürlich ist es für mich eine riesengroße Ehre, neben solchen ehemaligen Eishockey-Idolen aus Ost und West spielen zu dürfen. Und natürlich stand auch ich noch nie vor 30 000 Zuschauern auf dem Eis. Das wird sicher Gänsehautfeeling erzeugen", sagt Domschke, der allerdings als Spieler des damaligen SC Einheit Dresden selbst noch viele Jahre unter freiem Himmel dem Puck hinterher jagte. "Das war für uns Alltag, mit all den Unwägbarkeiten, die das Wetter so bereithält. Ob Schnee, Eiseskälte oder Regen. Wir haben selbst bei 20 Grad Minus kein Spiel abgesagt. Damit mussten wir klarkommen. Da musste man eben einen Schal umbinden und eine Mütze unter den Helm aufsetzen", erinnert er sich heute schmunzelnd, bekennt aber auch: "Für elegante Techniker war das Eis natürlich nicht so günstig."

Auch wenn er es selbst nicht mehr erlebt hat, weiß er aus den Erzählungen älterer Dresdner Eishockey-Spieler, dass in direkter Nachbarschaft zum Dynamo-Stadion schon früher Eishockey gespielt wurde. "Der Eishockeysport ist nach dem Krieg in Dresden schnell wieder belebt worden. Am 26. Januar 1952 wurde das Natur-Eisstadion an der Lennéstraße vor sage und schreibe 10 000 Zuschauern eröffnet. Zuschauerrekord bei einem Oberliga-Spiel des Dresdner Teams von Einheit Süd gegen Weißwasser waren 8000 Besucher."

Im Dezember 1960 wurde dann das erste Kunst-Eisstadion im Ostragehege eröffnet. An die folgenden Jahre hat Domschke selbst noch gute Erinnerungen: "Als Steppke war ich anfangs als Wischer bei den Spielen dabei. Da konnte ich die Stars hautnah erleben. Besondere Höhepunkte waren für uns alle die Länderspiele gegen Kanada, zu denen damals 10 000 Zuschauer kamen. Unvorstellbar für heutige Spieler, dass die Cracks aus dem Mutterland des Eishockeys damals noch ohne Helm spielten", berichtet er.

Und Karl-Heinz Domschke selbst hatte mit neun Jahren mit dem Eishockey angefangen, durchlief beim SC Einheit alle Stationen, schaffte 1968 den Sprung in die Schüler-Nationalmannschaft. Die Entwicklung ging steil nach oben. Kaum dem Schüler-Alter entwachsen, berief ihn Egon Luding, der damalige Trainer des Dresdner DDR-Oberligisten, Anfang November 1968 in die Männermannschaft. Das Talent war noch nicht einmal 16 Jahre und damit der jüngste Oberligaspieler aller Zeiten. Im Spielerausweis musste der Vater seine schriftliche Einwilligung hinterlegen.

Als er später auch in die Junioren-Nationalmannschaft berufen wurde, kam dann aber das abrupte Ende. "Mit dem skandalösen Beschluss, dass Eishockey nicht mehr gefördert wird und damit die Eishockey-Klubs von Rostock bis Dresden dicht machen konnten, war auch mein Traum geplatzt", bedauert Domschke, dass nur noch Dynamo Weißwasser und Dynamo Berlin die Meisterschaft unter sich ausmachen durften. "Heinzer" wandte sich dann der beruflichen Karriere zu und studierte Maschinenbau. Eishockey aber spielte er auf Hobbybasis weiter, kümmerte sich mit einigen Mitstreitern nach 1990 maßgeblich darum, dass der Eishockeysport in Dresden neu belebt wird. Umso mehr freut er sich heute auf seinen Einsatz beim Legendenspiel und sagt: "Das wird ein Zuschauerrekord für die Ewigkeit."

Astrid Hofmann

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