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Alban Sabah im Dynamo-Trainingscamp: Bei Rassismus hört der Spaß am Fußball auf

Alban Sabah im Dynamo-Trainingscamp: Bei Rassismus hört der Spaß am Fußball auf

Sein Lachen verbreitet gute Laune und Fröhlichkeit, beim Anblick seiner Statur ist dem einen oder anderen Gegner die gute Laune schon mächtig vergangen. Alban Sabah ist mit seinem breiten Kreuz und 1,89 Metern Körpergröße ein ordentlicher Fels in der Abwehrbrandung.

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Alban Sabah ist ein fröhlicher Zeitgenosse; nur bei rassistischem Beleidigungen fällt es dem Togolesen schwer, ruhig zu bleiben.

Quelle: Steffen Kuttner

Bis er der auch für Dynamo sein kann, wird es aber noch dauern. Das weiß der 21-Jährige selbst. "Ich bin noch nicht mit mir zufrieden. Ich weiß, dass mehr in mir steckt. Solche Fehler wie im Testspiel am Dienstag dürfen nicht passieren. Es sind viele Kleinigkeiten, die ich abstellen muss. Nimmt man die zusammen, dann habe ich noch einiges zu tun", weiß der gebürtige Togolese.

Im Match beim österreichischen Drittliga-Aufsteiger SC Schwaz unterliefen dem Neuzugang von Schalke 04 II gleich zwei Patzer, die jeweils zu Gegentoren führten. Auch bei der Ballannahme offenbarte der Kicker Schwächen. "Der Trainer hat das klar angesprochen, das ist in Ordnung", meint Sabah.

Dass der Königsblaue nach vier Jahren auf Schalke jetzt ein Schwarz-Gelber ist, stört ihn nicht. "Blau ist meine Lieblingsfarbe, aber mir als Afrikaner steht jede Farbe", grinst der Innenverteidiger. Als er zwei Jahre alt war, kam seine Familie nach Ratingen. Dort begann er mit dem Kicken, bis er schließlich bei Schalke landete, auf den großen Durchbruch wartete.

Darauf wartet er noch immer. "Ich möchte versuchen, mich in der zweiten Liga durchzubeißen", erklärt er. In seiner Heimat ist der seit dem Verlassen des Landes nie wieder gewesen. "Aber ich bekomme ständig Anfragen bei Facebook, mit denen ich zunächst nichts anfangen kann. Wenn ich dann aber den Namen sehe, ist mir alles klar", spielt Sabah auf seine 36 Tanten und Onkel väterlicherseits an. "Mein Opa hatte sieben Frauen, das war halt früher so", berichtet er von seiner Heimat. Im Herzen versteht sich der Abwehrspieler als Togolese, in Deutschland fühlt er sich aber pudelwohl und kann sich nicht vorstellen, jemals nach Afrika zurückzukehren und dort zu leben.

Lediglich wenn er mit Bananen beworfen, mit Bier bespritzt oder beleidigenden Sprüchen bedacht wird, dann ist auch für Alban Sabah der Spaß vorbei. In einem Regionalligaspiel mit Schalke II gegen Borussia Dortmund II ist ihm genau das einmal passiert. "Es ist schwierig ruhig zu bleiben, wenn man vom Spiel voller Adrenalin ist. Aber am Ende muss man schlauer sein als solche Menschen", erklärt Sabah.

Bevor er im nächsten Sommer seine Oma in Togo besuchen will, versucht der junge Mann in Dresden ranzuklotzen und den Anschluss zu finden. Vielleicht klappt es ja auch mit dem privaten Glück. "Mit den ganzen schönen Barockgebäuden in der Stadt kann man eine Freundin schon ganz gut beeindrucken", glaubt der momentane Single.

Keine Zeit für Ramadan

Mehrere Dynamo-Spieler sind gläubige Moslems. Gestern begann der Ramadan, die islamische Fastenzeit. Die hat strenge Regeln, zum Beispiel die, dass man erst nach Sonnenuntergang essen darf. Die Dynamo-Kicker können sich an solche Vorgaben derzeit nicht halten. Und müssen es auch nicht, wie Mickael Poté erklärt. "Wenn man mehr als 80 Kilometer von Zuhause entfernt ist, kann man nicht praktizieren", berichtet der Moslem und Dynamo-Kapitän, "auch nicht, wenn wir so viel trainieren wie jetzt. Wir können das später nachholen."

Dynamo hat Ersatz für das abgesagte Testspiel gegen die inzwischen abgereisten Rumänen von CS Concordia Chiajna gefunden. Heute Nachmittag 15 Uhr trifft die Pacult-Elf auf den aserbeidschanischen Meister Neftschi Baku. Gespielt wird in Kirchdorf, Anstoß ist 15 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2013

Tina Hofmann

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