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Patrick Hausding: Man merkt es erst, wenn es unten kracht

Olympia Patrick Hausding: Man merkt es erst, wenn es unten kracht

Schrauben, Salti und dann elegant eintauchen. Die Welt der Wasserspringer ist spektakulär. Aber Gefahren birgt sie auch. Das hat auch Medaillenkandidat Patrick Hausding schon erfahren müssen.

Patrick Hausding ist mit zwölf Titeln Rekordeuropameister im Wasserspringen.

Quelle: Felix Kaestle

Rio de Janeiro. Den deutschen Wasserspringern bleiben noch drei Wettbewerbe, um die nächsten Olympischen Spiele ohne Medaille zu verhindern.

Im Kunstspringen vom Drei-Meter-Brett zählt der Berliner Rekordeuropameister Patrick Hausding zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. Im dpa-Interview spricht er über Schmerzen, Bauchklatscher aus zehn Meter Höhe und seine Zukunft.

Wie groß ist bei Olympia der Druck für Sportler aus Sportarten, die so richtig nur alle vier Jahre im Fokus steht?

Patrick Hausding: Deshalb sollte man sicher selber keinen Druck machen. Bei Olympia sind alle Sportarten präsent, was gut und wichtig ist, dass es wenigstens einmal alle vier Jahre der Fall ist. Da wollen natürlich alle mit ihren Sportarten glänzen. Ich weiß, was wir alle können, aber Wasserspringen ist leider eine Sportart, wo der Moment zählt. Da kann man nie eine Tendenz vorhersagen.

Sie sprechen den Moment an. Macht das einen nicht wahnsinnig, wenn man machtlos in der Luft ist und eigentlich keine Chance mehr hat, einen winzigen Fehler nach dem Absprung noch auszugleichen?

Hausding: Man kann da schon noch etwas korrigieren, auch wenn man das wegen des schnellen Bewegungsablauf und einer Sprungdauer von anderthalb Sekunden als Laie von außen nicht sieht. Aber nach einem total verkorksten Anlauf kann man natürlich nicht mehr viel retten. Da sind höchsten noch Schönheitskorrekturen drin. Aber Wasserspringen bleibt eine Sportart, bei der es auf die Sekunde ankommt. Und nicht jeder trifft die Sekunde sechsmal nacheinander perfekt.

Die Vorbereitung auf ihre dritten Spiele war durch eine Schulterverletzung gehandicapt. Können sie das Problem schildern?

Hausding: Für die Sprünge vom Turm, bei denen die schwierigen Sprünge rückwärtsdrehend oder Schraubensprünge sind, war das kein Problem. Aber für den Wettkampf vom Drei-Meter-Brett mit vorwärtsdrehenden Sprüngen war und ist es sehr schwierig und schmerzhaft. Die schnellen Armbewegungen tun sehr weh. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine Nacht durchgeschlafen habe. Wenn ich zu lange auf einer Stelle gelegen habe, hat es in der Schulter nach drei, vier Stunden gestochen. Aber jeder hat irgendwann Schulter- oder Knieprobleme - das ist im Wasserspringen mehr als normal.

Müssen Sie deshalb mit Wackelsprüngen vom Brett rechnen?

Hausding: (überlegt) Da könnte es vom Schmerzempfinden ein bisschen unangenehm werden. Aber da baue ich mir genug Adrenalin und Wettkampf-Eifer auf, dass ich das gut über die Runden bekomme.

Ist Wasserspringen besonders gefährlich? Sie haben ja auch schon eine schmerzhafte Bauchlandung vom Zehn-Meter-Turm erlebt.

Hausding: Es ist eine Sportart, die den Körper stark beansprucht und es gibt einen Kontrast: Man könnte sich besser schützen durch mehr Muskelmasse, aber das wäre kontraproduktiv zu den Anforderungen der Sportart. Wenn man mit Muskelmasse 100 Kilo wiegen würde, wäre man einfach zu langsam und nicht wendig genug. Verschleiß gehört leider dazu. Aber wir machen den Sport trotzdem gerne, weil er einfach spektakulär und schön anzuschauen und einzigartig ist.

Welche Rolle spielt der Faktor Respekt - oder gibt es gar Angst bei den tollkühnen Versuchen aus zehn Metern Höhe?

Hausding: Grundrespekt hat man immer. Gerade wenn man länger nicht mehr auf dem Zehn-Meter-Turm stand, wundert man sich doch, wie hoch das eigentlich ist. Angst hat man keine. Auch wenn man den Turm touchiert, erschreckt man erst nur und weiß noch gar nicht, was passiert, fliegt dann orientierungslos durch die Gegend. Man merkt es erst, wenn es unten kracht. Das war schon ein ordentlicher Kracher, den ich 2012 beim Springertag in Rostock hingelegt habe. Seitdem gehe ich bei dem Sprung immer mit ein bisschen Vorsicht dran und weiß, was passieren kann, wenn ich wieder ein bisschen zu nah an die Plattform springe.

Wie ist die Perspektive für Sie als Dauermedaillengewinner bei EM und WM, eventuell nach Olympia ohne Dauerpartner Sascha Klein weiterzuspringen?

Hausding: Nach Rio mache ich wieder eine längere Pause, werde aber mit dem Leistungssport auf keinen Fall aufhören. Ich werde einen neuen Trainer bekommen, die Trainingssituation und -gruppe werden sich ändern, ein neuer Olympia-Zyklus beginnt. Da freue ich mich schon jetzt drauf, denn das wird für mich noch mal ein neues Abenteuer. Ob ich dann Turm-Synchron weiter springe, steht noch in den Sternen.

ZUR PERSON:  Patrick Hausding (27) ist mit zwölf Titeln Rekordeuropameister im Wasserspringen. 2013 war er mit Sascha Klein Weltmeister im Synchronspringen vom Turm, in Rio waren die beiden als Vierte knapp hinter den Medaillenrängen platziert. Im Einzel vom Drei-Meter-Brett gehört er zum erweiterten Kreis der Mitfavoriten.

dpa

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