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Spitz startet ohne Ärzte-Okay: "Risiko vertretbar"

Olympia Spitz startet ohne Ärzte-Okay: "Risiko vertretbar"

Gold 2008 in Peking, Silber 2012 in London, Bronze 2004 in Athen - auf Mountainbikerin Sabine Spitz war jahrelang Verlass. In Rio startet die 44-Jährige nach tagelanger Ungewissheit nun doch. Ohne Medaillenambitionen und entgegen der Empfehlung der Mediziner.

Sabine Spitz will am Samstag zum fünften Mal an Sommerspielen teilnehmen.

Quelle: Michael Kappeler

Rio de Janeiro. Die Ärzte raten von einem Start ab, doch Sabine Spitz nimmt das letzte große Rennen ihrer Karriere trotzdem in Angriff.

Entgegen der Empfehlung der Teammediziner wird sich die 44-Jährige am Samstag zum fünften Mal bei Olympia aufs Mountainbike schwingen - zu sehr hat sie sich jahrelang geschunden, als dass ihr das entzündete Knie einen Strich durch die Rechnung machen soll. "Uns erscheint das Risiko vertretbar. Ich will es einfach versuchen", ließ die Peking-Olympiasiegerin der Deutschen Presse-Agentur über ihren Ehemann und Betreuer Ralf Schäuble ausrichten. Und kündigte an: "Es wird mein letztes Cross-Country-Rennen der Karriere."

Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) löste der Ehrgeiz der jahrelangen Medaillenbank keine Euphorie aus, im Gegenteil: "Die Ärzte halten ihren Start trotz gesunkener Entzündungswerte für bedenklich, weil sie befürchten, dass die Entzündung unter Belastung außer Kontrolle gerät. Das Risiko trägt die Athletin selbst", teilte der BDR mit. Und dies tut Spitz - mit Unterstützung ihres Ehemanns. "Eigentlich haben wir keine Sorgen, dass durch diesen einen Wettkampf irgendetwas gefährdet wird", sagte Schäuble.

Dass aber mit der Verletzung nicht zu spaßen ist, zeigt sich daran, dass sich Spitz direkt nach dem Wettkampf im Mountain Bike Centre unters Messer legen wird, wie Schäuble ankündigte: "Das Knie muss zeitnah nochmals operiert werden." Der entzündete Schleimbeutel könne nicht konservativ behandelt werden. "Vielleicht noch in Rio, vielleicht nächste Woche zuhause", sagte Schäuble.

Ebenfalls bemerkenswert mit Blick auf die Entscheidung im Spitz-Lager: Die Weltranglistenzweite ist die Strecke nicht mehr mit Power abgefahren. "Ein Test unter echter Belastung wäre zu riskant gewesen", sagte Schäuble.

Die Vorbereitung auf ihr letztes olympisches Rennen hatte sich Spitz ganz anders vorgestellt. Angriffslustig wollte sie sein, mutig, der Konkurrenz das Fürchten lehren. Doch stattdessen wurde das Energiebündel aus dem Schwarzwald am Knie operiert, geschient, geschont und nur ganz langsam wieder ans Mountainbike herangeführt. "Das ist für die mentale Vorbereitung alles andere als gut", sagte Schäuble. "Es ist, als ob du an einer roten Ampel stehst und hoffst, dass es endlich weitergeht", kommentierte Spitz die tagelange Ungewissheit.

Egal wie das Rennen ausgeht: Es wird wohl kein passender Abschluss für diese große Radsport-Karriere. Denn nach Gold 2008 in Peking, Silber 2012 in London, Bronze 2004 in Athen wird in Rio kaum weiteres Edelmetall dazukommen. "Das eigentliche Ziel, eine Medaille zu gewinnen, ist nicht realistisch. Das ist nach der Woche nicht möglich. Die Enttäuschung bleibt", ließ Spitz wissen.

Ende Juli, nachdem sie die Olympia-Bekleidung erhalten hatte, schrieb die Frohnatur aus Murg-Niederhof auf Facebook: "Die Vorfreude auf Rio steigt." Leider wurde diese Spitz nach ihrem Sturz aufs Knie Anfang August in Kanada gehörig genommen. "Ich versuche, das Beste draus zu machen", kündigte sie am Tag vor ihrem Adieu von der großen Mountainbike-Bühne an.

dpa

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