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Weitspringerin Klischina: "Eine irreguläre Situation"

Olympia Weitspringerin Klischina: "Eine irreguläre Situation"

Die russische Weitspringerin Darja Klischina hat das Finale bei den Olympischen Spielen erreicht - trotz des Hin und Her um ihr Sonderstartrecht. Als einzige Leichtathletin Russlands nach dem Doping-Skandal in Rio am Start zu sein, behagt ihr nicht ganz.

Darja Klischina ist ins Finale gesprungen.

Quelle: Michael Kappeler

Rio de Janeiro. Das schöne Gesicht von Darja Klischina wirkte vor dem Einspringen angespannt. Der Kampf um das Sonderrecht, als einzige russische Leichtathletin bei den Rio-Spielen starten zu dürfen, hatte Spuren hinterlassen. Aus der Bahn hat er die Weitspringerin aber nicht geworfen.

"Die vergangene Woche war wirklich hart für mich, aber ich bin glücklich, bei den Olympischen Spielen zu sein", sagte die 25-Jährige nach dem erfolgreichen Finaleinzug. Mit dem ersten Sprung über 6,64 Meter gelang ihr der fünftweiteste Sprung des Vorkampfes, nach dem sie wortlos verschwand.

Die Ad-hoc-Kommission des Internationalen Sportgerichtshofes CAS hatte erst am Montag in Rio dem Einspruch der Athletin gegen ihren nachträglichen Ausschluss durch den Weltverband IAAF stattgegeben. Die seit drei Jahren in den USA lebende Athletin konnte begründen, dass sie sich in dieser Zeit vollständig konformen Dopingkontrollen unterzogen hatte und nicht in Russland getestet wurde. Die IAAF hatte dies auf Grundlage neuer Informationen kurzfristig noch einmal angezweifelt. Weitere 67 für Olympia nominierte russische Leichtathleten waren von der IAAF wegen systematischen Dopings in dem Land ausgeschlossen worden.

"Ich versuche, die vergangene Woche zu vergessen", meinte die Hallen-Europameisterin von 2011 und 2013. "Ich musste auf die Entscheidung warten, konnte nicht trainieren." Allerdings behagt ihr die Rolle, als einzige Russin bei den Rio-Spielen dabei zu sein, nicht wirklich. "Es ist eine irreguläre Situation, weil ich mir lieber ein großes russisches Team um mich herum wünschen würde", sagte Klischina. In ihrer Heimat wurde sie wegen ihres olympischen Alleingangs sogar als "Verräterin" beschimpft. "Ich bin alleine hier und das ist eine große Verantwortung."

Die Zuschauer im Stadion von Rio nahmen von ihrem vor Gericht erstrittenen Auftritt wenig Notiz. "Sie war sehr zuversichtlich und hätte sich weder positiv noch negativ durch das Publikum beeinflussen lassen", berichtete ihr australischer Trainer Loren Seagrave.

"Aus Sicht der Athletin ist das höchst unglücklich, dass es dieses Hin und Her bis unmittelbar vor dem Wettkampf gab", sagte der deutsche Verbandspräsident Clemens Prokop. "Ich finde es aber auch wichtig, dass ein Weltverband wirklich ohne Ansehen der Athleten konsequent ist."

Die deutschen Weitspringerinnen blendeten den Wirbel um die Russin aus. "Damit wollte ich mich vor dem Wettkampf nicht beschäftigen, sonst hätte ich nur Kopfschmerzen bekommen", sagte Sosthene Moguenara. Mit 6,55 Meter zog sie sicher in den Endkampf ein - genauso wie die EM-Dritte Malaika Mihambo. Sie schaffte mit 6,87 Meter sogar die zweitbeste Qualifikationsweite. "Das war ein großes Hin und Her. Wir haben es so weit es ging ausgeblendet", meinte Alexandra Wester. Ihr gelang das offenbar nicht so gut: Mit nur 5,98 Meter schied sie aus.

Nur zwei Stunden vor dem Auftritt von Klischina war der russischen 4x100-Meter-Staffel der Frauen die Goldmedaille von den Peking-Spielen 2008 aberkannt worden. DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen wertete dies als weiteren Beleg "für ein langjähriges staatlich gelenktes Doping. Wenn in diesem Kontext führende Moskauer Polit-Sportgrößen im Falle der CAS-Entscheidung zu Darja Klischina den Begriff Gerechtigkeit in den Mund nehmen, ist das schon grotesk."

dpa

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