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Alexander Waibl: Keine Zeit zum Trübsal blasen

Alexander Waibl: Keine Zeit zum Trübsal blasen

Nach der Saison ist vor der Saison - zumindest für DSC-Volleyballtrainer Alexander Waibl. Nach der Abschlussparty am Sonntag in der "Zeitenströmung", bei der es mit dem Abschied von sechs Spielerinnen sehr emotional zuging, sind die Gedanken des 44-Jährigen bereits auf die nächste Spielzeit gerichtet.

Dresden .

DNN sprach mit dem gebürtigen Stuttgarter.

Frage: Herr Waibl, Sie sind mit Ihrer Mannschaft erneut an einem Titel vorbeigeschrammt. Eine verlorene Saison?

A. Waibl: Ich werde einen Teufel tun, diese Saison als verloren einzustufen, nur weil wir die letzten beiden Spiele nicht gewonnen haben. Im Gegenteil, ich bin sehr zufrieden. Die Rahmenbedingungen waren nicht einfach, dennoch hat sich die Mannschaft weiterentwickelt. Das frühe Pokal-Aus war sicher eine Enttäuschung. Das hätten wir gern besser gemacht. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass wir näher an Platzhirsch Schwerin herangerückt sind. Aber uns fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, um den Bock umzustoßen. Ich fühle mich aber in keiner Weise entmutigt oder niedergeschlagen, sondern bin schon wieder richtig heiß auf die neue Saison. Es geht auch anderen wie uns: Villa Cortese wurde gerade zum dritten Mal in Folge Zweiter der italienischen Meisterschaft.

Was hat Schwerin, was dem DSC noch fehlt?

Den durchschlagskräftigeren Außenangriff. Der hat den Unterschied gemacht. Natürlich hätte ich auch gern so eine Spielerin wie die Kroatin Mira Topic im Team. Sie verdient aber mindestens doppelt so viel wie eine Spielerin bei uns. Deshalb können wir uns das nicht leisten.

Welche internationale Top-Angreiferin wäre denn ihre Wunschspielerin?

Das wäre die Koreanerin Kim (lacht). Sie ist für mich die kompletteste Außenangreiferin der Welt, die nicht nur gut angreift, sondern genauso gut in Annahme und Abwehr ist. Aber die ist erst recht nicht bezahlbar, weil sie das Zwanzigfache bekommt. Deshalb wird man solch eine Athletin auch in den nächsten Jahren in der Bundesliga nicht sehen.

Wer waren in dieser Saison für Sie die herausragenden Spielerinnen in Ihrem Team?

Enttäuscht hat mich erst einmal keine einzige, alle haben ihren Beitrag geleistet. Natürlich haben wir mit Mareen Apitz eine Top-Regisseurin, die auch in der Statistik die effektivste Zuspielerin der Liga war und durch die Nationalmannschaft noch weiter gesteigert hat. Die beiden holländischen Neuzugänge Robin de Kruijf und Judith Pietersen haben sich enorm gut entwickelt und verfügen über weiteres Potenzial. Rückkehrerin Anne Matthes hat absolut die Erwartungen erfüllt, aber auch bei ihr ist noch Luft nach oben. Eine sehr gute Saison hat Stefanie Karg gespielt, sie ist die Spielerin mit den meisten Blockpunkten pro Satz in der Bundesliga, dazu ist sie genau die richtige Besetzung als Kapitän. Und natürlich steht mit Kerstin Tzscherlich eine der weltbesten Liberos im Team, leider hatte sie ab Januar erhebliche Knieprobleme.

Sechs Damen wurden verabschiedet. Wie sieht die Personalplanung für die neue Saison aus?

Wir sind froh, dass wir schon zehn starke Spielerinnen unter Vertrag haben. Über Neuzugänge habe ich schon sehr konkrete Vorstellungen. Wir sind in Verhandlungen mit einer großen Außenangreiferin und einer Mittelblockerin. Als vierte Mittelblockerin werden wir Juliane Langgemach aus dem eigenen Nachwuchs nach oben ziehen. Eine große Unbekannte ist noch die Liberoposition. Kerstin Tzscherlich möchte gern noch eine Saison dranhängen, aber keiner weiß, wie es bei ihr gesundheitlich weitergeht.

Der Meisterschaftsmodus wurde viel diskutiert. Was wäre Ihr Wunsch?

Auch wenn der Modus keinen Einfluss auf die Meisterschaftsentscheidung hatte - denn Schwerin war einfach besser, ist er für mich nicht der Idealfall. Ich wünsche mir entweder eine Meisterrunde, bei der die Punkte mitgenommen werden und damit die Konstanz über eine ganze Saison honoriert wird; oder richtige Playoffs nach dem Modus "Best of three" oder "Best of five". Das ist sicher die Variante mit der meisten Spannung. Und so wird der Titelkampf schon seit Jahren bei den Männern entschieden. Anfang Juni auf der Bundesligaversammlung soll das noch einmal ein Thema sein, da viele Vereine eine Abkehr vom jetzigen System möchten, zumal wir nächste Saison nur mit zwölf Teams spielen.

Für Mareen Apitz, Anne Matthes und Kerstin Tzscherlich steht die Olympia-Qualifikation mit der Nationalmannschaft bevor. Schafft es die deutsche Auswahl nach London?

Ich denke ja. Allerdings erst im zweiten Anlauf. Das erste Turnier werden wahrscheinlich Russland oder Serbien gewinnen, doch dann hat die deutsche Mannschaft beim zweiten Qualifikationsturnier in Japan gute Chancen. Dort werden vier Tickets vergeben, nur eines davon muss an eine asiatische Vertretung gehen.

Wie sehen die nächsten Wochen für die die anderen Spielerinnen aus?

Wir werden jetzt vier Wochen Pause machen, danach gibt es einen athletischen Aufbau. Nach dem Urlaub ab Mitte Juli beginnt die unmittelbare Saisonvorbereitung Mitte August.

Janek Matthes wird jetzt Bundestützpunkttrainer übernehmen. Wer wird sein Nachfolger als Athletikcoach?

Wir sind beim Sondieren, da ist noch keine Entscheidung gefallen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2012

Interview: Astrid Hofmann

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